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02.12.2025
10:30 Uhr
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Seit zwei Monaten bombardiert das US-Militär Boote in der Karibik und im Pazifik vor Südamerika. Der Vorwurf: "Drogenterrorismus". Was über die Angriffe bekannt ist.

Mehr als zwanzig Boote hat das US-Militär in den vergangenen zwei Monaten vor der Küste Südamerikas bombardiert – angeblich, weil mit ihnen Drogen transportiert wurden. Die USA beschuldigen den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro, dafür verantwortlich zu sein, und haben eine militärische Operation in der Karibik angekündigt. Was ist an den Vorwürfen dran? Sind die Angriffe legal? Droht ein Krieg? Antworten auf die wichtigsten Fragen: Wie viele Boote hat das US-Militär bisher bombardiert? Zwischen dem 1. September und dem 2. Dezember hat das US-Militär nach eigenen Angaben insgesamt 22 Boote angegriffen. Elf Boote wurden demnach in der Karibik bombardiert, elf weitere Boote im Pazifischen Ozean. Dabei sind nach US-Angaben insgesamt 83 Menschen getötet worden. Die genauen Koordinaten der Militärschläge sind nicht bekannt. US-Präsident Donald Trump und sein Verteidigungsminister Pete Hegseth veröffentlichten mehrfach körnige Videoaufnahmen der Bombeneinschläge , aus denen sich jedoch keine Schlüsse auf die Einschlagsorte ziehen lassen. Auch die Nationalität der Getöteten ist in vielen Fällen ungeklärt. Offiziellen Angaben zufolge kamen bei den Angriffen mehrere Venezolaner ums Leben. Nach Aussagen des kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro ist unter den Getöteten auch mindestens ein Kolumbianer. Angehörige haben außerdem die Leiche eines Mannes aus Trinidad und Tobago identifiziert. Auch über mehrere Überlebende der Angriffe liegen Informationen vor. So sind ein Mann aus Ecuador und einer aus Kolumbien inzwischen wieder in ihren Heimatländern. Nach mehreren Angriffen am 27. Oktober wurde zunächst über einen Überlebenden berichtet, der Mann wurde allerdings nicht geborgen. Wie rechtfertigen die USA die Militärschläge? Nach US-Angaben gelten die Bombenangriffe kriminellen Banden, die Drogen in die Vereinigten Staaten verschiffen. Immer wieder war dabei explizit von venezolanischen Gruppierungen die Rede. So behauptete Trump nach dem ersten Militärschlag im September, man habe Mitglieder der kriminellen venezolanischen Bande Tren de Aragua getötet, die "sehr viele Drogen" an Bord gehabt hätten. In einigen Fällen sprach die Regierung in Washington allgemein von einem Angriff auf Drogenhändler. In einem weiteren Fall ordneten die USA ein zerstörtes Boot dem ELN zu, einer linksextremen paramilitärischen Gruppierung aus Kolumbien. Die Attacken auf die Boote sind nach US-Angaben Teil einer neuen Strategie, um die Einschleusung von Drogen zu unterbinden. Reguläre Kontrollen der Küstenwache seien zu ineffektiv, sagte Außenminister Marco Rubio im September – denn die Kartelle hätten die Verluste, die ihnen dabei entstünden, bereits eingepreist. Gibt es für die Behauptungen der USA Belege? Nein. Die US-Regierung hat bisher keine Belege dafür vorgelegt, dass auf den bombardierten Booten wirklich Drogen geschmuggelt worden sind. Unbewiesen ist auch, dass es sich bei den Getöteten um Schmuggler handelte. Parlamentarierinnen in den USA haben daher in den vergangenen Wochen mehrfach das Vorgehen der Exekutive kritisiert und Beweise eingefordert. Unter den Kritikern befinden sich auch Kongressabgeordnete und Senatoren der Republikaner, wie etwa der frühere Präsidentschaftskandidat Rand Paul oder die Senatorin Susan Collins. Das US-Verteidigungsministerium hat nach eigenen Angaben hinter verschlossenen Türen Briefings für Vertreter der Geheimdienst- und Militärausschüsse im Kongress abgehalten. Dort habe man