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23.02.2026
15:08 Uhr
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Straßenblockaden, brennende Autos und Busse: Nach dem Tod von Kartellchef "El Mencho" reagiert dessen Drogenbande landesweit mit roher Gewalt. So ist die Lage in Mexiko.

Das mächtige mexikanische Drogenkartell Jalisco Nueva Generación hat landesweit eine Welle der Gewalt ausgelöst, nachdem sein Anführer Nemesio Rubén Oseguera Cervantes alias El Mencho bei einem Militäreinsatz getötet wurde. In zahlreichen Bundesstaaten steckten Anhänger des Drogenbosses Autos, Banken, Tankstellen und Geschäfte in Brand und blockierten diverse Straßen. Mexikanische Medien berichten, dass 20 der 32 mexikanischen Bundesstaaten betroffen seien. Präsidentin Claudia Sheinbaum rief über die Plattform X die Bevölkerung zur Ruhe auf. Ein Überblick Was ist passiert? Mexikanische Soldaten haben am Sonntag den Anführer des Drogenkartells Jalisco Nueva Generación (CJNG), Nemesio Rubén Oseguera Cervantes – genannt El Mencho – getötet. Wie das mexikanische Verteidigungsministerium mitteilte, wurde der Drogenboss bei der Operation in dem Ort Tapalpa im mexikanischen Bundesstaat Jalisco verletzt und starb später auf dem Luftweg nach Mexiko-Stadt. Bei dem Militäreinsatz wurden demnach neben dem 59 Jahre alten El Mencho mindestens sechs weitere Mitglieder des Kartells sowie sieben Nationalgardisten getötet. Zwei mutmaßliche Mitglieder von Jalisco Nueva Generación seien festgenommen worden. Wie der mexikanische Fernsehsender TV Azteca berichtete , fokussierte sich die Operation in Tapalpa auf zwei Wohnsiedlungen sowie auf das etwa sieben Kilometer vom Ortszentrum entfernte Anwesen Rancho Pinto. Augenzeugen zufolge kamen bei dem Militäreinsatz am frühen Sonntagmorgen demnach neben schwer bewaffneten Bundesbeamten auch Hubschrauber und zweimotorige Flugzeuge zum Einsatz. Die bewaffnete Auseinandersetzung mit den Kartellmitgliedern dauerte dem Bericht zufolge etwa drei Stunden. Tapalpa ist eigentlich bekannt als Anziehungspunkt für den Wochenendtourismus. Seit Jahren gibt es jedoch Berichte, wonach das ländliche Gebiet nahe der Provinzhauptstadt Guadalajara als strategischer Zufluchtsort des CJNG genutzt wurde. Auch aus Guadalajara, Zapotlanejo, Talpa, Autlán und Puerto Vallarta wurden Angriffe gemeldet. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum hatte noch vor wenigen Wochen gesagt: "Eine Rückkehr zum Krieg gegen die Drogen ist keine Option". Eine solche Politik führe letztlich in den Faschismus, fügte sie hinzu. Wie ist die Lage im Land? Das von El Mencho angeführte Kartell reagierte landesweit mit Gewalt auf den Militäreinsatz. So blockierten Mitglieder der Bande unter anderem in den Bundesstaaten Jalisco, Michoacán, Aguascalientes, Tamaulipas und Guanajuato Straßen mit brennenden Autos, Lastwagen und Bussen. Insgesamt wurden Behördenangaben zufolge mehr als 250 Straßenblockaden in 20 Bundesstaaten gezählt. Die meisten davon seien inzwischen geräumt worden, hieß es. Von den gewalttätigen Angriffen sollen etwa 20 der 32 mexikanischen Bundesstaaten betroffen sein, wie mexikanische Medien berichteten. Dabei habe es Tote und Verletzte gegeben, eine offizielle Zahl lag zunächst nicht vor. Videos aus der von Touristen beliebten Stadt Puerto Vallarta an der