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WM: 20 Jahre Sommermärchen: So erlebte Hessen die WM 2006


WM: 20 Jahre Sommermärchen: So erlebte Hessen die WM 2006
Fast genau 20 Jahre liegt es nun zurück, jenes legendäre Fußballfest, das später als »Sommermärchen« ins kollektive Gedächtnis der Nation einging. Auch in Hessen sind beim WM-Turnier 2006 denkwürdige Bilder und Erinnerungen entstanden, die weit über die Region hinaus für Gesprächsstoff sorgten. Eine Auswahl: Licht-Spektakel auf der Skyline Mit einer gigantischen Licht- und Musikshow an ihren Hochhäusern startete die Stadt Frankfurt am 4. Juni 2006 die Feiern zur Fußball-WM.Eine halbe Stunde lang erinnerten riesige Projektionen an Höhepunkte des internationalen Fußballs. In einem zweiten Teil war die Kunst-Multivision »I love the world« der belgischen Künstlerin Marie-Jo Lafontaine zu sehen. Zu dem technisch aufwendigen Spektakel der »SkyArena« kamen Hunderttausende Zuschauer in die Innenstadt, darunter auch Franz Beckenbauer. Insbesondere vom Sachsenhäuser Mainufer waren die Bilder auf den bis zu 259 Meter hohen Hochhäusern gut zu sehen. Die Begleitmusik wurde über Lautsprecher und im Radio übertragen, sodass die computergesteuerte Inszenierung auch aus größerer Entfernung verfolgt werden konnte. Die rund drei Millionen Euro Kosten trugen private Sponsoren. Für die Multivision mussten unter anderem 40 Hochleistungsprojektoren aufgestellt und acht Hochhäuser mit Spezialfolie beklebt werden. Videobühne auf dem Main Für die Tausenden Fußballfans ließ die Stadt eine schwimmende Videobühne im Main errichten. Rund 22.000 Fußballfans fanden an beiden Ufern Platz. Mit jeweils 144 Quadratmetern galten die beiden Bildschirme als die größten für öffentliche WM-Übertragungen in Deutschland. Die Plattform mit ihren zwei LED-Bildschirmen ragte 18 Meter aus dem Wasser. Sie war fest im Flussgrund verankert. 80 Kilometer Kabel wurden verlegt, 499 Scheinwerfer und 240 Einzellautsprecher angebracht. Während des Turniers wurde die Videowand gleich zweimal von Schiffen gerammt. Am 29. Juni streifte ein niederländisches Containerschiff den Aufbau und beschädigte ein Leitblech. Wenige Stunden vor dem WM-Halbfinale Deutschland gegen Italien kam es am 4. Juli 2006 zu einer weiteren leichten Kollision. Die Übertragungen waren in beiden Fällen nicht gefährdet. Pfeile gen Mekka - Saudis in Bad Nauheim Besuch aus dem Wüstenstaat in Bad Nauheim: Die Nationalmannschaft aus Saudi-Arabien residierte während der WM in Bad Nauheim. Die Mannschaft blieb allerdings nur bis zum Ende der Vorrunde. Untergebracht waren die Fußballer im Hotel Dolce: In den Zimmern wurden damals Pfeile aufgeklebt, die die Gebetrichtung nach Mekka anzeigten. Das Fernsehangebot wurde um arabische Sender erweitert, wie sich Heike D. Schmitt erinnert, die schon damals für die PR-Arbeit des Hotels zuständig war. Training und Trainingsspiele hätten auf einem Sportplatz in Bad Nauheim stattgefunden – einmal sogar in Anwesenheit seiner Hoheit Prinz Sultan bin Fahad bin Abdul Aziz. »Wie üblich, wurde vor Beginn des Spiels ein Falke übers Spielfeld geschickt«, so Schmitt. Während der WM 2006 trafen an einem Tag auch elf Prinzen der saudi-arabischen Königsfamilie mit einem Sonderflug auf dem Frankfurter Flughafen ein. Sie logierten samt Gefolge und Gepäck im Hotel Frankfurter Hof, wo sie 84 Luxus-Suiten und Zimmer belegten. Der Tross kam mit größerem Gepäck: Unter anderem für Koffer, Lebensmittel und Geschirr waren acht 7,5-Tonner-Lastwagen geordert worden. Für das leibliche Wohl reiste ein eigener Koch mit. Für Bad Nauheim war der Besuch aus dem Wüstenstaat indes nichts ganz Neues: Schon 1959 und 1962 hatte König Ibn Saud die Kurstadt besucht. »Seleção« macht sich in Königstein rar Die brasilianische Nationalmannschaft hatte zu Beginn der WM in der Taunus-Gemeinde Königstein logiert und sich dort auf die beiden ersten Vorrundenspiele vorbereitet. Als exklusiver Rückzugsort für den Rekordweltmeister um die damaligen Stars wie Ronaldinho, Ronaldo, Kaká und Zé Roberto diente das Luxushotel Kempinski Falkenstein. »Zu Gast bei Freunden« sollten die Brasilianer in dem Taunus-Städtchen sein. In den Fachwerkgassen ließen sich die Stars allerdings kaum blicken. »Dafür besuchten sie Discos in Frankfurt (Ronaldo) oder ein italienisches Restaurant in Bad Homburg (Ronaldinho)«, wie es in einer alten dpa-Meldung heißt. Nach der Vorrunde zogen die brasilianischen Fußballer nach Bergisch Gladbach ins Schlosshotel Lerbach um. Vor dem Viertelfinale gegen Frankreich übernachteten sie noch einmal im Arabella Sheraton Grand Hotel in Frankfurt/Main. Im dortigen Stadion war dann Schluss: Brasilien scheiterte mit einem 0:1. Ronaldos erster WM-Treffer in Frankfurt Cristiano Ronaldo nimmt in diesem Sommer im Alter von 41 Jahren an seiner sechsten WM teil – das allererste Mal trumpfte er auf der WM-Bühne beim Sommermärchen 2006 auf. Damals waren Spaniens Star Lamine Yamal oder Deutschlands Hoffnung Lennart Karl noch nicht einmal geboren. Sein allererstes WM-Tor erzielte der Stürmer im Frankfurter Stadion beim Vorrundenspiel Portugal-Iran. In der 80. Minute verwandelte er einen Foulelfmeter zum 2:0-Endstand. © dpa-infocom, dpa:260605-930-177574/1