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11.12.2025
04:34 Uhr
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Die USA haben vor Venezuela ein Schiff gestürmt, das unter falscher Flagge fuhr und sanktioniertes Öl in den Iran geliefert haben soll. Venezuela spricht von Diebstahl.

Der vom US-Militär beschlagnahmte Tanker vor der Küste Venezuelas ist nach Darstellung der USA Teil eines illegalen Netzwerks zur Finanzierung ausländischer Terrororganisationen. Der Tanker sei für den Transport von sanktioniertem Öl aus Venezuela und dem Iran genutzt worden, schrieb US-Justizministerin Pam Bondi auf der Plattform X. FBI-Direktor Kash Patel äußerte sich ähnlich. Das Schiff stehe seit mehreren Jahren unter Sanktionen der Vereinigten Staaten, die Soldaten hätten nun einen Beschlagnahmebeschluss vollstreckt, hieß es. US-Präsident Donald Trump sagte zu Journalisten, der Tanker sei "der größte, der je beschlagnahmt wurde". Der Vorfall rückt den seit Wochen schwelenden Konflikt zwischen der US-Regierung und Venezuela erneut in den Fokus. Die venezolanische Regierung warf den USA "offensichtlichen Diebstahl" vor. Venezuela hat die größten Erdölreserven der Welt. Bondi veröffentlichte ein Video, das die Aktion zeigen soll. Darauf ist ein Tanker zu sehen, dem sich ein Hubschrauber nähert. Soldaten seilen sich dann auf das Deck des Tankers ab und sichern das Schiff mit gezückten Waffen. Von der Mannschaft ist nichts zu sehen. US-Präsident Trump sagte im Weißen Haus zudem, es seien "weitere Dinge im Gange", ohne Details zu nennen. Die Ankündigung des US-Präsidenten erfolgte wenige Stunden nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado, die Trump nahesteht. Trump hatte in den vergangenen Wochen gesagt, die Tage von Machthaber Nicolás Maduro seien "gezählt". "Ein Akt internationaler Piraterie" Venezuela kritisierte das Vorgehen der US-Küstenwache. Der Einsatz sei "ein dreister Raubüberfall und ein Akt internationaler Piraterie", teilte das venezolanische Außenministerium mit. Jetzt zeigten sich "die wahren Gründe" für die andauernde Aggression gegen Venezuela. Es gehe den USA nicht um Migration, Drogenhandel oder Demokratie. "Es geht immer um unsere Bodenschätze, unser Öl, unsere Energie, um die Ressourcen, die ausschließlich dem Volk Venezuelas gehören", teilte das Außenministerium mit. Die venezolanische Regierung kündigte an, die Beschlagnahmung des Tankers vor internationalen Gremien anzuprangern. Nach Angaben der britischen Risikomanagementgruppe Vanguard handelt es sich bei dem betroffenen Schiff um den Tanker Skipper, der nach Angaben der Regierung Guyanas fälschlicherweise unter der Flagge des südamerikanischen Landes fuhr. Der Tanker sei zuvor von den USA sanktioniert worden, weil er unter dem Namen Adisa am iranischen Ölhandel beteiligt gewesen sein soll. Das Nachrichtenportal Politico schreibt unter Berufung auf eine anonyme Quelle, der Tanker sei auf dem Weg nach Kuba gewesen. Die Seebehörde Guyanas teilte mit, sie sei von der US-Regierung über die Beschlagnahmung informiert worden. Sie sprach von einem inakzeptablen Trend, wonach Schiffe unerlaubt die Flagge Guyanas nutzen. Nachricht lässt Ölpreise steigen Die Ölpreise stiegen in Reaktion auf die Beschlagnahmung. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um 27 Cent auf 62,21 US-Dollar je Barrel. Der Preis für US-Leichtöl WTI stieg um 21 Cent auf 58,46 US-Dollar. Seit Monaten üben die USA unter Präsident Trump großen Druck auf Venezuela aus. Er beschuldigt Maduro, dessen Wiederwahl im Juli 2024 gefälscht zu haben sowie Drogenbanden zu kontrollieren und gezielt gegen die USA einzusetzen. Trump ließ das venezolanische Kartell Cártel de los Soles als ausländische Terrororganisation einstufen . Er verkündete zudem, er habe Einsätze des Auslandsgeheimdienstes CIA in Venezuela autorisiert, auch Angriffe an Land schloss er nicht aus. Nach Angaben der New York Times und anderer Medien hat Trump mit hochrangigen Militärvertretern mehrfach über verschiedene Szenarien diskutiert. Ein sehr riskantes soll demnach vorsehen, einige von Venezuelas Ölfeldern unter US-Kontrolle zu bringen. Das US-Militär beschießt seit Monaten immer wieder Boote vor der Küste Venezuelas, die angeblich Drogen in die USA schmuggeln. Bei den Angriffen wurden nach US-Regierungsangaben mindestens 80 Menschen getötet. Unter Juristen bestehen große Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Angriffe . US-Verteidigungsminister Pete Hegseth steht wegen Berichten über mutmaßliche Kriegsverbrechen in der Kritik .