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12.02.2026
11:15 Uhr
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Die Zahl der offenen Verfahren ist zuletzt deutlich angestiegen. Der Richterbund warnt vor gefährlichen Folgen der Überlastung von Gerichten und Staatsanwaltschaften.

Zum Jahresende hat es nach Angaben des Deutschen Richterbunds erstmals mehr als eine Million offene Strafverfahren gegeben. 2025 seien im dritten Jahr in Folge rund 5,5 Millionen neue Strafverfahren bei den Staatsanwaltschaften eröffnet worden. Zum ersten Mal habe "die Zahl der offenen Fälle zum Jahresende 2025 die Marke von einer Million überschritten", sagte der Bundesgeschäftsführer des Richterbunds, Sven Rebehn, der Rheinischen Post . In den vergangenen fünf Jahren sei die Zahl um knapp 50 Prozent angestiegen, gab Rebehn an. Erst im Vorjahr war laut Statistischem Bundesamt mit 950.900 offenen Verfahren ein neuer Höchstwert erreicht worden. Das Jahr 2020 sei noch mit rund 700.000 offenen Verfahren geendet. Gerichte und Staatsanwaltschaften seien überlastet. Eine gefährliche Folge: Tatverdächtige werden aus der Untersuchungshaft entlassen. Wegen nicht eingehaltener Fristen wurden im vergangenen Jahr "bundesweit 50 dringend Tatverdächtige aus der Untersuchungshaft entlassen", sagte Rebehn. Die Verdächtigen befänden sich in der Regel wegen des Vorwurfs eines Verbrechens in Untersuchungshaft , etwa wegen Tötungsdelikten, Vergewaltigungen oder schwerer Körperverletzungen. Asylverfahren landen häufiger vor Gericht Ermittlerinnen und Ermittler schieben Rebehn zufolge immer mehr Verfahren vor sich her. Dabei gebe es zu wenig Personal, um die offenen Fälle abzutragen. Bundesweit fehlen demnach 2.000 Staatsanwälte und Strafrichter. Der Bundesgeschäftsführer des Richterbunds wies vor diesem Hintergrund auch auf steigende Klagezahlen vor den Verwaltungsgerichten gegen Asylbescheide hin. "Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge arbeitet die Fälle inzwischen deutlich schneller ab und die Ablehnungsquote steigt. Das wird dann juristisch angegriffen und es landet bei den Gerichten", sagte Rebehn. Die Verfahrenseingänge in Asylsachen hätten sich in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt. Die Zahl der Verfahren belief sich 2025 auf 140.000 Verfahren.