Zeit 20.11.2025
08:47 Uhr

Zerstörung in Syrien: Johann Wadephul hält an Einschätzung zu Rückkehr nach Syrien fest


Der Außenminister bleibt trotz Kritik bei seiner Aussage zu Syrien. Es sei seine "nüchterne Analyse", dass die Rückkehr in das Land nur sehr eingeschränkt möglich sei.

Zerstörung in Syrien: Johann Wadephul hält an Einschätzung zu Rückkehr nach Syrien fest
Außenminister Johann Wadephul (CDU) hält auch nach unionsinterner Kritik an seiner Einschätzung der Lage in dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Syrien fest. Sein Satz, dass die Rückkehr an zerstörte Orte in Damaskus kurzfristig nur sehr eingeschränkt möglich sei, "ist das Mindeste, was man an der Stelle sagt, und dabei bleibe ich auch, weil es meine nüchterne Analyse ist", sagte der CDU-Politiker beim Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung . "Das ist meine Einschätzung dort, und wer das anders sieht, der müsste dort entsprechend argumentieren und auch Fakten nennen. Aber es ist leider so, wie es ist." Es sei klar, dass Straftäter und Gefährder zurückgeführt würden und diejenigen, die es nach vielen Jahren nicht geschafft hätten, die deutsche Sprache zu lernen, irgendeine Ausbildung zu machen und in einen Erwerbsprozess hineinzukommen, nicht dauerhaft durch den deutschen Steuerzahler finanziert würden. Aber es gebe auch viele Syrerinnen und Syrer, die sich hervorragend in die deutsche Gesellschaft eingebracht hätten. Er sei "durch ein völlig zerbombtes Damaskus gefahren", sagte der Minister weiter – und habe sich schildern lassen, wie die tatsächliche Situation dort sei: Es gebe keine Elektrizität, kein Wasser, kein Abwasser. Andere Städte wie Homs und Aleppo seien noch viel zerstörter, es habe Flächenbombardements von Russen und Baschar al-Assads Truppen und Giftgaseinsätze gegeben, es gebe jede Menge Blindgänger dort. Das erinnere natürlich, zumindest dort, wo das geschehen sei, schon an die Bilder nach dem Zweiten Weltkrieg. "Man darf doch die Empathie und den Blick für die Wirklichkeit nicht verlieren." Druck "in angemessener Art" ausüben Ende Oktober hatte Wadephul beim Besuch von Harasta, einer schwer verwüsteten Vorstadt von Damaskus, angezweifelt, dass angesichts der starken Zerstörung kurzfristig eine große Zahl syrischer Flüchtlinge freiwillig dorthin zurückkehren werde. "Hier können wirklich kaum Menschen richtig würdig leben", sagte er damals. Auch die ZEIT hat Harasta besucht . Eine Woche nach seiner Syrienreise soll Wadephul in einer Sitzung der Bundestagsfraktion nach Angaben mehrerer Teilnehmer gesagt haben, Syrien sehe schlimmer aus als Deutschland 1945 . Auch diese Aussage zog Kritik nach sich. Wadephul sicherte nun deutsche Hilfe zu. Die Bundesregierung helfe, damit den Wiederaufbau, den in Deutschland Trümmerfrauen gemacht hätten, in Syrien auch Trümmermänner und Trümmerfrauen mit deutscher Hilfe machten. Aber die Syrer müssten auch motiviert werden, dort an die Arbeit zu gehen. "Wir müssen auch ein bisschen Druck ausüben", sagte er. Das gelinge aber nur, wenn es in angemessener Art gemacht werde. Es sei der Wille der syrischen Regierung, viele in das Land zu bekommen. "Syrien ist ein tolles und diverses Land."