Zeit 22.01.2026
13:19 Uhr

US-Migrationspolitik: : Kubaner laut Autopsiebericht in ICE-Haft getötet


Ein Gerichtsmediziner hat den Tod eines inhaftierten Migranten Medienberichten zufolge als Tötung eingestuft. Die US-Regierung hatte den Fall als Suizid dargestellt.

US-Migrationspolitik: : Kubaner laut Autopsiebericht in ICE-Haft getötet
Der Tod eines kubanischen Migranten in einer Haftanstalt der US-Einwanderungsbehörde ICE wird laut einem gerichtsmedizinischen Befund als Tötung eingestuft. Der 55-Jährige sei durch Ersticken infolge von Druck auf Hals und Oberkörper gestorben, wie aus dem Autopsiebericht hervorgeht, den US-Medien übereinstimmend zitierten. Der Bericht vermerkt zudem Schürfwunden an Brust und Knien, die auf einen Kampf hindeuten. Die rechtsmedizinischen Ergebnisse stehen im Widerspruch zu Aussagen der US-Regierung. Die stellvertretende Ministerin im Heimatschutzministerium, Tricia McLaughlin, hatte nach dem Tod behauptet, der Mann habe versucht, sich das Leben zu nehmen. Wachbeamte hätten in der Haftanstalt nahe El Paso in Texas versucht, ihn zu retten. Der Kubaner habe Widerstand geleistet und während eines Gerangels aufgehört zu atmen. McLaughlin wiederholte diese Darstellung auch nach Veröffentlichung des Autopsieberichts. US-Regierung will Augenzeugen abschieben Die Washington Post hatte bereits in der vergangenen Woche unter Berufung auf einen Mitinsassen berichtet, Wachbeamte hätten den Mann gewürgt. Der Zeuge habe gehört, wie er wiederholt sagte, er könne nicht atmen. Medizinisches Personal habe im Anschluss eine Stunde lang versucht, ihn wiederzubeleben. Die Trump-Regierung hatte Schritte eingeleitet, um den Mitinsassen und einen weiteren Augenzeugen abzuschieben. Ein Bundesrichter in Texas stoppte dies jedoch vorläufig, damit die Aussagen der Männer gesichert werden können. Eine Anhörung ist für den 27. Januar angesetzt. Größtes Abschiebegefängnis in den USA Camp East Montana auf dem Militärgelände Fort Bliss nahe El Paso ist die größte Haftanstalt für Migranten in den USA. In dem Zeltlager an der Grenze zu Mexiko können bis zu 5.000 Menschen bis zu ihrer Abschiebung festgehalten werden. Innerhalb von gut einem Monat starben dort mindestens drei Inhaftierte. Insgesamt kamen in den ersten zwei Wochen des Jahres 2026 sechs Menschen in ICE-Gewahrsam ums Leben. Im vergangenen Jahr waren es mindestens 30. Das ist die höchste Zahl seit zwei Jahrzehnten. Inspektoren von ICE hatten der Einrichtung bereits im September schwere Mängel bescheinigt, wie aus Dokumenten hervorgeht, die der Washington Post vorliegen. Demnach gab es keine genehmigten Sicherheitsrichtlinien. Bewaffnete Wachleute erhielten keine Anweisungen, in welchen Situationen der Einsatz tödlicher Gewalt gerechtfertigt wäre. Die Inspektoren bezeichneten dies als "schwerwiegende Schwachstelle". ICE-Behörde stark ausgebaut In den vergangenen Monaten wurde die Einwanderungsbehörde ICE erheblich ausgebaut. Sie soll das erklärte Ziel der US-Regierung umsetzen: das "größte Massenabschiebeprogramm der Geschichte". Menschen werden häufig ohne richterliche Anordnung oder vorherige Anhörung aufgegriffen, Berichten zufolge teils allein aufgrund ihrer Hautfarbe. Häufig sollen sie zudem nicht über ihre Rechte informiert werden. Die Mitarbeiter von ICE treten dabei meist maskiert und oft ohne Erkennungszeichen auf. Nach Regierungsangaben sind inzwischen mehr Menschen in Abschiebehaft, die keine Straftaten begangen haben, als solche mit Vorstrafen oder laufenden Verfahren. Am Mittwoch startete ICE Razzien im US-Bundesstaat Maine : Mehr als hundert ICE-Mitarbeiter sind dabei im Einsatz. Für landesweite Aufmerksamkeit hatte zuletzt auch der Fall Renée Good gesorgt. Am 7. Januar erschoss ein ICE-Beamter die unbewaffnete 37-jährige US-Bürgerin in Minneapolis . Aufnahmen der Tat zeigen, dass Good zuvor das Auto des Beamten wegbewegt hatte. Die US-Regierung sprach dennoch von Notwehr . Der Fall löste landesweite Proteste aus.