Zeit 11.12.2025
11:41 Uhr

Unesco: Schweizer Jodeln in Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen


Die Unesco prüft derzeit Anträge von Staaten, Traditionen als Weltkulturerbe anzuerkennen. Das Schweizer Jodeln gehört nun dazu. Die Freude im Alpenland ist groß.

Unesco: Schweizer Jodeln in Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen
Die Unesco hat das Schweizer Jodeln zum Kulturerbe ernannt. Die Organisation setzte die Gesangstradition bei ihrer derzeitigen Sitzung in Neu-Delhi auf ihre sogenannte Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit. "Das Jodeln dient als kraftvoller Ausdruck der Identität und einer Einheit stiftenden Kulturpraxis", hatte es in dem entsprechenden Antrag der Schweiz geheißen. In der Alpenrepublik war die Freude nach der Entscheidung groß. Nadja Räss, Dozentin für Jodeln an der Hochschule für Musik im schweizerischen Luzern, sagte dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF): "Es ist wie vorgezogene Weihnachten." Räss war an dem schweizerischen Antrag an die Unesco beteiligt. "Es gilt unter anderem, der Meinung entgegenzuwirken, dass das Jodeln eine altbackene Sache ist", sagte Barbara Betschart, Leiterin des Roothus Gonten, dem Zentrum für Appenzeller und Toggenburger Volksmusik. Es gibt viele Jodlergruppen, die in Tracht alte Melodien singen. Andere Musiker jodeln aber längst auch in Verbindung mit Jazz, Techno, Rock und Rap. "Wildjodler", nennen sie sich. Mit einem Eintrag in die Liste des Immateriellen Kulturerbes verpflichten sich Regierungen zur Bewahrung und Förderung einer eingetragenen Tradition. Anträge auf Aufnahme können nur sogenannte Unesco-Vertragsstaaten stellen. Das Bundesamt für Kultur in Bern teilte mit, es werde nun verstärkt den Nachwuchs sowie die Ausbildung fördern. Zudem will es das Jodeln systematisch dokumentieren und erforschen lassen. Jodeltraditionen gibt es nicht nur in den Alpen Lea Hagmann, Musikethnologin an der Universität Bern, sagte dem SRF, bei dem Unesco-Eintrag gehe es nicht um die Technik des Jodelns an sich. Vielmehr bewerbe sich ein Land bei der Unesco, um seine ganz eigene Geschichte, sein Repertoire und die Vielfalt der Tradition würdigen zu lassen. Die Jodeltradition pflegen Menschen nicht nur im Alpenraum, sondern auch in zahlreichen anderen Ländern. So stehen etwa bereits Jodelgesänge aus dem südafrikanischen Simbabwe und Georgien auf der Unesco-Liste. Deutschland und Österreich könnten ihre Jodeltraditionen ebenfalls anmelden. Deutsche Anträge verhandelt die Unesco in Neu-Delhi nicht . Auf der Liste stehen aber bereits mehr als 130 deutsche Traditionen . Dazu zählt etwa die Apfelweinkultur, das Brieftaubenwesen, die Falknerei und das Hebammenwesen. Der Unesco-Ausschuss nahm in der derzeitigen Sitzung, die bis zum 13. Dezember dauert, unter anderem bereits die italienische Küche , die Schwimmbad-Kultur auf Island und das vom Gastgeberland Indien nominierte hinduistische Lichterfest Diwali (Dipavali) auf. In diesem Jahr lagen 55 Nominierungen für die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit vor. Zum Immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken. Daneben gab es elf Anträge für die Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes sowie einen Vorschlag für das sogenannte Register guter Praxisbeispiele.