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04.12.2025
03:25 Uhr
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Das US-Militär hatte den Mann beim Angriff auf ein angebliches Drogenboot getötet. Seine Familie sagt, er war einfacher Fischer. Sie hat Menschenrechtsbeschwerde erhoben.

Die Familie eines bei einem Militärangriff in der Karibik getöteten Kolumbianers hat bei einem internationalen Gremium zum Schutz der Menschenrechte eine Beschwerde gegen die US-Regierung eingelegt. Durch den US-Angriff seien die Menschenrechte des getöteten Alejandro Carranza Medina verletzt worden, darunter seine Rechte auf Leben und auf ein ordnungsgemäßes Verfahren, heißt es in der Beschwerde. Das meldeten die Nachrichtenagentur AFP und der britische Guardian . Die US-Streitkräfte haben seit September in der Karibik und im östlichen Pazifik zahlreiche Boote angegriffen, auf denen angeblich Drogen in die USA geschmuggelt werden sollten. Dabei wurden laut einer AFP-Zählung mehr als 80 Menschen getötet. Der 42-jährige Carranza ist bei einem Angriff am 15. September gestorben. Seine Familie bestreitet, dass der Mann in den Drogenhandel verwickelt war. Carranza sei als Fischer auf offener See seinem Beruf nachgegangen, als er von der US-Armee getötet wurde, teilen die Angehörigen in der Beschwerde gegenüber der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte (IAHCR) mit. Das in Washington, D. C. ansässige Gremium ist eine autonome Einrichtung innerhalb der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), der 35 Länder Nord- und Lateinamerikas sowie der Karibik angehören, darunter auch die USA. In dem Schreiben machen die Hinterbliebenen auch US-Verteidigungsminister Pete Hegseth schwere Vorwürfe. Dieser habe die Befehle zu "außergerichtlichen Tötungen" von Menschen in den Booten erteilt, obwohl er die Identität dieser Menschen nicht gekannt habe, schreiben sie. Der linksgerichtete kolumbianische Präsident Gustavo Petro hat sich mit Carranzas Familie solidarisiert und die Angriffe ebenfalls als "außergerichtliche Hinrichtungen" angeprangert. Hegseth steht bereits unter Druck Hegseth steht derzeit wegen Medienberichten über einen anderen Angriff auf ein mutmaßliches Drogenschmugglerboot im September unter Druck . Dabei soll das US-Militär zwei Überlebende eines Raketenangriffs gezielt getötet haben. Ein US-Regierungsvertreter sagte der Nachrichtenagentur AP, das Militär habe die Überlebenden vor dem zweiten Angriff gesichtet. Unklar bleibt, welche Verantwortung der Verteidigungsminister für den Verlauf des Angriffs trägt. Der Minister streitet die Vorwürfe ab , die US-Regierung hat sich hinter ihn gestellt . Allerdings sagte US-Präsident Donald Trump, er sei offen für die Freigabe von entsprechendem Bildmaterial. Auf die Frage, ob das Verteidigungsministerium bereit sei, das Video des Angriffs zu veröffentlichen, sagte Trump: "Ich weiß nicht, was sie haben, aber was auch immer es ist, wir würden es auf jeden Fall freigeben, kein Problem." Mittlerweile gibt es auch aus den Reihen der republikanischen Partei Kritik am Vorgehen des US-Militärs in der Karibik. Menschenrechtsexperten zweifeln schon länger an der Rechtmäßigkeit der Einsätze. Frankreich hat den USA einen Völkerrechtsbruch vorgeworfen . Trump schließt Vorgehen gegen Kolumbien nicht aus Die USA hatten in den vergangenen Wochen ihre Militärpräsenz in der Karibik zunehmend ausgeweitet und den Kampf gegen den Drogenschmuggel als Begründung genannt. Der linksnationalistische Staatschef von Venezuela, Nicolás Maduro, hat dieses Argument als Vorwand bezeichnet. Er warnte vor einem Angriff auf sein Land mit dem Ziel, ihn und seine Regierung zu stürzen . Trump genehmigte unter anderem verdeckte Einsätze seines Auslandsgeheimdienstes CIA in Venezuela und behauptete, der Luftraum über dem Land sei geschlossen . Am Dienstag weitete der US-Präsident seine Warnung aus. Er habe gehört, dass Kolumbien in Fabriken Kokain herstelle, das dann in die USA verkauft werde, sagte Trump nach einer Kabinettssitzung vor Reportern. "Jeder, der das tut und es in unser Land verkauft, muss mit Angriffen rechnen." Auf Nachfrage, wen das betreffe, sagte er: "Nicht nur Venezuela." Kolumbiens Präsident Petro warnte Trump daraufhin, er solle die Souveränität seines Landes nicht bedrohen. "Angriffe auf unsere Souveränität sind eine Kriegserklärung", schrieb er in sozialen Netzwerken.