Pazifikküste zeigten brennende Autos und große schwarze Rauchwolken, die zwischen Gebäuden aufstiegen. Im Bundesstaat Michoacán wurde nach Angaben von Gouverneur Alfredo Ramírez für diesen Montag der Schulunterricht abgesagt. In Guadalajara, Hauptstadt von Jalisco, trauten sich viele Einwohnerinnen und Einwohner am Sonntag nicht mehr auf die Straße. Passagieren, die am Abend zum internationalen Flughafen der Stadt reisten, wurde mitgeteilt, der Betrieb laufe wegen der Gewalt nur mit reduziertem Personal. In der zweitgrößten Stadt des Landes sollen im Juni vier Partien der Fußballweltmeisterschaft ausgetragen werden. Die Lufthansa behielt ihre täglichen Flüge von Frankfurt am Main und München nach Mexiko-Stadt zunächst bei. Experten befürchten, dass der Tod des Drogenbosses zu weiterer Gewalt rivalisierender Banden führen könnte. "Dies könnte der Moment sein, in dem diese anderen Gruppen erkennen, dass das Kartell geschwächt ist, und die Gelegenheit nutzen wollen, ihre Kontrolle auszuweiten und das Jalisco-Kartell in diesen Bundesstaaten zu übernehmen", sagte David Mora von der International Crisis Group. Welche Reaktionen gibt es? Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. "Wir müssen informiert bleiben und Ruhe bewahren", schrieb sie auf X. Trotz der Vielzahl der von der Gewalt betroffenen Bundesstaaten fügte sie hinzu, dass im Großteil des Landes alles normal laufe. Das Sicherheitskabinett werde fortlaufend über die Lage informieren. Der stellvertretende Außenminister der USA, Christopher Landau, schrieb auf X , mit El Mencho sei einer der "blutigsten und rücksichtslosesten Drogenbosse" getötet worden. "Das ist eine großartige Entwicklung für Mexiko, die USA, Lateinamerika und die ganze Welt. Die Guten sind stärker als die Bösen", fügte er hinzu. Die US-Botschaft in Mexiko und die diplomatischen Vertretungen anderer Länder forderten ihre im Land befindlichen Bürger zu erhöhter Wachsamkeit auf. Unter anderem wurde vor Gewalttaten in den beliebten karibischen Urlaubszielen Cancún, Cozumel und Tulum gewarnt. Aufgrund laufender Sicherheitsoperationen und Straßensperren sollten US-Bürger an den betroffenen Orten bis auf Weiteres in ihren Unterkünften bleiben, teilte die Botschaft mit. Auch die deutsche Botschaft warnte auf X, dass es "in verschiedenen Landesteilen zu Unruhen, Straßensperren und Brandstiftungen" kommt. Wer sich an einem sicheren Ort wie einem Hotel aufhalte, solle dort bis auf Weiteres bleiben und auf nicht unbedingt erforderliche Fahrten verzichten: "Versuchen Sie bei Straßensperren nicht, sich zu widersetzen oder zu flüchten." Eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes lag zunächst nicht vor. Die Bundesregierung riet lediglich zu besonderer Vorsicht. Die Reisehinweise auf der Webseite des Auswärtigen Amtes würden nach Bedarf angepasst, sagte eine Ministeriumssprecherin in Berlin. Beim Auswärtigen Amt sei eine "niedrige vierstellige Zahl" an Deutschen registriert, die sich in Mexiko aufhielten. "Es können natürlich aber deutlich mehr sein, weil keine Meldepflicht besteht", sgate die Sprecherin. Nordamerikanische Fluggesellschaften sagten am Sonntag Flüge in mehrere mexikanische Städte ab. Airlines wie United, Southwest und Air Canada teilten mit, die Städte Puerto Vallarta, Guadalajara oder Manzanillo würden vorerst