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19.02.2026
16:00 Uhr
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Laut Donald Trump ist Glyphosat zentral für die Lebensmittelversorgung und die nationale Sicherheit der USA. Mit seiner Verordnung stärkt er auch den Bayer-Konzern.

US-Präsident Donald Trump hat den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat als entscheidend für die nationale Sicherheit und die Lebensmittelsicherheit der USA eingestuft. Er unterschrieb eine Verordnung – eine sogenannte Executive Order –, die dem Mittel einen besonderen Status verleiht und vorgibt, dass eine ausreichende Produktion innerhalb der USA sichergestellt werden muss. Glyphosat und Phosphor seien "unentbehrlich", heißt es in Trumps Verordnung. Doch bislang gebe es in den USA nur einen Produzenten von elementarem Phosphor und glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmitteln. Gemeint ist Monsanto, die US-Tochter des deutschen Agrarchemiekonzerns Bayer. Zudem übersteige der Bedarf in den USA die heimische Produktion. Damit seien die Verteidigungsindustrie und die Ernährungssicherheit gefährdet, schrieb der US-Präsident: Ein Rückgang der Produktion oder eine Unterbrechung der Versorgung würden das Land anfällig machen für "feindliche, ausländische Akteure". Abgesehen von Monsanto sitzen die wichtigsten Glyphosat-Hersteller vorwiegend in China. US-Regierung kann Glyphosat-Produktion künftig anordnen Mit seiner Verordnung beruft sich Trump auf den Defense Production Act, ein Gesetz aus der Zeit des Koreakriegs. Es erlaubt der US-Regierung, die Produktion von Glyphosat künftig anzuordnen. Im Gegenzug wird dem oder den Herstellern besonderer Schutz zugesagt; ihnen dürften aus der Produktion keine negativen Folgen entstehen. Bayer begrüßte die Verordnung des US-Präsidenten und kündigte an, ihr Folge zu leisten. Die Executive Order unterstreiche "die dringende Notwendigkeit, dass US-Landwirte Zugang zu wichtigen, im Inland hergestellten Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat haben", sagte ein Konzernsprecher. Glyphosat zählt zu den weltweit meistverwendeten Unkrautvernichtungsmitteln. Mit Monsanto gehört Bayer zu den größten Herstellern von Glyphosatprodukten. Besonders hoch ist die Nachfrage nach dem Monsanto-Produkt Roundup. Das Herbizid ist jedoch umstritten: Kritikern zufolge ist es krebserregend und gefährdet zudem die Artenvielfalt. Für die Herstellung von Glyphosat werden auch die in Trumps Verordnung ebenfalls genannten phosphorhaltigen Ausgangsstoffe benötigt. Zudem ist Phosphor ein Grundstoff für Düngemittel und wird in zahlreichen militärischen Anwendungen verwendet. Bayer zahlt Milliarden für juristische Vergleiche Mit seiner Verordnung stärkt Trump Bayer auch in juristischen Auseinandersetzungen den Rücken . Erst kürzlich schloss der Konzern in den USA einen milliardenschweren Sammelvergleich zur Beilegung aktueller und künftiger Klagen zum Unkrautvernichter Roundup. In den Auseinandersetzungen führten Kläger Krebserkrankungen auf Glyphosat zurück . Die Zahlungen für den Sammelvergleich umfassen maximal 7,25 Milliarden US-Dollar über einen Zeitraum von bis zu 21 Jahren. Schon zuvor zahlte Bayer mehr als zehn Milliarden Dollar zur Beilegung von Klagen. Rund 67.000 Klagen sind weiter anhängig. Bereits 2015 hatte die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (Iarc) den Wirkstoff, der in Roundup enthalten ist, als "wahrscheinlich krebserregend beim Menschen" eingestuft. Andere Einrichtungen der WHO sowie der EU folgten dieser kritischen Einstufung nicht. Die Europäische Kommission beschloss Ende 2023, die Zulassung von Glyphosat um zehn Jahre zu verlängern. Die US-Umweltbehörde EPA stuft Glyphosat als unbedenklich ein. Bayer hat den Verdacht, Glyphosat sei krebserregend, stets zurückgewiesen. Im vergangenen Jahr teilte der Konzern mit, man sei gezwungen, die Produktion des Unkrautvernichters in den USA ganz einzustellen, sollten die anhaltenden Rechtsstreitigkeiten nicht durch regulatorische Änderungen eingedämmt werden . Um die Risiken zu reduzieren, hatte Bayer den Verkauf glyphosathaltiger Produkte an Privatkunden in den USA bereits 2023 eingestellt.