Zeit 27.01.2026
06:58 Uhr

US-Militär: Mehr als 120 Tote bei US-Angriffen auf angebliche Drogenboote


Seit Monaten greift das US-Militär Boote vor Lateinamerika an, Ziel sind laut Donald Trump "Drogenterroristen". Kritiker bezweifeln die Rechtmäßigkeit der Attacken.

US-Militär: Mehr als 120 Tote bei US-Angriffen auf angebliche Drogenboote
Die Zahl der Toten durch US-Militärangriffe auf Boote in der Karibik und im östlichen Pazifik liegt inzwischen bei mindestens 126. Das bestätigte das für die Region zuständige Südkommando des US-Militärs. Demnach gab es seit September mindestens 36 Angriffe, 116 Menschen seien dabei sofort getötet worden . Zehn weitere Personen seien für tot erklärt worden, weil Suchteams sie nicht hätten finden können. Acht der nicht auffindbaren und deshalb für tot erklärten Menschen waren den Angaben des US-Militärs zufolge während der Attacken von Bord gesprungen. Zwei andere mutmaßlich Getötete befanden sich demnach auf Booten, die Ende Oktober und erst am vergangenen Freitag von den US-Streitkräften angegriffen wurden. Kritiker stellen Rechtmäßigkeit der US-Angriffe infrage US-Präsident Donald Trump begründet die Angriffe damit, den Schmuggel von Rauschgift in die USA eindämmen zu wollen. Seine Regierung hat jedoch kaum Belege für die Behauptung vorgelegt , dass es sich bei den Getöteten um "Drogenterroristen" handele. Kritiker stellen sowohl die Rechtmäßigkeit der Angriffe als auch deren Wirksamkeit infrage. Sie argumentieren, dass das Opioid Fentanyl, das hinter vielen tödlichen Überdosen in den USA steckt , in der Regel auf dem Landweg von Mexiko aus in die USA geschmuggelt werde und nicht auf dem Seeweg. Druck auf Venezuela Besondere Kritik galt einem US-Angriff, bei dem das US-Militär zwei Überlebende, die sich nach dem ersten Treffer an Wrackteilen eines Bootes festklammerten, durch eine zweite Attacke töteten. Abgeordnete der Demokratischen Partei und Rechtsexperten bezeichneten das Vorgehen als Mord und stellten in den Raum, dass es sich bei dem doppelten Angriff womöglich sogar um ein Kriegsverbrechen handele. Die US-Angriffe auf mutmaßliche Drogenboote gelten als Teil einer Strategie des Druckaufbaus gegen Venezuela, die Anfang Januar mit der Entführung und Verschleppung des sozialistischen Staatschefs Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte. Maduro und seine Frau Cilia Flores wurden in die USA verschleppt, wo ein Gerichtsverfahren gegen sie wegen Vorwürfen des Drogenterrorismus eingeleitet wurde. Beobachter gehen davon aus, dass Maduros Anwälte die Rechtmäßigkeit seiner Gefangennahme anfechten werden . Sie dürften argumentieren, dass er als legitimer Staatschef eines souveränen Landes Immunität genieße.