nicht mehr angeflogen. Einige Flugzeuge, die bereits auf dem Weg nach Mexiko gewesen seien, seien auf halber Strecke umgekehrt. Was ist über das Kartell Jalisco Nueva Generación bekannt? Das von El Mencho geführte Verbrechersyndikat CJNG ist eine der kriminellen Gruppen mit der größten Präsenz in Mexiko. Laut dem Drug Enforcement Administration (DEA) Bericht von 2023 ist CJNG in 21 von 32 Bundesstaaten präsent und hat etwa 18.800 Mitglieder. Nach Angaben von US-Behörden ist das Kartell eine transnationale Organisation mit Verbindungen bis nach China und Australien. Neben dem Handel mit Fentanyl ist es demnach auch in Erpressung, Schleusung von Migranten, Diebstahl von Öl und Mineralien sowie Waffenhandel verwickelt. Das Kartell Jalisco Nueva Generación verfügt über ein großes Waffenarsenal und gepanzerte Fahrzeuge. In Mexiko verübte es blutige Anschläge auf Sicherheitskräfte, hängte Leichen an Brücken auf und schoss einen Militärhubschrauber ab. Dem Kartell wird vorgeworfen, junge Menschen mit falschen Jobangeboten anzulocken, um sie zwangsweise zu rekrutieren. Wer war El Mencho? Nemesio Rubén Oseguera Cervantes wurde am 17. Juli 1966 in Aguililla in dem westmexikanischen Bundesstaat Michoacán geboren. Seit den Neunzigern war Oseguera Cervantes in den Drogenschmuggel verwickelt. In dieser Zeit wanderte er in die USA aus. In Kalifornien wurde er mehrmals wegen geringfügiger Delikte festgenommen. Wegen Verschwörung zum Drogenhandel in Kalifornien wurde er 1994 verurteilt und verbrachte fast drei Jahre im Gefängnis. Nach seiner Entlassung wurde er nach Mexiko abgeschoben. Dort trat er der Polizei in einer Gemeinde in Jalisco bei. Letztlich entschied er sich jedoch dafür, sich dem Schutzkreis des Drogenhändlers Armando Valencia Cornelio (Chef des Kartells Los Valencia/del Milenio) anzuschließen. Die Gruppe hatte eine Allianz mit dem Sinaloa-Kartell, doch nach dem Tod eines ihrer Bosse, Ignacio Coronel Villarreal, trennten sich die Gruppen 2010. Zusammen mit seinem Schwager Abigael González Valencia erbte Oseguera Cervantes einen Teil dieser Struktur und gründete 2011 zusammen mit Erik Valencia Salazar das Kartell Nuevo Jalisco Genereción (CJNG). El Mencho soll ein Milliardenvermögen besessen und Geld mit Immobilien, Viehzucht und Musikgeschäften gewaschen haben. Welche Rolle spielen die USA? Die USA haben die mexikanische Regierung bei der Operation gegen das Drogenkartell mit Geheimdienstinformationen unterstützt. Trumps Sprecherin Karoline Leavitt schrieb auf X, El Mencho sei "als einer der größten Fentanyl-Schmuggler in unser Land ein Hauptziel der mexikanischen und der US-amerikanischen Regierung" gewesen. Bereits zuvor hatte die US-Regierung das extrem gewalttätige Drogenkartell von El Mencho als ausländische Terrororganisation eingestuft und eine Belohnung von 15 Millionen US-Dollar (rund 12,7 Millionen Euro) für Hinweise zur Ergreifung des Drogenbosses ausgesetzt. Trump hatte Mexiko in den vergangenen Monaten mehrfach aufgefordert, mehr gegen den Schmugge l der synthetischen Droge Fentanyl zu unternehmen. Er hatte dem Nachbarland weitere Zölle angedroht und auch Einsätze des US-Militärs in Mexiko in Betracht gezogen, wenn es Sheinbaums Regierung nicht gelinge, Ergebnisse vorzuweisen. (Mit Material der Nachrichtenagenturen AFP, dpa, KNA und Reuters)