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25.12.2025
00:32 Uhr
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In seiner ersten Christmette als Papst hat Leo XIV. zu Glauben und Liebe aufgerufen und eine "verkehrte Wirtschaft" kritisiert. Auch in Bethlehem wurde wieder gefeiert.

Papst Leo XIV. hat am Mittwochabend die erste Christmette seines Pontifikats im Petersdom im Vatikan gefeiert. Vor Kardinälen, Bischöfen, Diplomaten und etwa 6.000 Gläubigen hielt er eine sehr religiöse Predigt, ohne direkt auf aktuelle Themen einzugehen. Weihnachten sei ein Fest "des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung", sagte der Papst. Zugleich kritisierte er eine "verkehrte Wirtschaft", die "dazu verleitet, die Menschen als Ware zu behandeln". Während der Messe am Heiligen Abend rief Leo XIV. zu Frieden, Hoffnung und Wahrung der Menschenwürde auf und mahnte überdies zu Mitmenschlichkeit und Frieden. Er gebe auf Erden keinen Platz für Gott, wenn es keinen Platz für den Menschen gebe. Vor Beginn der Messe hatte der Papst überraschend die Gläubigen auf dem Petersplatz begrüßt. Etwa 5.000 Menschen hatten sich dort trotz des Regens eingefunden, um die Zeremonie auf Bildschirmen zu verfolgen. "Der Petersdom ist sehr groß, aber leider nicht groß genug, um Sie alle aufzunehmen", sagte Leo XIV. auf Englisch. "Ich bewundere und respektiere Sie und danke Ihnen für Ihren Mut und Ihren Wunsch, heute Abend hier zu sein." "Eine Geschichte der Liebe" Die Christmette zelebriert die Geburt von Jesus Christus und ist einer der wichtigsten Tage im Kalender der katholischen Kirche. Das an Weihnachten geborene Kind bedeute Hoffnung für die Menschen heute, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche. "Angesichts des Leids der Armen sendet er einen Wehrlosen, damit er Kraft zum Aufstehen sei; angesichts von Gewalt und Unterdrückung entzündet er ein mildes Licht, das alle Kinder dieser Welt mit Heil erleuchte", sagte Leo. Weihnachten bedeute nicht "die Lösung jedes Problems, sondern eine Geschichte der Liebe, die uns miteinbezieht". Der Papst – der erste US-Amerikaner auf dem Stuhl Petri – hatte am Nachmittag zu einer eintägigen Waffenruhe für alle Konflikte zu Weinachten weltweit aufgerufen und speziell den Krieg in der Ukraine erwähnt. Traurig stimme ihn, dass Russland einen Weihnachtswaffenstillstand abgelehnt habe. Zuvor war er auf die Lage im Nahen Osten eingegangen. Es sei zu hoffen, dass das Friedensabkommen Fortschritte mache. Kardinal in Bethlehem beeindruckt vom "Willen zu Neuanfang" In Bethlehem begehen Christen erstmals seit Ende des Gaza-Kriegs festliche Weihnachten. Während der zwei Kriegsjahre gab es dort aus Solidarität mit den Menschen im Gazastreifen nur schlichte Andachten. 2025 wurde vor der Geburtskirche Jesu in Bethlehem wieder ein großer Weihnachtsbaum aufgestellt. Kardinal Pierbattista Pizzaballa, der höchste Vertreter der katholischen Kirche im Heiligen Land, rief während der Mitternachtsmesse zu Hoffnung und Wiederaufbau auf. Das Leid in Gaza sei trotz des Endes des Krieges weiterhin allgegenwärtig, sagte Pizzaballa in der Katharinenkirche neben der Geburtskirche im Westjordanland. "Familien leben in den Trümmern, und die Zukunft wirkt fragil und ungewiss." Nach mehr als zwei Jahren Krieg seien die Wunden tief. "Und doch hallt auch hier die Weihnachtsbotschaft wider", sagte der Kardinal. Pizzaballa hatte vor den Feiertagen den weitgehend verwüsteten Gazastreifen besucht. Nach der Begegnung mit den Menschen dort sei er "beeindruckt von ihrer Stärke und ihrem Willen zu einem Neuanfang, von ihrer Fähigkeit, wieder Freude zu empfinden, und von ihrer Entschlossenheit, zerstörte Leben von Grund auf neu aufzubauen." Pizzaballa hatte am Nachmittag die traditionelle Weihnachtsprozession von Jerusalem nach Bethlehem angeführt. Erinnerung an Papst Franziskus In Rom erinnerte der Pontifex auch an seinen im April gestorbenen Vorgänger Papst Franziskus, der zu Weihnachten 2024, gesundheitlich bereits angeschlagen, das Heilige Jahr eröffnet und dabei zu Hoffnung aufgerufen hatte . "Nun, da das Jubiläum seinem Abschluss entgegengeht, ist Weihnachten für uns eine Zeit der Dankbarkeit und der Sendung. Dankbarkeit für die empfangene Gabe; Sendung, um sie der Welt zu bezeugen", sagte Papst Leo XIV. Das Heilige Jahr endet am 6. Januar mit Schließung der Heiligen Pforte des Petersdoms. Am Vormittag feiert Leo den Festgottesdienst zum ersten Weihnachtstag im Petersdom. Anschließend erteilt er von der Mittelloggia der Basilika den traditionellen Segen "Urbi et orbi" (Der Stadt und dem Erdkreis). Dazu werden in Rom Zehntausende Gläubige erwartet. Am zweiten Weihnachtstag spricht Leo XIV. das Mittagsgebet auf dem Petersplatz. Der aus den USA stammende Robert Francis Prevost hatte im Mai die Nachfolge seines verstorbenen Vorgängers Franziskus angetreten.