Informationen über die Organisation und das Ausmaß der Militärschläge geteilt. Demokratische Abgeordnete haben diese Briefings im Anschluss als unzureichend bezeichnet. Darüber hinaus stellt sich die Frage, warum US-Regierungsvertreter die Rolle Venezuelas für den Drogenexport so stark betonen. Denn andere Länder in der Region spielen dafür eine viel größere Rolle. So stammt fast das gesamte Kokain, das in den USA konsumiert wird, aus Kolumbien. Im Jahr 2024 entfielen auf das Land zwischen 84 und 94 Prozent des in den USA konfiszierten Kokains, wie eine Analyse der Anti-Drogen-Behörde DEA zeigt ( PDF ). Venezuela wird in dem Bericht nicht erwähnt. Sind die Militärschläge legal? Unter Juristen bestehen große Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Angriffe. Unabhängige Experten der UN haben die Bombardierungen im Oktober als "außergerichtliche Hinrichtungen" eingestuft . Die Angriffe hätten keine rechtliche Grundlage – selbst wenn sie tatsächlich Drogenkuriere treffen sollten. Der ehemalige Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Luis Moreno Ocampo, sprach in einem Interview mit der BBC sogar von Verbrechen gegen die Menschlichkeit . Die US-Regierung hat in den vergangenen Monaten verschiedene Argumente zur Rechtfertigung der Militärschläge angeführt. Einer ersten Argumentation zufolge dienen sie der Selbstverteidigung. Der UN-Botschafter der USA, Mike Waltz, berief sich im Oktober auf Artikel 51 der UN-Charta, die Staaten das Recht dazu einräumt. Auch die stellvertretende Pressesprecherin des Weißen Hauses, Anna Kelly, sagte nach dem ersten Militärschlag im September, der Angriff habe der "gemeinschaftlichen Selbstverteidigung" gegolten. Allerdings hatte das Boot laut einer Recherche der New York Times beim Anblick der US-Flugzeuge bereits umgekehrt und war auf dem Rückweg nach Venezuela – von einer unmittelbaren Bedrohung konnte keine Rede sein. Juristen bezweifeln außerdem, dass der Export von Drogen mit einem bewaffneten Angriff im Sinne des Völkerrechts gleichzusetzen ist. In den vergangenen Wochen scheint sich die US-Regierung auf eine andere Argumentation verlegt zu haben. So informierte Trump Anfang Oktober den Kongress, man befinde sich in einem "nicht-internationalen bewaffneten Konflikt" mit Drogenkartellen. In einem solchen Konflikt kann ein Staat nach den Regeln des humanitären Völkerrechts auch das Militär einsetzen. Aber auch hier haben Juristen Bedenken : Der Gegner müsse in diesem Fall aus einer bewaffneten Gruppierung mit klarer Kommandostruktur bestehen, die intensive oder anhaltende bewaffnete Angriffe gegen einen Staat ausübt. Das sei bei Drogenkartellen nicht gegeben, schreibt der Verfassungsrechtler Marty Lederman, der sich an der Georgetown University mit nationaler Sicherheit befasst. Überformt wird diese Diskussion durch Äußerungen der US-Regierung, wonach Drogenschmuggel mit Terrorismus gleichzusetzen sei. Trump stufte die Gruppe Tren de Aragua am ersten Tag seiner zweiten Amtszeit als ausländische Terrororganisation ein. Außenminister Marco Rubio bezeichnete Drogenschmuggler als "Narco-Terroristen", und Verteidigungsminister Hegseth sagte wiederholt, Drogen lateinamerikanischer Kartelle hätten mehr Menschen getötet als die islamistische Terrororganisation Al-Kaida. Terrorgruppen müssen nach der Definition des US-Außenministeriums eigentlich politische Ziele haben . Das trifft nach Auffassung von Rechtsexperten auf Drogenkartelle nicht zu. Und selbst dann wären Militärschläge gegen mutmaßliche Drogenschmuggler nicht legal, wie UN-Experten festgehalten haben. "Internationales Recht erlaubt es nicht, im Ausland einseitig Gewalt einzusetzen, um Terrorismus oder Drogenhandel zu bekämpfen", heißt es in einem Bericht vom September. Was wird Verteidigungsminister Pete Hegseth vorgeworfen? Nach Recherchen von CNN und der Washington Post soll es bei dem ersten Militärschlag Anfang September zunächst zwei Überlebende gegeben haben. Sie klammerten sich demnach an ein brennendes Wrack. Der zuständige Admiral gab daraufhin den Befehl, eine zweite Rakete auf die Überlebenden zu schießen. