Zeit 05.03.2026
06:00 Uhr

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Warum 30 km/h gerade eine fantastische Geschwindigkeit ist


Die Elbvertiefung am Donnerstag – mit der Flottenchefin von Hapag-Lloyd, einem Filmabend für den Regisseur Hark Bohm und keinem Fanfest auf dem Heiligengeistfeld

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Warum 30 km/h gerade eine fantastische Geschwindigkeit ist
Liebe Leserin, lieber Leser, dass Erdkröten nicht die hellsten Sterne auf unserem Planeten sind, ist am Ende auch ihr großes Glück. Hüpfen sie etwa in der Dämmerung in Richtung ihres anvisierten Gewässers, bemerken sie nicht einmal riesige Krater, die sich vor ihnen im Boden auftun. Hops, zack, Kröte drin. Aber wie gesagt, das ist ihr Glück, denn so fangen Irm Hermans und noch einige andere freundliche Menschen des Nabu an diesen neuerdings warmen und feuchten Abenden die Kröten ein – an der Vogt-Kölln-Straße in Eimsbüttel zum Beispiel. Dort haben sie einen kniehohen grünen Krötenzaun entlang der Straße aufgestellt und davor in einigen Metern Abstand weiße Eimer in die Erde gegraben. Morgens zwischen acht und zehn heben sie die Kröten – und dann und wann auch Teichmolche, Bergmolche, Kammmolche und Grasfrösche – aus den Behältern wieder heraus und tragen sie über die Straße. Am Ufer des kleinen Teichs am Kollauwanderweg setzen sie die Tiere dann – gänzlich unüberfahren – wieder ab, und die Amphibien verschwinden zum Laichen in Richtung Wasser. Meine Tochter und ich haben am Wochenende auch einige Stunden an dieser Straße verbracht und Kröten vom Asphalt gezupft, denn manche hopsen über den nahen Parkplatz an den Zäunen vorbei und werden dann doch überfahren. Ich kann Ihnen sagen: Eine Erdkröte auf der Hand zu halten ist schon auch schön. Die Augen sind äußerst hübsch. Goldfarben. Und außerdem: "Jedes Tier, das wir retten", sagt Hermans, "ist eines, das eine Chance hat, sich zu reproduzieren." Jedes Jahr sammeln sie und ihre Kolleginnen und Kollegen zigtausende Amphibien ein und retten sie vor dem Autotod, dieses Jahr waren es schon 600 an der Vogt-Kölln-Straße. Hermans glaubt: Ohne solche Sammelaktionen wäre der Bestand längst eingebrochen. Sie sucht für die Krötenwanderung – die noch einige Wochen andauern wird – übrigens noch Helfer . Hermanns hat mir auch eine Bitte an Sie mitgegeben: Fahren Sie doch in den nächsten Wochen nicht schneller als 30 km/h, wenn Sie ein Schild mit der Aufschrift "Krötenwanderung" entdecken. Die Tiere können schon sterben, wenn jemand zu schnell an ihnen vorbeifährt, das hat etwas mit dem Luftdruck zu tun. Und achten Sie doch bitte auch auf Krötensammler an der Straße. Kommen Sie gut durch den Tag! Ihre Maria Rossbauer Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, oder wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de . WAS HEUTE WICHTIG IST In Hamburg beginnt heute der Prozess gegen acht mutmaßlich rechtsextreme Terroristen . Sie sollen als Mitglieder oder Unterstützer der Gruppe "Letzte Verteidigungswelle" (Z+) Anschläge auf Migranten und linke Einrichtungen geplant haben. Die zur Tatzeit 14- bis 21-Jährigen sind wegen versuchten Mordes, Verabredung zum Mord und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Während der Fußball-Weltmeisterschaft vom 11. Juni bis zum 19. Juli in den USA, Kanada und Mexiko wird es in Hamburg kein Fanfest auf dem Heiligengeistfeld geben. Gründe sind ungünstige Anstoßzeiten und der Aufbau des danach stattfindenden Sommerdoms. Ab 2027 soll der Entwicklungsstand aller Hamburger Erstklässler in Sprache und Mathematik erfasst werden. Der unbenotete, spielerische Test kurz nach der Einschulung soll einem Bericht des Hamburger Abendblatts zufolge eine frühzeitige und passgenaue Förderung ermöglichen. Ein Jahr später soll die Wirksamkeit der Förderung überprüft werden. Der Hamburger Maßregelvollzug für die Behandlung psychisch kranker Straftäter ist überfüllt . Im Asklepios-Klinikum Nord in Ochsenzoll waren Anfang Februar 425 Patienten untergebracht, teilte der Senat mit. Die Klinik