Zeit 13.02.2026
11:51 Uhr

Wirtschaftspolitik der AfD: Die AfD ist eine Gefahr für Demokratie und Wohlstand


Die AfD-Ideologie ist eine Gefahr für die Demokratie. Sie nutzt ein Menschenbild, das von Angst geprägt ist, und ökonomische Konzepte, die Wohlstand vernichten würden.

Wirtschaftspolitik der AfD: Die AfD ist eine Gefahr für Demokratie und Wohlstand
Die größte politische Herausforderung unserer Zeit besteht nicht in wirtschaftlichen Krisen, nicht in geopolitischen Konflikten und auch nicht allein im Klimawandel. Sie besteht darin, dass die liberale Demokratie selbst zunehmend unter Druck gerät. Es ist möglich, dass sie in wenigen Jahrzehnten weltweit nur noch in Resten existiert. Die Gefahr kommt vor allem von innen – von politischen Kräften, die demokratische Verfahren nutzen, um ihre Substanz auszuhöhlen. In Deutschland stellt die AfD die größte Bedrohung dar. Sie ist nicht einfach eine radikale Protestbewegung, sondern eine Partei, deren Ziele und Ideologie das Fundament unseres demokratischen Rechtsstaats bedrohen. Um die Tragweite dieser Gefahr zu verstehen, lohnt der Blick über Deutschland hinaus. Denn viele antidemokratische Bewegungen weltweit basieren auf einer ähnlichen Ideologie. In den USA prägen Personen wie Donald Trump, JD Vance und der Techmilliardär Peter Thiel ein politisches Weltbild, das von einem tiefen Misstrauen gegenüber demokratischen Institutionen und internationaler Kooperation geprägt ist . Wie ich in meiner ersten Kolumne zur Ideologie dieser Akteure dargestellt habe, stützt sich dieses Weltbild auf eine radikale und zugleich verzerrte Interpretation der Anthropologie des französischen Philosophen René Girard. Girards zentrale Idee, dass moderne Gesellschaften Konflikte durch staatliche Institutionen zivilisieren, wird dort bewusst ignoriert. Stattdessen wird behauptet, demokratische Ordnungen seien zu schwach, um Rivalität zu kontrollieren. Aus dieser Prämisse wird dann abgeleitet, dass autoritäre Eliten, technokratische Kontrolle oder private Monopole die bessere Alternative seien. Diese Sichtweise ist gefährlich, weil sie Demokratie nicht als Lösung gesellschaftlicher Konflikte versteht, sondern als Hindernis, das überwunden werden müsse. Die AfD knüpft an dieses Denken an. Ein Menschenbild der Angst Sie teilt mit der amerikanischen Rechten eine Grundannahme, die im Gegensatz zu dem steht, was unsere demokratische Ordnung trägt: Sie geht davon aus, dass die Welt aus unauflösbaren Konflikten besteht, die sich nicht durch Institutionen, Regeln und Kompromisse, sondern nur durch Macht und Ausschluss bewältigen lassen. In diesem Weltbild erscheinen demokratische Institutionen als Ausdruck von Schwäche, während autoritäre Lösungen als vermeintlich effizient und notwendig dargestellt werden. Die AfD zeichnet das Bild einer Gesellschaft, die sich permanent gegen äußere und innere "Bedrohungen" verteidigen müsse. Dies ist kein zufälliger rhetorischer Stil, sondern ein ideologisches Muster: Politik wird nicht als Aufgabe verstanden, verschiedene Interessen miteinander zu vereinbaren, sondern als Abwehrkampf. Aus dieser Sichtweise entsteht ein Menschenbild, das von Angst geprägt ist. Individuelle Vielfalt wird als Risiko, nicht als Chance betrachtet. Pluralismus wird als Spaltung gedeutet. Rechte und Freiheiten werden relativiert, sobald sie nicht dem eigenen politischen Lager dienen. Die AfD nutzt dieses Menschenbild, um Misstrauen zu säen – gegenüber den Institutionen, die die Herausforderungen unserer Zeit bewältigen sollen. Die AfD missachtet die Grundlage unseres Wohlstands Wer das politische Projekt der AfD nüchtern analysiert, erkennt autoritäre Strukturen, die an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte erinnern. Die AfD fordert eine politische Kontrolle über die Justiz, sie greift unabhängige Medien an, sie relativiert zentrale Grundrechte und bedient ein ethnisch definiertes Verständnis von Nation und Zugehörigkeit. Sie behauptet, dass eine angeblich homogene Volksgemeinschaft existiere, deren "wahrer Wille" von demokratischen Institutionen verfälscht werde. Dieses Denken ist antidemokratisch und gefährlich, weil es politischen Pluralismus als illegitim darstellt. Die Politikwissenschaftler Levitsky und Ziblatt zeigen in ihrer vergleichenden Analyse , dass Demokratien nicht durch Revolution, sondern durch schrittweise Normverletzungen zerfallen. Freedom House dokumentiert diesen Trend weltweit seit Jahren. Historisch ist dies ein bekanntes Muster. Demokratien verlieren ihre Substanz selten auf einen Schlag. Sie erodieren langsam, wenn Institutionen politisiert, Minderheiten delegitimiert und Rechtsstaatlichkeit relativiert werden. Die AfD bewegt sich in genau dieser Logik. Sie nutzt demokratische Verfahren, um sie anschließend zu unterlaufen. Es ist daher kein Alarmismus, sondern eine historische Lehre, darauf hinzuweisen, dass ein Erstarken der AfD einen Rückfall in autoritäre und ausgrenzende Muster bedeuten würde, von denen wir glaubten, sie hinter uns gelassen zu haben.