Zeit 28.01.2026
13:40 Uhr

Tourismus: Regierung will Tourismusbranche durch flexiblere Arbeitszeiten stärken


Die Regierung will die Reisebranche stärken. Dafür wurde eine Strategie verabschiedet, die unter anderem eine wöchentliche statt eine tägliche Höchstarbeitszeit vorsieht.

Tourismus: Regierung will Tourismusbranche durch flexiblere Arbeitszeiten stärken
Die Bundesregierung hat eine nationale Tourismusstrategie verabschiedet, um Deutschland als Reiseziel attraktiver zu machen. So soll noch in diesem Jahr eine Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes beschlossen werden, mit der in Zukunft eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit gilt. Das kündigte der Tourismusbeauftragte der Regierung, Christoph Ploß (CDU), an. Die Reform soll vor allem kleine und mittelständische Betriebe betreffen. Aktuell ist die Arbeitszeit für Beschäftigte in Deutschland auf acht Stunden pro Tag begrenzt. In Ausnahmefällen ist eine Verlängerung auf bis zu zehn Stunden möglich, zum Beispiel, wenn dies später wieder ausgeglichen wird. In Tourismus- und Gastronomiebetrieben sind unregelmäßige Arbeitszeiten eher üblich. Branchenverbände fordern deshalb schon länger eine Lockerung der bisherigen gesetzlichen Regelung. Bereits im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD vereinbart, die Acht-Stunden-Tag-Regelung durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit abzulösen . KI soll "Overtourism" vermeiden Die Tourismusstrategie sieht darüber hinaus vor, Überstundenzuschläge steuerfrei zu stellen und einmalig gezahlte Prämien zur Ausweitung der Arbeitszeit bei Teilzeit steuerlich zu begünstigen. Die Vorschläge gehen vor allem auf das Wahlprogramm der Union zurück. Demnach sollen so "weitere Arbeitskräftepotenziale" erschlossen und der Fachkräftemangel bekämpft werden. Im Bereich der Digitalisierung sollen laut der Strategie unter anderem Anwendungen der künstlichen Intelligenz (KI) "in die Fläche" getragen und etwa kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups bei der Entwicklung von KI-Anwendungen im Tourismus gefördert werden. KI könne auch dabei helfen, einen "Overtourism", bei dem sich Reisende auf wenige beliebte Orte konzentrieren, zu vermeiden. Investitionen in die Infrastruktur Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sagte: "Wir entlasten Unternehmen, bauen Bürokratie ab und schaffen mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt." Mehr Investitionen in die Infrastruktur, geringere Standortkosten ‌für die Luftfahrt und die Digitalisierung von Visaverfahren sollen dazu beitragen, dass ⁠die Tourismuswirtschaft in den nächsten Jahren ​wachsen kann, sagte Ploß. Der Präsident ​des Deutschen Tourismusverbandes (DTV), Reinhard Meyer, begrüßte, dass neben Investitionen in das Schienen-, ⁠Straßen- und Wasserstraßennetz auch mehr Förderungen der Rad- und Wanderwege, der Ladeinfrastruktur sowie ‍der Barrierefreiheit vorgesehen seien. " Wir brauchen eine moderne, funktionierende touristische Infrastruktur in ihrer gesamten Breite, um Deutschland ‌als Destination attraktiv zu halten", sagte er. Lob von Branchenverbänden, Kritik von den Grünen Die Tourismuswirtschaft reagierte positiv. Der Schritt schaffe Planungssicherheit für die gesamte Branche, teilte der Deutsche Reiseverband (DRV) mit, der hauptsächlich die Interessen von Reisebüros und Pauschalreiseanbietern ​vertritt. Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) sagte: "Das Umdenken von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ‍berücksichtigt sowohl den Alltag in unseren Betrieben als auch Wünsche von Mitarbeitenden nach mehr Flexibilität." Ähnlich äußerte sich der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) und verwies auf "die dringend benötigte Flexibilität – gerade im People-Business Gastgewerbe mit ⁠seinen starken Nachfragespitzen". Die Grünen hingegen kritisierten die Strategie als "oberflächliches Sammelsurium aus Zielen, Worthülsen und Maßnahmen, die die Bundesregierung längst angekündigt oder beschlossen hat". Tourismuspolitiksprecher Stefan Schmidt verwies darauf, dass alle Vorhaben laut Strategie "unter Finanzierungsvorbehalt" stünden und daher "zum reinen Wünsch-dir-was" verkämen. Die Pläne zur Sicherung von Arbeitskräften seien "eine reine Mogelpackung und lösen das akute Personalproblem nicht", fuhr Schmidt fort. "Das Ende des Acht-Stunden-Tages macht die Branche noch unattraktiver für Beschäftigte." Auch werde der Schwerpunkt unter anderem auf mehr Flugverkehr "den Herausforderungen des Tourismus in Zeiten der Klimakrise in keiner Weise gerecht" .