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27.11.2025
09:53 Uhr
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In Washington, D. C. wurde auf zwei Nationalgardisten geschossen. Der US-Präsident bezeichnet den Vorfall als "Terrorakt", der Verdächtige ist festgenommen. Ein Überblick

Zwei Nationalgardisten sind in Washington, D. C. angeschossen worden, der mutmaßliche Schütze ist festgenommen. Der US-Präsident spricht von einem Terrorakt. Was bekannt ist – und was nicht. Was ist passiert? In Washington, D. C., der Hauptstadt der Vereinigten Staaten, sind zwei Nationalgardisten in der Nähe des Weißen Hauses, des Regierungssitzes, angeschossen worden . Die beiden befanden sich nach Angaben des stellvertretenden Polizeichefs der Hauptstadt, Jeff Carroll, auf einer "sehr sichtbaren" Patrouille. In der US-Hauptstadt war es etwa 14.15 Uhr am Mittwochnachmittag (20.15 Uhr deutscher Zeit). Ermittlerangaben zufolge kam der mutmaßliche Schütze in der Nähe der U-Bahn-Haltestelle Farragut West um eine Ecke auf die Nationalgardisten zu und schoss direkt auf die beiden. Weitere Nationalgardisten und Polizeikräfte der Hauptstadt überwältigten den Schützen dann, wobei dieser angeschossen wurde, und nahmen ihn fest. Die Schüsse waren US-Medien zufolge auch in größerer Entfernung zu hören, es handelt sich um eine touristische Gegend. Weitere Verdächtige gibt es laut Ermittlern nicht. Trump hielt sich zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht im Weißen Haus, sondern auf seinem Golfplatz in West Palm Beach im US-Bundesstaat Florida auf. Das FBI nahm die Ermittlungen auf, da es sich bei den Angeschossenen um Bundesbeamte handelt. Es arbeitet eigenen Angaben zufolge mit dem Secret Service und dem Innenministerium zusammen. Wer ist der Schütze? Der mutmaßliche Täter ist nach den bisher vorliegenden Informationen im September 2021 aus Afghanistan eingereist und 29 Jahre alt. Er war nach Angaben von Regierungsvertretern im Rahmen der Operation Allies Welcome – eingeführt unter US-Präsident Joe Biden – in die USA gekommen. Mit dieser Operation wurden Ortskräfte nach dem Abzug der US-Streitkräfte aus Afghanistan in dem Land aufgenommen. Der Verdächtige erhielt im April 2025 Asyl – drei Monate nachdem Trump als US-Präsident bestätigt wurde. Er soll keine Vorstrafen gehabt und im Bundesstaat Washington gelebt haben. Das Heimatschutzministerium identifizierte ihn als Rahmanullah L., einen afghanischen Staatsbürger. US-Medienberichten zufolge ist der Verdächtige ein ehemaliger Mitarbeiter des US-Militärs in Afghanistan. Er habe mit dem US-Auslandsgeheimdienst CIA und weiteren Regierungsstellen zusammengearbeitet, bevor er im September 2021 in die USA gebracht worden sei, berichtete der Sender Fox News unter Berufung auf CIA-Chef John Ratcliffe. NBC News berichtete unter Berufung auf einen Verwandten des Verdächtigen, dass dieser zehn Jahre lang in der afghanischen Armee an der Seite der US-Streitkräfte gedient habe und teilweise in Kandahar stationiert gewesen sei. Er arbeitete demnach zuletzt für Amazon. Was ist über das Motiv bekannt? Bei dem Angriff auf die Nationalgardisten handelte es sich nach Polizeiangaben um einen gezielten Hinterhalt. Die Bürgermeisterin von Washington, D. C., Muriel Bowser, sagte Reportern wenige Stunden nach dem Vorfall: "Dies ist eine gezielte Schießerei." Carroll ergänzte, dass die beiden Nationalgardisten "aus dem Hinterhalt angegriffen" worden seien und der bekannte Angreifer offenbar allein gehandelt habe. Sie beriefen sich dabei auf ein Video von dem Vorfall. Über das Motiv des Täters ist noch nichts bekannt. Trump sprach von einem "Terrorakt" . "Dieser abscheuliche Angriff war ein Akt des Bösen, ein Akt des Hasses und ein Akt des Terrors", sagte er. "Es war ein Verbrechen gegen unsere gesamte Nation. Es war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit." An diesem Donnerstag ist Thanksgiving, ein wichtiger US-amerikanischer Feiertag. Wie geht es den Nationalgardisten? Die beiden Nationalgardisten seien in "kritischem Zustand", sagten FBI-Chef Kash Patel und Bürgermeisterin Muriel Bowser. US-Präsident Trump schrieb auf Truth Social, die beiden Nationalgardisten seien schwer verletzt in zwei verschiedene Krankenhäuser gebracht worden. Ein Feuerwehrsprecher bestätigte, dass die beiden Nationalgardisten sowie der Schütze verletzt ins Krankenhaus gebracht wurden. Zuerst hatte der Gouverneur des US-Bundesstaates West Virginia, aus dem die Nationalgardisten stammen, auf X geschrieben, die beiden Soldaten seien ihren Verletzungen erlegen. Er hatte das dann jedoch zurückgenommen. Die Nationalgarden der US-Bundesstaaten sind militärische Reserveeinheiten und Teil der US-Streitkräfte. Trump hatte zusätzliche Kräfte in Washington, D. C. stationieren lassen. Eine Bundesrichterin hatte zuletzt zwar entschieden, die Nationalgarde dürfe ohne Zustimmung der Bürgermeisterin keine Strafverfolgungsaufgaben in dem Bezirk wahrnehmen. Sie setzte ihre Anordnung jedoch bis Dezember aus, um eine Berufung zu ermöglichen. Nach Angaben der New York Times hatten sich Nationalgardisten bereits vor dem Vorfall vor ähnlichen Angriffen gefürchtet. Kommandeure hätten sogar gewarnt, dass sich die Truppen in einer "erhöhten Bedrohungslage" befänden. Wie reagiert die Politik? Das Weiße Haus wurde abgeriegelt, die Innenstadt von Washington, D. C. sollte gemieden werden. Der Flughafen in der Hauptstadt nahm seinen Betrieb nach einem kurzen Stopp wieder auf. Zudem will US-Verteidigungsminister Pete Hegseth die Nationalgardisten in der Hauptstadt aufstocken. Zu den stationierten 2.000 Nationalgardisten in Washington, D. C. sollen nach dem Vorfall noch weitere 500 dazukommen. Die Regierung forderte nach dem Vorfall, die Entscheidung einer Bundesrichterin zur Stationierung der Nationalgarde ganz auszusetzen. Trump nutzte den Vorfall auch für eine weitere Verschärfung seiner Asylpolitik. Er kündigte an, alle Afghanen, die unter seinem demokratischen Amtsvorgänger Joe Biden über dessen Aufnahmeprogramm für afghanische Ortskräfte oder anderweitig in die USA eingewandert waren, erneut überprüfen zu lassen. Zudem teilte die US-Einwanderungsbehörde auf X mit , die Bearbeitung aller Einwanderungsanträge afghanischer Staatsangehöriger werde mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. US-Vizepräsident JD Vance kündigte auf X an, die "Anstrengungen zu verdoppeln, Leute ohne das Recht, in unserem Land zu sein, zu deportieren". Harte Migrationspolitik sei angebracht. Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa, AFP und Reuters