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth soll zuvor die Weisung gegeben haben, "alle zu töten". Nach Ansicht von Juristen wäre das illegal. "Die beiden Männer hätten nach geltendem Recht gerettet werden müssen", sagte Sarah Harrison, eine ehemalige stellvertretende Chefjustiziarin im Pentagon, die heute bei dem Thinktank Crisis Group arbeitet . Abgeordnete beider Parteien drangen deswegen darauf, den Vorgang in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu beleuchten. "Das wäre ein Kriegsverbrechen, wenn es zutrifft", sagte der demokratische Senator Tim Kaine im Dezember . Hegseth wies die Vorwürfe von sich. Er habe keineswegs die Anweisung gegeben, alle Menschen an Bord der Boote zu töten, sagte der Verteidigungsminister – bei den entsprechenden Berichten handle es sich um "Fake-News". Regierungssprecherin Karoline Leavitt sagte, der Einsatz sei zur Selbstverteidigung und "im Einklang mit dem Recht bewaffneter Konflikte" erfolgt . Was werfen die USA der venezolanischen Regierung vor? Die US-Regierung wirft dem venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro vor, gemeinsame Sache mit Drogenhändlern zu machen, um die innere Ordnung in den Vereinigten Staaten zu zerstören. Schon zum Ende von Trumps erster Amtszeit vor fünf Jahren hatte das US-Justizministerium Maduro bezichtigt, Anführer des sogenannten Cartel de los Soles zu sein. Das Kartell habe "Kokain als Waffe gegen Amerika" eingesetzt, hieß es in der Anklage aus dem Jahr 2020 ( PDF ). Die US-Regierung setzte damals ein Kopfgeld von 15 Millionen US-Dollar auf Maduro aus. In Trumps zweiter Amtszeit hat die Regierung in Washington diese Vorwürfe bekräftigt und ausgeweitet. So hat sie in den vergangenen Monaten wiederholt auf die Klageschrift verwiesen. "Nicolás Maduro ist ein angeklagter Drogenhändler und auf der Flucht vor der amerikanischen Justiz", sagte Außenminister Rubio im September. Bereits im Juli stufte das Finanzministerium der USA das Cartel de los Soles als sogenannte speziell designierte globale Terrorgruppe ein. Das Regelwerk geht auf die Gesetzgebung nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zurück. Damit ist es der Regierung möglich, umfassende Vermögenswerte auch im Ausland einzufrieren und jeglichen Handel mit der betroffenen Organisation zu sanktionieren. Das Außenministerium erhöhte zudem das Kopfgeld auf Maduro auf insgesamt 50 Millionen Dollar. Was ist an den Vorwürfen dran? Nicolás Maduro ist ein autoritärer Machthaber, der Venezuela seit zwölf Jahren regiert. Internationale Organisationen werfen ihm vor, wiederholt Wahlen manipuliert und rechtsstaatliche Institutionen beschnitten zu haben. Die EU sprach mit Blick auf die Parlamentswahlen im Jahr 2020 sogar von einem "parlamentarischen Putsch" . Maduro verantwortet außerdem die größte Fluchtbewegung in der Geschichte seines Landes. Millionen Einwohnerinnen und Einwohner haben Venezuela wegen Hunger und politischer Verfolgung in den vergangenen Jahren verlassen. Es gibt allerdings keine Hinweise darauf, dass Maduro an der Spitze des venezolanischen Drogengeschäfts steht oder diese Drogen als "Waffe" gegen die USA einsetzt. Sicherheitsexperten beschreiben das Cartel de los Soles vielmehr als Sammelbegriff für verschiedene lose Seilschaften und Schmuggelnetzwerke innerhalb des venezolanischen Militärs. Demnach gibt es durchaus hochrangige Offiziere, die Geschäfte mit Drogenbanden machen. Es gilt als wahrscheinlich, dass Maduro sie gewähren