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17.12.2025
11:42 Uhr
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Im Dezember schauen die Unternehmer etwas negativer auf die kommenden Monate als noch im November. Einige Branchen trifft der Stimmungsdämpfer härter als andere.

Deutsche Unternehmen blicken pessimistischer auf die kommenden Monate als zuvor. Wie das Münchner ifo Institut mitteilte, sank dessen Geschäftsklimaindex im Dezember von 88,0 auf 87,6 Punkte. Bei dem Geschäftsklimaindex handelt es sich um eine monatliche Stimmungsumfrage in der Wirtschaft . Er gilt als wichtigstes Konjunkturbarometer des Landes und bündelt Einschätzungen von rund 9.000 Führungskräften. Demnach verschlechterte sich der Ausblick auf das erste Halbjahr 2026 im Vergleich zum November etwas. Das hat Experten mitunter überrascht, Volkswirte hatten mit einem leichten Anstieg des Index auf 88,2 Punkte gerechnet. Die aktuelle Lage der Wirtschaft werde allerdings ähnlich schlecht bewertet wie im Vormonat. Im Dienstleistungssektor sei das Geschäftsklima erneut in den negativen Bereich gefallen. "Eine positive Ausnahme ist die Gastronomie, die von einem sehr starken Dezember berichtete", teilte das Institut mit. Darüber hinaus verharrte der Index im Bauhauptgewerbe auf niedrigem Niveau. Das Geschäftsklima im Handel verschlechterte sich: Die Einzelhändler seien unzufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft . "Das Jahr endet ohne Aufbruchsstimmung", sagte ifo-Chef Clemens Fuest. Im sogenannten verarbeitenden Gewerbe bleibe kaum eine Branche von der abgefallenen Stimmung verschont. Die Zahl der Neuaufträge sei zurückgegangen; Industrieunternehmen planten, die Produktion zurückzufahren. Index fällt zwei Monate in Folge Der ifo Geschäftsklimaindex ist damit den zweiten Monat in Folge gefallen. "Offenbar leidet die Stimmung der Unternehmen darunter, dass es im Herbst, anders als von der Regierung angekündigt, nicht zu wirtschaftspolitischen Reformen in der Breite gekommen ist", sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Ähnlich äußerte sich Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg: " Die Politik liefert nicht , teilweise agiert sie sogar realitätsblind." In früheren Konjunkturzyklen habe in ähnlichen Phasen oft der Erfolg der Industrie auf den Exportmärkten geholfen, erklärte der Analyst. "Davon kann dieses Mal keine Rede sein." Michael Herzum, Leiter Volkswirtschaft beim Fondsanbieter Union Investment, führt den gesunkenen Index auf enttäuschte Erwartungen zurück. Der Ankündigungseffekt staatlicher Milliardenpakete etwa für Infrastruktur sei verpufft. Herzum hofft aber auf das Sondervermögen der Bundesregierung. "Es sollte nicht mehr lange dauern, bis die ersten Bagger für die Infrastrukturprojekte rollen und die Investitionen der Regierung auch bei den Unternehmen ankommen", sagte er. Experten erwarten zartes Wirtschaftswachstum Im laufenden Schlussquartal dürfte die deutsche Wirtschaft folglich bestenfalls minimal wachsen, eher aber stagnieren, sagte der ifo-Konjunkturexperte Klaus Wolrabe der Nachrichtenagentur Reuters. "In diesem Jahr gibt es keine Geschenke für die deutsche Wirtschaft." Die Bundesbank sieht das ähnlich: Die deutsche Wirtschaft dürfte im laufenden Schlussquartal 2025 leicht wachsen. Ein spürbares Anziehen der Konjunktur erwarten Fachleute aber erst für das kommende Jahr, wenn staatliche Mehrausgaben für Infrastruktur und Verteidigung Impulse setzen könnten. Allerdings bremsen die US-Zölle und die bröckelnde Wettbewerbsposition im internationalen Konkurrenzkampf die deutsche Industrie.