|
06.03.2026
01:08 Uhr
|
Kristi Noem verliert ihr Amt als Heimatschutzministerin der USA. Brutale ICE-Einsätze und eine 220 Millionen Dollar teure PR-Kampagne hatten sie in Verruf gebracht.

Die umstrittene US-Heimatschutzministerin Kristi Noem verliert ihren Posten. Bereits Ende März soll Senator Markwayne Mullin das Amt übernehmen. Das teilte US-Präsident Donald Trump auf seiner eigenen sozialen Plattform mit. Noem soll demnach Sonderbotschafterin einer neuen Sicherheitsinitiative werden. Noem ist die erste aus Trumps Kabinett, die seit dem erneuten Amtsantritt des Präsidenten vor gut einem Jahr gehen muss. Der Trump-nahe Sender Fox News berichtete unter Berufung auf eine anonyme Quelle, die frühere Gouverneurin von South Dakota sei über "eine Kombination aus vielen unglücklichen Führungsfehlern" gestürzt. Parteiübergreifend hatte es zuvor Kritik an Noem gegeben, die sich diese Woche in Anhörungen im Kongress zugespitzt hat. Dabei ging es nicht nur um tödliche Schüsse auf US-Bürger bei Einsätzen der Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis, die Noem verteidigt hatte. Auch eine 220 Millionen Dollar teure Werbekampagne, in der die Ministerin prominent zu sehen war, hatte Parlamentarier aufgebracht. Viele sahen darin eine reine PR-Aktion für Noem. Der US-Präsident widersprach Noem, die bei der Anhörung im Kongress sagte, Trump habe die Kampagne genehmigt. "Ich habe nichts davon gewusst", sagte Trump der Nachrichtenagentur Reuters. Gerüchte über Affäre und selbstsüchtigen Führungsstil Für zusätzliche Brisanz sorgten Gerüchte über eine außereheliche Affäre Noems mit Corey Lewandowski, einem Trump-Vertrauten, der als Sonderberater in ihrem Ministerium tätig ist. Das Wall Street Journal (WSJ) hatte Details in der Sache recherchiert , die den Führungsstil der Heimatschutzministerin und des Beraters als herrisch und selbstsüchtig darstellen. Auch das Magazin The Atlantic hatte unter Berufung auf ein noch unveröffentlichtes Buch über Noems fragwürdige Führung mit Lewandowski berichtet. Nachfragen von Abgeordneten im Kongress zu den Gerüchten über ihre mutmaßliche sexuelle Affäre bezeichnete Noem diese Woche als "Müll der Klatschpresse". Bei der Anhörung im Kongress musste sich Noem unangenehmen Fragen stellen, auch von Republikanern. Der konservative Senator Thom Tillis sagte zu Noem: "Was wir unter Ihrer Führung erlebt haben, ist eine Katastrophe." Vor allem ihre Reaktion auf den Tod zweier unbewaffneter US-Bürger, Renée Good und Alex Pretti , durch Schüsse von Bundesbeamten in Minneapolis brachte ihr viel Kritik ein. Noem hatte die Bürger als "inländische Terroristen" bezeichnet – eine Darstellung, die durch später veröffentlichte Videos widerlegt wurde. Die Demokraten im Repräsentantenhaus strengten daraufhin ein Amtsenthebungsverfahren gegen sie an. Landesweit gab es Proteste gegen die Brutalität von ICE-Beamten. Bei der Anhörung sprach Noem den Angehörigen der Getöteten ihr Beileid aus. Gleichzeitig weigerte sie sich ausdrücklich, ihre Aussagen zurückzunehmen oder sich zu entschuldigen. Sie habe sich auf Informationen von Menschen vor Ort verlassen. Für das Chaos, auf das die Bundesbeamten dort getroffen seien, seien "gewalttätige Demonstranten" verantwortlich gewesen, sagte sie. Wie das WSJ von Beratern erfuhr , soll unter anderem Noems aggressiver Ton vor dem Kongress zu ihrer Absetzung beigetragen haben. Nachfolger Mullin unterstützt Trumps harten Einwanderungskurs Die oppositionellen Demokraten feierten Noems Rauswurf als Ministerin. "Auf Nimmerwiedersehen – sie war eine Katastrophe", sagte der demokratische Minderheitsführer im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries. Ein Personalwechsel reiche allerdings nicht aus, betonte er. "Wir brauchen einen Politikwechsel." Noem galt als eine der profiliertesten und umstrittensten Ministerinnen in Trumps Kabinett. Sie fiel durch eine scharfe Rhetorik auf und bezeichnete straffällig gewordene Einwanderer als "Abschaum". In ihren Memoiren hatte sie damit geprahlt, einst ihren Hund erschossen zu haben . Ihr designierter Nachfolger Markwayne Mullin unterstützt ebenfalls Trumps harten Einwanderungskurs. Der Republikaner und Maga-Anhänger ist seit drei Jahren Senator für den US-Bundesstaat Oklahoma. Er ist indigener Herkunft, ein früherer Mixed-Martial-Arts-Kämpfer und Chef eines Klempnerbetriebs. Auf seiner Webseite bezeichnet sich Mullin als "erfolgreicher Unternehmer, aktiver Kuh- und Kalbrancher und seit 28 Jahren stolzer Ehemann" und sechsfacher Vater. Mullin werde "einen spektakulären Heimatschutzminister abgeben", schrieb Trump. Er solle sich für die Sicherheit an den Grenzen einsetzen und gegen die Kriminalität durch Migranten ohne Aufenthaltsgenehmigung vorgehen.