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13.01.2026
05:52 Uhr
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Der Außenminister sähe gerne mehr Deutsche auf UN-Spitzenposten. Johann Wadephul schlägt in New York außerdem die Verlagerung von UN-Organisationen nach Bonn vor.

Außenminister Johann Wadephul hat mehr Einfluss und eine stärkere deutsche Vertretung auf Spitzenposten der Vereinten Nationen gefordert. "Die deutsche personelle Vertretung in den Vereinten Nationen ist nicht ausreichend und wird unserem Gewicht, unserer Bedeutung, auch unserem finanziellen und politischen Engagement nicht gerecht", sagte der CDU-Politiker nach einem Gespräch mit UN-Generalsekretär António Guterres in New York. Die personelle Vertretung Deutschlands sei allerdings keine Bedingung für eine Beteiligung in den UN, sagte Wadephul. Wenn man eine selbstbestimmte UN wolle, "muss man auch akzeptieren, wenn dort Entscheidungen getroffen werden, die uns nicht gefallen", sagte er. Aber für die Zukunft sei klar: "Deutschland will seinen Platz auch am Tisch der Vereinten Nationen haben." Wadephul bringt UN-Standort in Bonn ins Spiel Er würde sich auch freuen, "wenn UN-Organisationen eine Verlagerung nach Bonn in Betracht ziehen", sagte der Außenminister. Dies habe er in dem Gespräch mit Guterres deutlich gemacht und es sei auch gehört worden. Deutschland sei immer bereit, Verantwortung zu übernehmen, sagte der Minister und erinnerte an die vergebliche deutsche Kandidatur für den Chefposten beim UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Die Bundesregierung hatte 2024 den SPD-Außen- und Entwicklungspolitiker Niels Annen für das Amt des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge nominiert. Bei der Wahl in der UN-Vollversammlung war Annen gescheitert. Er ist seit 2025 Staatssekretär im Entwicklungsministerium. Wadephul war für das Treffen mit Guterres nach einem Gespräch mit US-Außenminister Marco Rubio in Washington, D.C. mit dem Zug nach New York gereist. Hintergrund war auch die Ankündigung der USA, sich aus 66 internationalen Organisationen zurückzuziehen , darunter zahlreiche UN-Organisationen zu den Themen Umwelt und Klima, Bildung, Demokratie, Geschlechtergerechtigkeit, Zivilgesellschaft und Rechtsstaatlichkeit. Wadephul kritisierte diesen Schritt erneut. "Die Vereinigten Staaten haben die internationale Ordnung maßgeblich über Jahrzehnte geprägt und mit aufgebaut", sagte er. "Dass sie sich heute aus mehreren Organisationen zurückziehen, bedaure ich."