Zeit 24.01.2026
06:09 Uhr

Türkei: Menschenrechtler kritisieren Bedingungen in türkischen Gefängnissen


In der Türkei müssen Häftlinge laut einer türkischen Menschenrechtsorganisation oft unter unwürdigen Bedingungen leben. Manche schlafen auf dem Boden oder in Schichten.

Türkei: Menschenrechtler kritisieren Bedingungen in türkischen Gefängnissen
Menschenrechtsaktivisten haben die schlechten Haftbedingungen in türkischen Gefängnissen angeprangert. Nach Angaben der in Istanbul ansässigen Menschenrechtsorganisation CISST müssten Gefangene in der Türkei mitunter Betten teilen oder auf dem Boden schlafen und hätten nur begrenzten Zugang zu Duschen, Toiletten und Hygieneartikeln. Grund für die unwürdigen Bedingungen sei die Überbelegung türkischer Gefängnisse. Laut dem türkischen Justizministerium waren Anfang 2026 in der Türkei mehr als 402.000 Menschen inhaftiert, obwohl die gut 400 Gefängnisse in dem Land nur Platz für etwas mehr als 300.000 Gefangene bieten. Darunter leide auch die medizinische Versorgung. Die Überbelegung verschärfe laut CISST auch psychische Probleme wie Angst, Aggression und Erschöpfung. Im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen die Istanbuler Stadtverwaltung um den abgesetzten Bürgermeister Ekrem İmamoğlu berichteten Medien, dass Festgenommene teils in Schichten schliefen. Besonders prekär sei die Situation für Frauen, Mütter mit kleinen Kindern sowie ältere und kranke Gefangene, berichtete die Menschenrechtsorganisation. Teilweise müssten sie wegen Platzmangels in sehr lauten Gemeinschaftsbereichen schlafen. In der Türkei sitzen nach Informationen des Europarats von allen Mitgliedsländern im Schnitt die meisten Menschen hinter Gittern. 2024 waren es demnach 356 Inhaftierte pro 100.000 Einwohner. In Deutschland sind es 71 pro 100.000 Einwohner. In der Regierungszeit der AK-Partei von Präsident Recep Tayyip Erdoğan habe sich die Gefängnispopulation zwischen 2005 und 2024 trotz eines kürzlichen leichten Rückgangs nahezu vervierfacht. Um Abhilfe zu schaffen, wolle die Regierung bis 2027 in elf Städten neue Gefängnisse bauen, wie die Zeitung Cumhuriyet berichtet. Eine kürzlich verabschiedete Justizreform soll laut Beobachtern zudem zu einer Entlastung der Gefängnisse führen.