lässt und sich so ihre Loyalität erkauft. Von einer zentral gesteuerten Organisation, die überdies politische Ziele verfolgt, könne man aber nicht sprechen. Ebenso gibt es keine Hinweise darauf, dass Maduro das Kartell Tren de Aragua anführt. Entsprechende Vorwürfe hatte die US-Regierung Anfang des Jahres geäußert. Im April dieses Jahres kam jedoch auch die CIA zu dem Schluss, dass das vermutlich nicht stimmt. Es sei unwahrscheinlich, dass das Regime von Maduro mit dem Kartell auch nur kooperiere, hieß es in einem Bericht . Nach seinem Erscheinen entließ Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard mehrere der verantwortlichen Autorinnen und Autoren. Droht jetzt ein Krieg? Derzeit ist nicht abzusehen, wie sich der Konflikt in der Region entwickelt. Die US-Regierung gibt allerdings zu verstehen, dass sie vor einer militärischen Eskalation nicht zurückschreckt. Die tödlichen Angriffe auf Boote vor der Küste erfolgten in den vergangenen Monaten in immer kürzeren Abständen. Unterdessen hat die Regierung eine stillgelegte Militärbasis in Puerto Rico wieder in Betrieb genommen und Kriegsschiffe mit Tausenden Soldaten sowie einen Flugzeugträger in die Region verlegt . Die CIA hat zudem die Befugnis erhalten, verdeckte Operationen in Venezuela durchzuführen. Auch die letzten diplomatischen Gespräche zwischen den Ländern wurden ausgesetzt. Im November kündigte Verteidigungsminister Hegseth eine Militäroperation an . Die Mission Southern Spear werde gegen Drogenschmuggler vorgehen. Sie soll demnach von einer gemeinsamen Taskforce und dem US-Südkommando geleitet werden. Dessen Einsatzgebiet erstreckt sich über das Karibische Meer und Gewässer, die an Mittel- und Südamerika grenzen. Bereits Ende Oktober hatte Trump angedeutet, den Einsatz von Bodentruppen in Venezuela zu erwägen. "Das Festland ist als Nächstes dran", sagte er bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus . Eine Resolution, laut der er für einen Militäreinsatz gegen Venezuela die Zustimmung des Parlaments einholen müsste , scheiterte Anfang November an der republikanischen Mehrheit im Senat . Ende November wiederholte Trump seine Drohung. Das Militär werde "sehr bald" auch an Land gegen die mutmaßlichen Drogenschmuggler vorgehen . Nachdem bereits mehrere Airlines den Betrieb nach Venezuela eingestellt hatten , erklärte Trump zudem den Luftraum über dem Land für " geschlossen ". Nach Angaben des republikanischen Senators Markwayne Mullin hat die US-Regierung Maduro nahegelegt, das Land zu verlassen und sich nach Russland abzusetzen . Laut einem Bericht der New York Times arbeiten insbesondere US-Außenminister Marco Rubio sowie Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller auf eine militärische Eskalation hin. Demnach wollen sie den Präsidenten dazu bewegen, Maduro durch einen Angriff zu stürzen. Im Weißen Haus werden dem Bericht zufolge verschiedene militärische Optionen diskutiert . Wie reagiert Venezuela? Maduro hat alle Vorwürfe der US-Regierung als haltlos zurückgewiesen und mit bewaffnetem Widerstand gedroht. Die Ankündigung Trumps, den Luftraum zu schließen, bezeichnete das venezolanische Außenministerium als "extreme, illegale und ungerechtfertigte Aggression gegen das venezolanische Volk". Im November startete das Militär nach eigenen Angaben ein zweitägiges Großmanöver. Schon im Oktober hatte Maduro davon gesprochen, mehr als vier Millionen Angehörige ziviler Milizen mobilisieren zu wollen , einige Wochen später sprach er gar von mehr als 8 Millionen. Das venezolanische Verteidigungsministerium hat zudem den "massiven Einsatz" von Land-, See-, Luft-, Fluss- und Raketenstreitkräften angekündigt . Allerdings bezweifeln Experten , dass Venezuela über so viele zivile Milizen verfügt. Nach Schätzung des International Institute