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16.12.2025
19:40 Uhr
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Die von der EU-Kommission vorgeschlagene Abkehr vom Verbrenner-Aus sei "in der Praxis wirkungslos", kritisiert die Industrie. Bundeskanzler Merz sieht das anders.

Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) hat den Vorschlag der EU-Kommission zur Abschwächung der Abgasvorgaben ab 2035 kritisiert. Die von der EU "richtigerweise anerkannte Technologieoffenheit muss mehr als ein Lippenbekenntnis sein", sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. "Das ist hier leider nicht der Fall." Was nach mehr Offenheit aussehe, sei "mit so vielfältigen Hürden versehen, dass es droht, in der Praxis wirkungslos zu bleiben". In Zeiten zunehmenden internationalen Wettbewerbs, sei das Gesamtpaket der Kommission für eine Abkehr vom sogenannten Verbrenner-Aus "fatal", sagte Müller. Für den Automobilstandort Europa, für Wirtschaft, Wachstum und Beschäftigung sei "heute kein guter Tag". Die Kommission schlug vor, die CO₂-Flottenemissionen nach ab 2035 nur noch um 90 Prozent statt um 100 Prozent sinken. Damit können auch danach noch neue Hybrid- oder Elektrofahrzeuge mit Benzingenerator an Bord zugelassen werden. Autohersteller müssen die daraus resultierenden Emissionen dafür mit dem Einsatz von grünem Stahl aus der EU oder durch die Nutzung von CO₂-neutralen Kraftstoffen, sogenannten E-Fuels, ausgleichen. Mitgliedstaaten sollten den Vorschlag "entscheidend verändern" In Bezug auf grünen Stahl und erneuerbare Kraftstoffe kritisierte die VDA-Präsidentin, die EU wolle neue Anforderungen an die Autoindustrie stellen. Dies seien Anforderungen, "bei denen die Verfügbarkeiten nicht in unserer Macht liegen". Die Industrie sei also auf Entwicklungen angewiesen, die sie nicht beeinflussen könne. Müller rief Parlament und Mitgliedstaaten auf, den Vorschlag der Kommission in den anstehenden Verhandlungen "entscheidend zu verändern". Bundeskanzler Friedrich Merz, der von der Kommission zuvor in einem Brief eine Abkehr vom Verbrenner-Aus gefordert hatte, begrüßte den Vorschlag. "Es ist gut, dass die Kommission nach dem klaren Signal der Bundesregierung jetzt die Regulierung im Automobilbereich öffnet", sagte er der Zeitung Bild . "Mehr Technologieoffenheit und mehr Flexibilität sind richtige Schritte – um Klimaziele, Marktrealitäten, Unternehmen und Arbeitsplätze besser zusammenzubringen." Die Bundesregierung müsse die umfangreichen Vorschläge der Kommission jetzt im Einzelnen prüfen, sagte Merz. Bei der Ausgestaltung sei Technologieoffenheit "von zentraler Bedeutung". Außerdem dürften neue Vorgaben nicht zu mehr Bürokratie führen. Kritik von Grünen und Ökonomen Kritik an der Abkehr der Emissions-Vorgabe kam von den Grünen . Das Auto-Paket sei wirtschafts- und klimapolitisch ein großer Fehler, sagte die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katharina Dröge, der Nachrichtenagentur dpa. "Mit der faktischen Aufgabe des 2035-Ziels wird Planungssicherheit zerstört, Investitionen werden entwertet und Europas Klimaziele rücken in weite Ferne." Zuvor hatten auch einzelne EU-Staaten und Ökonomen die Abkehr kritisiert . Sollten die Unternehmen die Entwicklung von E-Autos drosseln, sei zu befürchten, dass die europäische Autobranche im Rennen mit der Konkurrenz aus China noch mehr ins Hintertreffen gerät, kritisierten etwa Ökonomen.