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16.01.2026
12:12 Uhr
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78 Prozent der Deutschen sehen die Nato durch die Politik von Donald Trump bedroht. Eine Mehrheit wünscht sich eine klare Reaktion der EU auf Völkerrechtsbrüche.

Mehr als drei Viertel der Deutschen gehen laut einer Umfrage davon aus, dass die Politik von US-Präsident Donald Trump den Fortbestand der Nato gefährdet. 78 Prozent der Befragten stimmten dieser Aussage im aktuellen ZDF- Politbarometer zu, 18 Prozent teilten die Einschätzung nicht. Für die repräsentative Umfrage befragte die Forschungsgruppe Wahlen zwischen dem 13. und 15. Januar 1.245 Wahlberechtigte. Trump drohte zuletzt wiederholt mit einer Übernahme der rohstoffreichen Insel Grönland und schloss dabei auch militärische Mittel nicht aus. Das weitgehend autonome Gebiet gehört zum Nato-Mitgliedsstaat Dänemark. Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen sagte dazu, wenn ein Nato-Staat einen anderen angreife, dann höre alles auf. Anfang des Monats hatten US-Streitkräfte bei einem völkerrechtswidrigen Militäreinsatz den venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro entführt und in die USA gebracht. Mehrheit wünscht sich klare EU-Antwort auf Völkerrechtsbrüche Vor diesem Hintergrund sprach sich eine Mehrheit von 69 Prozent der Befragten dafür aus, dass die Europäische Union Position beziehen solle, wenn die USA unter Missachtung des Völkerrechts mit militärischen Mitteln in anderen Ländern eingreifen, um sich wirtschaftliche Ressourcen zu sichern. 22 Prozent plädierten dafür, dass sich die EU heraushalten solle, 5 Prozent befürworteten eine Unterstützung des US-Vorgehens. Als Reaktion auf den US-Einsatz in Venezuela hatten die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und 26 EU-Staaten in einer Erklärung zu "Ruhe und Zurückhaltung aller Akteure" aufgerufen, auf die mangelnde Legitimität Maduros verwiesen und einen "friedlichen Übergang" gefordert. Die Drohungen Trumps gegenüber Grönland wies Kallas dagegen mit ungleich schärferen Worten zurück und pochte auf die Einhaltung des Völkerrechts . Gespalten zeigten sich die Befragten bei der Frage nach einem möglichen US-Eingreifen im Iran. Dort hatten zuletzt Hunderttausende Menschen gegen die autoritäre Führung des Landes protestiert, die gewaltsam darauf reagierte. Nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen wurden mehrere Tausend Iranerinnen und Iraner von Sicherheitskräften getötet . Trump hatte der Führung in Teheran wiederholt mit einem Einschreiten gedroht und einen Flugzeugträger in die Region verlegt . 37 Prozent der Befragten würden ein solches Eingreifen befürworten, ebenso viele lehnten es ab. 13 Prozent gaben an, ihnen sei dies egal. Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland Ähnlich uneinig waren die Befragten beim Thema einer möglichen Beteiligung der Bundeswehr an einer Friedenssicherung in der Ukraine. Sollte es zwischen Russland und der Ukraine zu einer Waffenruhe kommen, die durch europäische Truppen abgesichert wird, befürworteten 49 Prozent eine deutsche Beteiligung. 45 Prozent sprachen sich dagegen aus. Deutliche Unterschiede zeigten sich dabei zwischen West- und Ostdeutschland: Während im Westen 53 Prozent eine Beteiligung der Bundeswehr unterstützten, waren es im Osten lediglich 32 Prozent.