Zeit 03.03.2026
13:08 Uhr

Wehrbericht: Wehrbeauftragter fordert schnelle Personalwende bei der Bundeswehr


Die Personalprobleme bei der Bundeswehr bleiben gravierend, sagt der Wehrbeauftragte Henning Otte. Das liege auch an der hohen Abbruchquote von Rekruten.

Wehrbericht: Wehrbeauftragter fordert schnelle Personalwende bei der Bundeswehr
Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Henning Otte, hat angesichts der verschärften Bedrohungslage​ eine schnelle Personalwende bei der Armee gefordert. Seinem Jahresbericht 2025 zufolge sei ein Erfolg des neuen Wehrdienstmodells zwingend, um bis Mitte der 2030er-Jahre das Ziel von 260.000 aktiven Soldaten und 200.000 Reservisten zu erreichen. Sollte die ⁠Freiwilligkeit nicht genügen, sei laut Otte die Rückkehr zur Wehrpflicht der ​nächste Schritt. Mit rund 25.000 Einstellungen habe die Truppe im vergangenen Jahr zwar das stärkste Jahr seit der Wehrpflichtaussetzung ‌2011 verzeichnet. Doch ⁠die Probleme bei der Personalgewinnung ​blieben gravierend. Die Abbruchquote liege weiter bei rund 20 Prozent. Die Gesellschaft erwarte aber, dass die Armee ihre Aufgabe erfüllt: "Damit dies auch künftig auf hohem ​Niveau gelingt, braucht sie verlässliche Rahmenbedingungen und vor allem mehr Personal." Bruttosold von mindestens 2.600 Euro Otte forderte, die Voraussetzungen für den ab 2026 greifenden neuen Wehrdienst schnell zu schaffen. Dieser ⁠sieht unter anderem einen Bruttosold ​von mindestens 2.600 Euro sowie weitere Vergünstigungen vor. Zu den Grundbedingungen zählten aber auch die Einrichtung ‌von Musterungszentren sowie der Aufbau von ‌Ausbildungs- und Unterbringungskapazitäten, damit mehr Menschen zur Armee gingen. Zahlreiche ​ Kasernen seien marode und müssten dringend saniert werden. Auch die Digitalisierung, etwa bei der Gesundheitsakte, müsse dringend vorangetrieben werden, um Frustration bei den Soldaten zu vermeiden. Von der erfolgreichen Bewerbung bis zur Einstellung dauere es derzeit im Schnitt 112 Tage und damit zwei Wochen länger als im Vorjahr. Dies sei im Wettbewerb um Fachkräfte zu lang. Aus ‌der Truppe werde zudem gemeldet, dass bei der körperlichen Fitness der Rekruten ​oft das Motto "Quantität vor Qualität" gelte. Auch bei der Ausrüstung gebe es nach ⁠wie vor großen ​Nachholbedarf. Da die Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse ausgenommen sind, ‌könne Geldmangel dabei keine Rolle mehr spielen. Straftaten gegen die Bundeswehr gestiegen Der Bericht dokumentiert zudem eine wachsende äußere Bedrohung für die Bundeswehr im Inland. So ‌sei die Zahl der Straftaten gegen die Bundeswehr auf 112 gestiegen. Darunter seien sechs Brandanschläge und zehn ​ Sabotageakte gewesen. Die gestiegene Anzahl dieser Angriffe verdeutliche, dass sich die reale Bedrohungslage verschärft habe, heißt es in dem Bericht.