Zeit 04.03.2026
15:41 Uhr

Ungewöhnlicher Gast: Wal nach Besuch in Wismar erst einmal abgetaucht


Ungewöhnlicher Gast: Wal nach Besuch in Wismar erst einmal abgetaucht
Nach dem aufsehenerregenden Besuch eines Finnwals im Wismarer Hafen hat sich die Spur des großen Meeressäugers vorerst wieder verloren. Die Organisation Sea Shepherd hat von ihrem Schiff "Triton" aus nach eigenen Angaben den Wal am Mittwoch in der Lübecker Bucht nicht mehr entdeckt. "Deswegen ist das Schiff jetzt zurück erstmal im Hafen", sagte Kampagnenleiter Florian Stadler. Die "Triton" sei nach Travemünde zurückgekehrt. "Wir halten uns da jetzt auf jeden Fall auch bereit, müssen aber darauf warten, dass wieder irgendwo eine Sichtung eingeht und werden dann die nächsten Schritte planen." Weiterhin will Sea Shepherd das Tier von einer Leine befreien, die sich am vorderen Teil des Körpers als Rest eines Stellnetzes befindet. Am Dienstag hatte die Feuerwehr nach Angaben der Stadt von einem Boot aus das schätzungsweise zehn bis zwölf Meter lange Tier von dem Netz befreit, in dem es sich verheddert hatte. Zahlreiche Schaulustige hatten sich im Hafen von Wismar versammelt. Die Leine könnte laut Sea Shepherd zum Problem werden, wenn der Meeressäuger weiter wächst. Nach Aussage Stadlers muss man aber sehr behutsam mit dem ohnehin gestressten Tier umgehen. Nach Rücksprache mit dem Deutschen Meeresmuseum passe man die Taktik an. Statt sich gegebenenfalls mit einem Taucher zu nähern, wolle man die Leine möglichst von einem Boot aus durchtrennen. Dazu soll ein langer Stab mit einem sogenannten Line Cutter zum Einsatz kommen. "Das ist im Endeffekt ein Haken, auf dessen Innenseite ein Messer ist." Außen sei der Haken stumpf und rund. Stress für großen Meeressäuger Der Finnwal sei am Dienstag sehr gestresst gewesen, weshalb eine weitere Annäherung zur Entfernung der Leine nicht funktioniert habe. "Deswegen wurde das Tier gestern Abend beobachtet, bis es dunkel geworden ist und dann in Ruhe gelassen", sagte Stadler. "Da befand es sich aber noch in der Nähe vom Hafen." Auch die Biologin Lisa Klemens vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund war am Dienstag an Bord der "Triton". "Finnwale sind schon seltene Gäste", sagte sie. Sie seien in der Ostsee nicht heimisch. Hier sei etwa der Salzgehalt nicht der richtige. "Auch die Nahrung ist nicht die optimale." Finnwale ernährten sich von Plankton - winzig kleinen Meeresorganismen. "Aber die verspeisen auch gerne ab und zu mal kleine Fische, wie zum Beispiel Heringe oder Sprotten." Es könne sein, dass der Finnwal Fischen gefolgt sei, die zum Laichen in die Ostsee gezogen sind - etwa Heringen. War der Wal vorher in der Flensburger Förde? "Umso schneller er wieder raus zum Atlantik kommt, umso besser." Finnwale lebten normalerweise in Polarregionen, ziehen demnach aber etwa zur Fortpflanzung in wärmere Gewässer. Solche Großwale seien eigentlich die unendlichen Weiten großer Gewässer gewohnt. Der Aufenthalt im Hafenbecken habe das Tier schon allein deshalb gestresst. Finnwale seien es etwa nicht gewohnt, auf der Stelle zu wenden. "Es war eng, es war flach und dann war es auch noch unheimlich laut" - wegen der Schiffe. Das Tier sei wahrscheinlich schon geschwächt. "Und hier bei uns in der Ostsee findet es sowieso schon nicht genug Nahrung." Erst Anfang des Jahres war wiederholt ein Finnwal in der Flensburger Förde in der westlichen Ostsee gesichtet worden. Er lockte Neugierige auf die Spazierwege, Molen und Uferpromenaden in und um Flensburg. Könnte das Tier nun in Wismar aufgetaucht sein? "Das können wir leider nicht so genau sagen, weil er uns gestern leider nicht so wirklich seine Rückenfinne gezeigt hat, mit der wir praktisch eine Abstimmung oder einen Abgleich hätten machen können", sagte Klemens. "Aber es könnte schon sein. Also es gibt eine Wahrscheinlichkeit, dass es das Tier sein kann." © dpa-infocom, dpa:260304-930-767174/2