Zeit 20.01.2026
09:39 Uhr

US-Zölle: Deutsche Exporte in die USA brechen 2025 um knapp zehn Prozent ein


Die deutschen US-Exporte sind um 14 Milliarden Euro zurückgegangen, betroffen ist vor allem die Autoindustrie. China wird wieder zum wichtigsten deutschen Handelspartner.

US-Zölle: Deutsche Exporte in die USA brechen 2025 um knapp zehn Prozent ein
Die deutschen Exporte in die USA sind im vergangenen Jahr wegen der US-Zollpolitik deutlich zurückgegangen. Von Januar bis November 2025 exportierte Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Waren im Wert von knapp 136 Milliarden Euro in die USA – 14 Milliarden und damit 9,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Importe aus dem Land seien hingegen um 2,2 Prozent auf knapp 87 Milliarden Euro gestiegen. Der Handelsüberschuss ist damit demnach auf ein Fünfjahrestief von knapp 49 Milliarden Euro gefallen. So niedrig sei er zuletzt im Coronajahr 2021 gewesen, teilten die Statistiker in Wiesbaden mit. Die USA blieben damit aber weiterhin das Land, mit dem Deutschland 2025 den höchsten Handelsüberschuss erzielt habe. China übernimmt wieder Führungsposition beim Handel mit Deutschland Die Rückgänge beim Export treffen die deutsche Autoindustrie den Angaben zufolge überdurchschnittlich stark: Ihre Exporte seien um 17,5 Prozent zurückgegangen. Der Export von Maschinen sei um neun Prozent eingebrochen, die Ausfuhren von Pharmazeutika hingegen um 0,7 Prozent auf 26,2 Milliarden Euro gestiegen. Die drei Warengruppen machen mit einem Exportvolumen von 77,1 Milliarden Euro mehr als die Hälfte der deutschen Ausfuhren in die USA aus. Durch den Rückgang hat China die USA als wichtigsten deutschen Handelspartner abgelöst: Deutschlands gesamtes Handelsvolumen mit den USA beziffert das Statistische Bundesamt mit 222,8 Milliarden Euro – acht Milliarden Euro weniger als der Umfang des deutsch-chinesischen Handels. Dafür sei neben dem Rückgang der Ausfuhren in die USA das große Importvolumen aus China verantwortlich. Erst 2024 hatten die USA China in der Liste der wichtigsten Handelspartner Deutschlands abgelöst. Der US-deutsche Handel bewegt sich mit dem Rückgang im vergangenen Jahr den Angaben nach entgegen dem europäischen Trend. So exportierten die 27 EU-Mitglieder von Januar bis November 2025 laut der EU-Statistikbehörde Eurostat insgesamt Waren im Wert von knapp 516 Milliarden Euro in die USA und damit 4,7 Prozent mehr als im selben Zeitraum 2024. Durch stark gestiegene Exporte Irlands mit einem Plus von mehr als 60 Prozent sei diese Zahl jedoch verzerrt. Neben Deutschland hätten weitere 19 EU-Mitglieder Rückgänge zu verzeichnen. Ab Februar könnten EU-Gegenzölle in Kraft treten Der Rückgang der deutschen US-Exporte dürfte "nicht der letzte gewesen sein", kommentierte Sebastian Dullien, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), die Zahlen: "Der US-Markt dürfte auf absehbare Zeit für deutsche Exporteure kein Wachstumsmarkt mehr sein, sondern ist zu einem Risikogeschäft mutiert." Spätestens mit Donald Trumps neuen Zolldrohungen im Konflikt um seine geplante Übernahme Grönlands habe sich die Hoffnung auf eine Einigung der EU mit dem US-Präsidenten zerschlagen. "Die USA sind bis auf Weiteres kein verlässlicher Handelspartner mehr", sagte Dullien. "Selbst gerade geschlossene Vereinbarungen können über Nacht wieder hinfällig sein, wenn Donald Trump eine neue Laune bekommt." Die US-Regierung und die EU-Kommission hatten sich im Spätsommer auf ein Zollabkommen verständigt, das die gegenseitigen Handelsbarrieren beschränken sollte. Im Zuge dessen wurden geplante EU-Gegenzölle in Höhe von 93 Milliarden Euro ausgesetzt. Die Frist für ihren Stopp läuft Anfang Februar aus. EU-Politiker kündigten an, die Gegenzölle würden in Kraft treten, sollte Trump nicht von seinen Plänen absehen. Der US-Präsident hatte am Wochenende Deutschland und sieben weiteren europäischen Ländern einen Zusatzzoll von zehn Prozent ab Februar und von 25 Prozent ab Juni angedroht, sollten sie sich seinen Übernahmeplänen hinsichtlich Grönland in den Weg stellen.