Zeit 21.01.2026
11:25 Uhr

Zuckerkonsum: Leopoldina empfiehlt Zuckersteuer in Deutschland


Wissenschaftler beziffern die wirtschaftlichen Kosten durch Übergewicht auf 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Leopoldina hält eine Zusatzsteuer für sinnvoll.

Zuckerkonsum: Leopoldina empfiehlt Zuckersteuer in Deutschland
Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hält eine Besteuerung stark zucker- oder fetthaltige Lebensmittel und Getränke für sinnvoll. In Ländern wie Großbritannien habe die Zuckersteuer den Konsum von Zucker und gesüßten Getränken reduziert, teilte die Leopoldina mit. Auch in Deutschland wäre demnach mit positiven Effekten auf die Bevölkerungsgesundheit zu rechnen. Die Wirksamkeit der aktuellen politischen Anstrengungen und Strategien gegen Adipositas bezeichnet die Leopoldina als fraglich. Die Erkrankungshäufigkeit gehe trotz präventiver Maßnahmen nicht zurück, in Deutschland gebe es sogar eine Adipositas-Epidemie. Fast jedes sechste Kind im Alter zwischen drei und 17 Jahren habe Übergewicht oder starkes Übergewicht (Adipositas), bei den Erwachsenen sei sogar ein Viertel adipös. Das Übergewicht kann laut der Leopoldina Folgeerkrankungen verursachen und auch hohe gesellschaftliche Kosten. Die jährlichen wirtschaftlichen Kosten schätzt die Akademie auf etwa 2,6 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Das entspreche etwa 113 Milliarden Euro. Wissenschaftler für Mehrwertsteuersenkung bei Obst und Gemüse Die Direktorin des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie, Iris Pigeot, forderte einen systemischen Ansatz, bei dem Bund und Länder an einem Strang ziehen müssten. Sinnvoll sei auch eine Kombination aus Prävention und Therapie, teilte die Leopoldina mit. Präventive Maßnahmen müssten früh ansetzen, etwa bereits in der Schwangerschaft oder in den ersten Lebensjahren des Kindes. "Ungesunde Verhaltensmuster sollten regulatorisch eingedämmt werden." Die Leopoldina forderte in diesem Zusammenhang auch die Senkung der Mehrwertsteuer für gesunde Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Vollkornprodukte. Werbung für ungesunde Lebensmittel sollte aus ihrer Sicht eingeschränkt werden, insbesondere, wenn sie sich an Kinder und Jugendliche richte.