for Strategic Studies dürften die tatsächlichen Zahlen eher bei rund 220.000 liegen. Andere Experten gehen von maximal einer Million Reservisten aus . Genauso bestehen große Zweifel an der Schlagkraft der Milizen sowie der regulären Streitkräfte, die teils jahrzehntealte Ausrüstung aus der Zeit der Sowjetunion benutzen. Laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters bereitet das Militär sich darum, für den Fall einer Invasion, auf einen Guerillakampf vor, bei dem die US-Truppen durch Angriffe aus dem Untergrund zermürbt werden sollen. Venezuela hat zudem einen nationalen Notstand ausgerufen und eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats beantragt. Im Oktober verkündete Maduro außerdem offiziell den Start der Weihnachtsfeiertage. Bereits im Vorjahr hatte Maduro die Weihnachtszeit per Dekret vorgezogen, um so von politischen Problemen abzulenken. Unterdessen ist die venezolanische Opposition in ihrer Reaktion auf eine mögliche US-Invasion gespalten. So sagte die Oppositionsführerin und diesjährige Friedensnobelpreisträgerin, María Corina Machado, in einem Interview, eine US-Eskalation sei der "einzige Weg", Maduro abzusetzen . Dagegen hat sich der ehemalige Präsidentschaftskandidat Henrique Capriles für Verhandlungen zwischen den beiden Ländern ausgesprochen . Das Lager um Machado bezeichnet er als "extremistisch". Wie beurteilt die internationale Gemeinschaft die Angriffe? Internationale Organisationen sowie die Regierungen vieler Länder in der Region und weltweit haben sich von den Angriffen der USA distanziert oder sie verurteilt. Bereits Anfang September drückten insgesamt 20 Länder Lateinamerikas und der Karibik in einem gemeinsamen Kommuniqué ihre "tiefe Besorgnis" über die Bombardierungen aus. Darunter sind auch Länder wie Mexiko und Chile, die traditionell um gute Beziehungen zu den USA bemüht sind. Zwischenzeitlich hieß es zudem, Kolumbien habe angekündigt, künftig keine Geheimdienstinformationen mehr mit den USA teilen zu wollen. Sein Innenminister dementierte entsprechende Medienberichte wenig später und sprach von einem Missverständnis . Auf internationaler Ebene kam harsche Kritik vom UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk. Er bezeichnete die Angriffe als "inakzeptabel" und sprach von "Tötungen ohne Gerichtsverfahren". Auch Frankreich und Großbritannien, eigentlich enge Verbündete der USA, haben Konsequenzen gezogen. Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot sagte am Rande des G7-Außenministertreffens in Kanada, die US-Militäroperation verstoße gegen das Völkerrecht. Großbritannien wiederum soll laut einem Bericht von CNN bereits seit rund einem Monat keine Geheimdienstinformationen mehr über die Region mit den USA teilen. Beide Länder verfügen über Territorien in Lateinamerika. Rückendeckung erhält die US-Regierung dagegen von Verbündeten in der Region. So ankern Kriegsschiffe der USA in den Gewässern des Inselstaats Trinidad und Tobago, der vor der Küste Venezuelas liegt. Die Ministerpräsidentin hat sich öffentlich zum Kurs der US-Regierung bekannt . Auch der Präsident von Guyana, dessen erdölreiche Region Esequibo von Venezuela beansprucht wird, hat Unterstützung signalisiert . Argentinien schloss sich zuletzt der US-Einschätzung an und stufte das Cartel de los Soles als terroristische Vereinigung ein. Die EU hat sich zu dem Konflikt bisher nicht geäußert. Zu einem Lateinamerika-Gipfeltreffen in Kolumbien im November reiste unerwartet nur die Außenbeauftragte Kaja Kallas an – nicht aber Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die ihre Teilnahme kurzfristig absagte. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz, der französische Präsident Emmanuel Macron und weitere Staatschefs aus Lateinamerika fehlten bei dem Treffen .