Zeit 17.12.2025
17:14 Uhr

Wölfe in Deutschland: Bundesregierung einigt sich auf leichteren Abschuss von Wölfen


Wölfe, die Nutztiere gefährden, sollen in Zukunft auch dort abgeschossen werden dürfen, wo ihr Bestand gefährdet ist. Zuvor hatte die EU ihren Schutzstatus abgeschwächt.

Wölfe in Deutschland: Bundesregierung einigt sich auf leichteren Abschuss von Wölfen
Die Bundesregierung hat eine Änderung des Jagdgesetzes vereinbart, um den Abschuss von Wölfen zu erleichtern. Das Landwirtschaftsministerium begründete das Vorhaben mit dem Schutz von Weidetieren. Die Änderung hatten Union und SPD bereits in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart. Die Änderung sieht ein "regionales Bestandsmanagement" vor. Damit sollen Länder, in denen es Regionen mit vielen Wölfen gibt und der Bestand demzufolge als nicht gefährdet gilt, die Zahl der dort lebenden Wölfe regulieren können. "In diesem Rahmen ist eine Jagdzeit von 1. Juli bis 31. Oktober vorgesehen", teilte das Landwirtschaftsministerium mit. Herdenschutzmaßnahmen sollen weiter unterstützt werden Der Abschuss von Wölfen soll aber auch unabhängig vom jeweiligen Bestand erleichtert werden, wenn Tiere bereits Herdenschutzmaßnahmen wie Zäune überwunden und Weidetiere verletzt oder getötet haben. Auch in Gegenden mit Deichen oder Almwiesen, die als Weidegebiete ausgewiesen sind und in denen Schutzmaßnahmen wie Zäune als unzumutbar gelten, soll der Abschuss von Wölfen möglich sein. Grundsätzlich wird dem Ministerium zufolge die Finanzierung von Zäunen oder Herdenschutzhunden weiterhin unterstützt. Verboten bleiben soll indes der Handel mit Wolfstrophäen oder das Zurschaustellen toter Wölfe. 209 Wolfsrudel in Deutschland In den vergangenen zehn Jahren sind die Wolfsbestände in Europa nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums von gut 11.000 Tieren im Jahr 2012 auf über 20.000 im Jahr 2023 gestiegen. In Deutschland leben demnach derzeit 209 Wolfsrudel, vor allem in Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen. Ein Rudel besteht in der Regel aus fünf bis zehn Tieren. Parallel dazu sei auch die Zahl der Wolfsrisse gestiegen, teilte das Ministerium mit. Im Jahr 2024 wurden demnach rund 4.300 Nutztiere von Wölfen gerissen, überwiegend Schafe und Ziegen. In der sogenannten Berner Konvention, einem völkerrechtlichen Vertrag des Europarats, war der Schutzstatus des Wolfs bereits von "streng geschützt" auf "geschützt" herabgestuft worden. Damit wurde grundsätzlich die Voraussetzung für einen schnelleren Abschuss von Wölfen geschaffen. "Wolfspopulation muss bleiben" Bereits im Vorfeld des Kabinettsbeschlusses hatte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) die Aufnahme des Wolfs ins Jagdgesetz als guten Interessenausgleich bezeichnet. Angestrebt werde "nicht freier Abschuss", sagte er den Sendern RTL und ntv . Die Wolfspopulation gehöre zu Deutschland, sagte der Minister – "und sie muss auch bleiben". "Mit der Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz kommen klare, praxistaugliche Regeln und Rechtssicherheit", sagte Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU). Weidetierhaltung sei das "Herzstück unserer Kulturlandschaft". Für viele Tierhalter bedeute jeder Riss nicht nur einen wirtschaftlichen Verlust, sondern auch emotionale Belastung.