Zeit 14.01.2026
14:33 Uhr

Tom Høyem: "Wir Dänen finden das unglaublich"


Donald Trump will Grönland übernehmen, notfalls auch militärisch. Hier erklärt Ex-Grönlandminister Tom Høyem, wie Trumps Großmachtvision die Menschen vor Ort aufwühlt.

Tom Høyem:
Tom Høyem ist dänisch-deutscher Politiker. Von 1982 bis 1987 war er der letzte dänische Grönlandminister, zuständig für die Verwaltung und politischen Angelegenheiten Grönlands. Mittlerweile genießt Grönland weitgehend Autonomie von Dänemark; es könnte in einem Referendum die Unabhängigkeit von Grönland erklären. DIE ZEIT: Herr Høyem, Donald Trump will Grönland übernehmen, notfalls auch militärisch und gegen den Willen der Grönländer und Dänen. Wie werden die Drohungen aus den USA in Dänemark diskutiert? Tom Høyem: Zunächst einmal finden wir Dänen das unglaublich. Und zwar in mehrfacher Hinsicht. Trump sagt, er wolle mehr Militärpräsenz in der Arktis. Und wir antworten seit Jahren: "Ja, genau, das wollen wir auch." Dänemark und Grönland haben Milliarden in die arktische Verteidigung investiert. Und wenn Trump sagt, er wolle Rohstoffe in Grönland erschließen, sagen wir: "Ja, bitte! Kommen Sie, investieren Sie." ZEIT: Und was ist mit der Idee aus dem Weißen Haus, Grönland zu kaufen? Høyem: Das können wir überhaupt nicht nachvollziehen. Damit sind wir zurück im 19. Jahrhundert. Und noch dazu ist Trump schlecht beraten: 1916 hat der US-Präsident Woodrow Wilson schriftlich zugesagt, dass Grönland für immer dänisch bleibt. Mit dieser Verpflichtung will Trump nun brechen. ZEIT: Wie umstritten wäre ein möglicher Kauf Grönlands durch die USA in Dänemark? Høyem : Wir haben acht Parteien im Parlament, und sie sind sich alle einig: Wir Dänen lehnen einen Verkauf strikt ab. Und auch die grönländische Regierung hat sich klar geäußert. Gerade erst haben die dänische Staatsministerin Mette Frederiksen und Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen gemeinsam gesagt: Es gibt kein Blatt zwischen uns. Der Vorschlag wird geschlossen abgelehnt. ZEIT: Und wie sieht die Debatte in Grönland aus? Gibt es dort Strömungen, die der Trump-Regierung näherstehen? Høyem: Ja, die Kleinstpartei Naleraq, die mit einem Sitz im dänischen Parlament vertreten ist. Aber politisch ist das absolut marginal. In der grönländischen Regierung selbst gibt es keine Unterstützung für die US-Forderungen. ZEIT: Das heißt, die einzige echte Kontroverse besteht rund um diese Kleinstpartei? Høyem: Genau. Und ein paar Anhänger, die Trumps Sohn getroffen haben, als er als Tourist in Nuuk war. Aber das ist wirklich ein winziger Kreis, politisch ohne Einfluss. ZEIT: Donald Trump Jr. besuchte Grönland im Januar 2025, Donald Trumps Vizepräsident JD Vance im März. Høyem: Ja, das war die erste Provokation der zweiten Trump-Präsidentschaft. Ursprünglich war geplant, dass auch der damalige Vizepräsident Vance in die Hauptstadt Nuuk kommen sollte. Man hatte schon Flugzeuge und gepanzerte Fahrzeuge bereitgestellt. Doch dann wurde umdisponiert: Vance flog nur zur amerikanischen Militärbasis auf Grönland, nicht nach Nuuk. Trumps Sohn dagegen kam für ein paar Stunden in die Hauptstadt. Das wirkte wie eine symbolische Lösung, die USA konnten Präsenz zeigen, ohne dass das Weiße Haus das Gesicht verlor. ZEIT: Auf der US-amerikanischen Militärbasis in Grönland sind derzeit 150 Soldaten stationiert. Sie selbst waren dafür zuständig, richtig? Høyem: Ja. In den 1980er-Jahren war ich als Minister Ansprechpartner für die USA. Wir haben damals in Washington verhandelt, und das Ergebnis war, dass die Base nicht aufgerüstet, sondern ihre geografische Fläche halbiert wurde. Das war ein gemeinsamer Beschluss von Dänemark und den USA. Deshalb finde ich es heute heuchlerisch, wenn Trump behauptet, Dänemark würde zu wenig in die Arktis investieren.