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19.01.2026
15:14 Uhr
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Im vergangenen Jahr wurden weltweit deutlich mehr Todesurteile vollstreckt. Die Vereinten Nationen zeigen sich alarmiert.

Die Zahl der Hinrichtungen ist nach UN-Angaben im vergangenen Jahr weltweit stark angestiegen, obwohl immer mehr Länder die Todesstrafe abschaffen. Grund sei in erster Linie ein Anstieg in einer kleinen Zahl an Staaten, in denen es immer noch die Todesstrafe gebe, sagte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, in Genf. Der Anstieg im vergangenen Jahr betreffe insbesondere Straftaten, die nicht die nach internationalem Recht erforderliche Schwelle der "schwersten Verbrechen" erreichen, fügte Türk hinzu. Darunter würden beispielsweise Drogendelikte fallen. Außerdem würden Personen hingerichtet, die für Straftaten verurteilt werden, die sie als Minderjährige begangen hatten. Besonders viele Hinrichtungen im Iran Allein um Iran wurden den Angaben zufolge 2025 mindestens 1.500 Todesurteile vollstreckt und damit rund 600 Menschen mehr als noch im Jahr zuvor hingerichtet. Fast die Hälfte der Menschen erhielt die Todesstrafe wegen angeblicher Drogendelikte. Türk zufolge deutet dies auf eine systematische "Anwendung der Todesstrafe als Mittel der Einschüchterung durch den Staat hin". Hoch war die Zahl der Hinrichtungen nach seinen Angaben auch in Saudi-Arabien, womindestens 356 Menschen hingerichtet worden seien. Das seien mehr als beim bisherigen Höchststand von 2024. In den USA habe es im vergangenen Jahr 47 Hinrichtungen gegeben, die höchste Zahl seit 16 Jahren. Grund zur Besorgnis ist Türk zufolge die Einführung der Hinrichtungen durch Stickstoffgas. Dabei handle es sich möglicherweise um "Folter oder grausame Bestrafung". China und Nordkorea hält Zahl der Hinrichtungen geheim In Afghanistan wurden dem Bericht zufolge weitere Hinrichtungen völkerrechtswidrig öffentlich vollstreckt. In Somalia seien es 24 und in Singapur 17 Exekutionen gewesen. In China und Nordkorea sei es schwierig, genaue Zahlen zu erhalten, weil die Anwendung der Todesstrafe weiter geheimgehalten werde. Positiv hob Türk Entscheidungen in Vietnam, Pakistan, Simbabwe und Kenia hervor, die Vollstreckung der Todesstrafe zu begrenzen. So habe Vietnam ebenso wie Pakistan die Zahl der unter Todesstrafe stehenden Straftaten reduziert. In Simbabwe wurde zum Jahresende von 2024 die Todesstrafe für gewöhnliche Verbrechen abgeschafft. In Kirgistan bekräftigte das Verfassungsgericht laut UN das Verbot der Todesstrafe und entschied, dass ein Gesetzesentwurf zur Wiedereinführung verfassungswidrig sei.