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25.02.2026
05:43 Uhr
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Der Demokrat Al Green wurde wegen eines Protestplakats gegen Trump aus dem Saal gebracht. Andere Demokraten brachten Trump-Kritiker als Gäste mit, darunter Epstein-Opfer.

Der demokratische US-Abgeordnete Al Green hat bei der traditionellen Jahresansprache des US-Präsidenten aus Protest gegen Donald Trump ein Schild mit der Aufschrift "Schwarze Menschen sind keine Affen" hochgehalten. Der Kongressabgeordnete stand schweigend mit dem Plakat, während Trump an ihm vorbeiging. Green wurde daraufhin aus dem Saal eskortiert. Trump kommentierte den Vorfall in seiner Rede nicht. Das Plakat bezog sich offenbar auf ein kürzlich veröffentlichtes Video des Präsidenten, das Lügen über die Wahl 2020 verbreitete und eine rassistische Karikatur von Ex-Präsident Barack Obama und First Lady Michelle Obama als Affen zeigte. Bereits im vergangenen Jahr war Al Green aus dem Saal gebracht worden. Damals hatte er lautstark protestiert und mit seinem goldverzierten Gehstock gewedelt. Die demokratische Abgeordnete Jill Tokuda aus Hawaii trug während Trumps Rede ein weißes Jackett, auf dem Worte wie "affordability" (Bezahlbarkeit) und "healthcare" (Gesundheitsversorgung) geschrieben standen. Damit erinnerte sie an zentrale Probleme im Alltag der US-Bevölkerung. Von den demokratischen Abgeordneten und Senatoren blieben mehr als 40 Politiker der Rede fern, um sich Gegendemonstrationen vor dem Kapitol anzuschließen. Kongressmitglieder nutzen Einladung von Gästen für Kritik Um Kritik an der Politik Trumps zu äußern, nutzten andere demokratische Kongressmitglieder die Möglichkeit, Gäste einzuladen. Der Minderheitsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, lud unter anderem die Mutter eines Schulkindes aus New York ein, das von Einwanderungsbehörden festgehalten wird. Senator John Hickenlooper aus Colorado wollte einen Collegestudenten mitbringen, der während einer Verkehrskontrolle festgenommen und anschließend mehr als zwei Wochen in einer Einrichtung der Einwanderungsbehörde ICE inhaftiert worden war. Der Abgeordnete Joaquín Castro hatte einen Facharzt für pädiatrische Intensivmedizin eingeladen, der wiederholt auf die mangelhafte medizinische Versorgung von Kindern und Müttern in Abschiebegefängnissen hingewiesen hat. Zu den Gästen der Abgeordneten Ilhan Omar, die seit Monaten von Trump verbal attackiert wird, gehörten vier Personen, die vom umstrittenen Vorgehen der Einwanderungsbehörden ICE und CBP im Großraum Minneapolis betroffen sind. Trumps Verbindung zu Epstein im Fokus Zudem wohnten auf Einladung mehrerer Abgeordneter rund ein Dutzend Frauen der diesjährigen Rede bei, die dem verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein sexuellen Missbrauch vorwerfen. Damit wollten die Demokraten auf Trumps frühere Verbindungen zu Epstein hinweisen. Zudem trugen unter anderem die frühere Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, und die Abgeordnete Rashida Tlaib Anstecker mit der Aufschrift "Gebt die Akten frei". "Heute wird die Welt sehen, wie Donald Trump diesen Überlebenden direkt auf der Tribüne des Repräsentantenhauses gegenübertreten muss", sagte die Demokratin Pramila Jayapal aus dem Bundesstaat Washington vorab bei einer Pressekonferenz mit mehreren mutmaßlichen Epstein-Opfern. "In anderen Ländern sind Botschafter und Prinzen festgenommen worden", sagte Jayapal in Anspielung auf Großbritannien, wo der frühere Prinz Andrew und der ehemalige Botschafter in den USA, Peter Mandelson , vorübergehend in Polizeigewahrsam waren. In den USA habe es dagegen nicht eine einzige Untersuchung gegeben. Opfer fordern Ermittlungen Lisa Phillips, die nach eigener Aussage als junge Frau von Epstein missbraucht worden war, rief alle Länder dazu auf, "unabhängige Ermittlungen gegen jede einzelne mächtige Person" einzuleiten, die in den Epstein-Akten genannt wird. Die Schuldigen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, forderte Phillips. Sie hoffe während der Ansprache des Präsidenten "einfach auf irgendeine Form der Anerkennung". "Wir hören nicht auf, bis alle Akten freigegeben werden", sagte sie. Trumps Name taucht Tausende Male in den Akten auf, die das US-Justizministerium auf Druck des Kongresses zuletzt veröffentlicht hatte. Ein persönliches Fehlverhalten konnte ihm bisher jedoch nicht nachgewiesen werden.