verfügt jedoch nur über 375 Plätze. Die Sozialbehörde plant nach eigenen Angaben eine Kapazitätserweiterung. Die Hamburger Energiewerke haben auf dem Gelände des Kohlekraftwerks Tiefstack mit dem Bau eines Wärmespeichers begonnen. Nach Angaben des städtischen Versorgers soll er im ersten Halbjahr 2029 in Betrieb gehen. Der Speicher soll Teil eines Energieparks sein. AUS HAMBURG "Die Besatzung kann sich nicht einfach an Land in Sicherheit bringen" Mehrere Schiffe der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd hängen wegen des Irankriegs im Persischen Golf fest. ZEIT-Autorin Kristina Läsker sprach nun mit Flottenchefin Silke Lehmköster über die Lage vor Ort – und wie es den Crews geht. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview: Seit knapp zwei Jahren ist Silke Lehmköster die oberste Flottenchefin von Hapag-Lloyd, der größten deutschen Reederei. Die 39-jährige Kapitänin trägt die Verantwortung für etwa 350 Containerfrachter und deren Crews. Aktuell stecken mehrere Schiffe der Reederei im Persischen Golf fest. Lehmköster leitet auch den Krisenstab, der sich um sie kümmert. Im Gespräch erzählt sie, wie es den Schiffen und den Crews im Kriegsgebiet gerade geht – und wie sie und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diese Situation gerade meistern. DIE ZEIT: Frau Lehmköster, seit Samstag hängen mehrere Containerfrachter von Hapag-Lloyd im Persischen Golf fest und können nicht hinausfahren, weil der Iran die Straße von Hormus blockiert. Wo sind diese Schiffe jetzt? Silke Lehmköster: Sicherheitsexperten haben uns empfohlen, unsere Schiffe möglichst schnell aus den Häfen der Golfregion herauszufahren. Denn dort steht viel kritische Infrastruktur wie Öldepots, und die sind jetzt im Fokus des Iran und werden beschossen. Aktuell sind darum nur noch zwei unserer Frachter in einem Hafen, und auch die sollen da so schnell es geht weg. Die anderen ankern in einer Ecke im Persischen Golf, wo sie hoffentlich relativ sicher sind vor Angriffen. ZEIT: Wie geht es den Besatzungen? Lehmköster: Alle unsere Crews sind bisher unverletzt, und ich hoffe sehr, dass das so bleibt. ZEIT: Haben die Angriffe inzwischen nachgelassen? Lehmköster: Rund um den Hafen Dschabal Ali in Dubai, das ist der größte Containerhafen der Region, gab es zuletzt weniger Beschuss. Anderswo passierte viel. Wir haben eine Meldung bekommen, dass erneut ein Handelsschiff einer anderen Reederei in Brand geraten ist, und wir wissen nicht, wie es der Crew geht. Es gab Einschläge rund um Bahrain und rund um den Hafen Salalah östlich der Meerenge von Hormus. Eines unserer Schiffe hat diese Einschläge live erlebt, und das hat emotionale Auswirkungen auf unsere Crew. Wie sich der Krisenstab von Hamburg aus aufstellt , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung des Interviews. → Zum Artikel (Z+) SCHON GELESEN? Alles, was er liebte, war auf dieser Insel Kaum jemand hat das deutsche Kino so entscheidend geprägt wie Hark Bohm. Vor vier Monaten ist der Regisseur gestorben. ZEIT-Redakteurin Annika Lasarzik hatte ihn vergangenes Jahr noch getroffen. → Zum Artikel (Z+) Heute Abend findet im Metropolis der Kinoabend Danke, Hark Bohm zu seinen Ehren statt. Der Eintritt ist frei. DAS KÖNNTE SIE INTERESSIEREN In der Staats- und Universitätsbibliothek läuft im Rahmen von Hamburg liest Lenz die Ausstellung Elfenbeinturm und Barrikade. Siegfried Lenz und Helmut Schmidt . Studierende der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg zeigen hier ihre kritische Auseinandersetzung mit den beiden und deren Themen. "Elfenbeinturm und Barrikade. Siegfried Lenz und Helmut Schmidt" , bis 10.5.; Stabi, Von-Melle-Park 3; Ausstellungsraum, Mo–Fr 9–24 h, Sa+So 10–24h.; Eintritt frei. MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Im Supermarkt: Der Kassierer schiebt eine rote 2-Kilo Kugel über die Waage und sagt: "Ich muss doch mal fragen: Ist das ein Rotkohl?" Gehört von Rosi Bätz Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. 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