Zeit 26.12.2025
06:54 Uhr

Weihnachtsschmuck aus China: Wo der Kram herkommt


Der Weihnachtsschmuck an Ihrem Baum? Stammt wahrscheinlich aus Yiwu, China. Dort hatte man, trotz Zollkrieg, ein rasend erfolgreiches Jahr.

Weihnachtsschmuck aus China: Wo der Kram herkommt
Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende , Ausgabe 52/2025. Der Baum des Jahres, sagt Frau Chen, sei der da, und weist quer durch den Verkaufsraum auf eine Plastiktanne in Neongrün, die Spitze hängt pittoresk gekrümmt zur Seite. "Ging dieses Jahr sehr gut weg", sagt Chen. "Aber bis nächstes Jahr wird der Trend nicht halten." Weihnachten hat seine Moden. Und seine Konjunkturen. Die Experten für beides sitzen in der ostchinesischen Handelsstadt Yiwu, wo Frau Chen, die hier nicht mit vollem Namen genannt werden möchte, um freier erzählen zu können, im dritten Stock einer weitläufigen Messehalle ihre PVC-Bäume ausstellt, kleine und große, zapfenbehangene und kunstfrostbesprühte, naturalistische und kreischend bunte. Für umgerechnet knapp 100 Euro verkauft sie die teuersten Exemplare an Zwischenhändler, die billigsten kosten ein Zehntel davon. Was weltweit an Weihnachtsschmuck verkauft wird, kommt zu rund 80 Prozent aus China. Das Allermeiste davon wird in Yiwu gehandelt, dem weihnachtlichen Epizentrum des Planeten, wo sich in gleich mehreren Riesenhallen Präsentationsräume wie der von Frau Chen aneinanderreihen, Etage um Etage, Gang um Gang. Endlose Regale, gefüllt mit Weihnachtskugeln, Weihnachtskränzen und Weihnachtsmännern, Nussknackern, Putten, Rentiergespannen und jeder anderen Spielart von blinkendem, dudelndem Festtagskitsch. In den USA kamen 2024 sogar 87 Prozent der Weihnachtsdekoration aus der Volksrepublik, das entsprach rund der Hälfte der chinesischen Produktion. Auch Frau Chen hat Jahr für Jahr einen Teil ihrer Bäume an Zwischenhändler verkauft, die in die USA exportieren. So hätte es auch dieses Jahr laufen können, sagt sie – wenn da nicht "Telangpu" gewesen wäre. So sprechen sie hier in China den Nachnamen von Donald Trump aus. Der entfachte wenige Monate nach seinem Amtsantritt als US-Präsident einen Zollkrieg gegen den Rest der Welt. China konterte mit Gegenzöllen, Trump legte nach, die wechselseitigen Handelsbarrieren eskalierten im April bis in den dreistelligen Prozentbereich. Weihnachten war da noch weit entfernt, aber die Händler in Yiwu erwischte das Zollduell just in der Kernphase ihres Geschäfts. Ihre Baumdeals, sagt Frau Chen, schließe sie im Frühjahr ab. Dann laufe die Produktion an, in der nahe gelegenen Fabrik, die Chens Mann leitet. In den Sommermonaten werden die Bäume verschifft. Der chinesische Weihnachtssektor, erinnert sich Chen, sei in Aufruhr gewesen, als Abnehmer in den USA plötzlich reihenweise ihre Bestellungen stornierten. Manche Fabrik in China hatte da längst mit der Produktion begonnen, auch Frau Chen fürchtete, auf vielen Bäumen sitzen zu bleiben. "Aber irgendwer kauft am Ende immer", sagt sie. Was sie in den USA nicht loswurde, habe sie dieses Jahr verstärkt an Abnehmer in Brasilien und Mexiko verkauft. In den USA wiederum schlug schon im Juli der Branchenverband der Weihnachtsbaumhändler Alarm. "Dies ist eine glückliche Branche, aber es ist eine ziemlich unglückliche Zeit, um darin tätig zu sein", erklärte Jami Warner, Chefin der American Christmas Tree Association. Vier von fünf Weihnachtsbäumen in den USA sind künstlich, von rund 15 bis 20 Millionen jährlich verkauften Plastikbäumen kommen 90 Prozent aus China. Trumps Zölle, erklärte Warner, könnten daran nichts ändern. "Sie können sicher nicht in den USA hergestellt werden. Es gibt keine Fertigung, die Technologie ist nicht hier, der Arbeitsmarkt ist nicht hier."