Zeit 01.12.2025
16:11 Uhr

Verbraucherschutz: Forscher warnen vor hormonaktiven Stoffen in Kinderspielzeug


Zu Weihnachten bekommen viele Kinder massenhaft neues Spielzeug geschenkt. Hormonforscher warnen vor gefährlichen Stoffen darin und fordern politische Maßnahmen.

Verbraucherschutz: Forscher warnen vor hormonaktiven Stoffen in Kinderspielzeug
Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) warnt anlässlich des bevorstehenden Weihnachtsfests vor hormonaktiven Stoffen, die in Spielzeug enthalten sein können. Betroffen sein könnten etwa Plastikspielzeug, Kuscheltiere oder elektronische Geräte, heißt es in der Mitteilung der DGE . Besonders gefährdet seien Kleinkinder, da sie Gegenstände häufig in den Mund nehmen. Zu den Stoffen, die laut der DGE bedenklich sein können, gehören etwa Phthalate, Bisphenole, bromierte Flammschutzmittel, PFAS, Schwermetalle und Pestizid-Rückstände. Diese fänden sich in Kunststoffen, Lacken, Beschichtungen oder Textilien und seien häufig in Kinderspielzeug nachgewiesen worden. Bedenklich sei auch älteres Spielzeug aus zweiter Hand, da dieses teilweise mit Stoffen belastet sei, die heute in der EU verboten sind. Diese Stoffe könnten die körpereigenen Hormonsignale selbst in sehr kleinen Mengen stören, sagte Josef Köhrle vom Institut für Experimentelle Endokrinologie an der Berliner Charité. Das könne zu Problemen in Bezug auf Wachstum, Stoffwechsel, Entwicklung und Fruchtbarkeit führen. Kinder seien auch deshalb besonders gefährdet, da ihre Haut- und Schleimhautbarrieren noch nicht ausgereift seien. "Eltern allein können das Problem nicht lösen" Für Eltern sei es nur schwer möglich, zu erkennen, ob ein Spielzeug unbedenklich ist oder nicht. Deshalb fordert Köhrle politische Maßnahmen. Die EU-Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit müsse von deutschen Behörden umgesetzt werden, sagte er. Danach würden hormonaktive Stoffe so streng bewertet wie krebserregende oder erbgutschädigende Substanzen und dürften nicht mehr in den Verkehr gebracht werden. Um das Risiko zu minimieren, empfiehlt die DGE, sich beim Geschenkekauf für hochwertige und geprüfte Produkte zu entscheiden. Aufdringlich riechende Waren sollte man den Experten zufolge meiden, alte Kunststoffartikel lieber nicht weitergeben. Neue Spielzeuge sollten vor dem Gebrauch gelüftet und – wenn möglich – gereinigt werden. Eltern allein könnten das Problem nicht lösen, sagt Köhrle. "Aber jede bewusste Kaufentscheidung und jeder kritische Blick auf vermeintliche Schnäppchen hilft, die Belastung für die Kinder zu senken."