Zeit 01.03.2026
12:44 Uhr

Tod von Ali Chamenei: So ist die Nachfolge des Ajatollahs im Iran geregelt


Rund 37 Jahre lang war Ali Chamenei das Staatsoberhaupt des Iran. Für seine Nachfolge gibt es eigentlich klare Regeln. Doch die wurden schon einmal gebrochen.

Tod von Ali Chamenei: So ist die Nachfolge des Ajatollahs im Iran geregelt
Ajatollah Ali Chamenei war das unbestrittene Machtzentrum der Islamischen Republik Iran. Nachdem er bei einem Luftschlag im Zuge der US-amerikanischen und israelischen Angriffe getötet wurde, muss das iranische Regime ein neues Staatsoberhaupt bestimmen. Dafür gibt es in der Verfassung klare Regeln – die faktisch allerdings nicht viel gelten müssen: Welche Rolle hat der Oberste Führer im Iran? Der Oberste Führer ist das politische und geistliche Oberhaupt der Islamischen Republik. In Anlehnung an den Sturz des Schahs und die Revolution von 1979 wird er auch als Revolutionsführer bezeichnet. Er bestimmt maßgeblich die Innen- und Außenpolitik des Landes und ist zudem Oberbefehlshaber des iranischen Militärs sowie der einflussreichen paramilitärischen Revolutionsgarden. Nach dem Tod des Republikgründers Ruhollah Chomeini hatte der nun getötete Ajatollah Ali Chamenei das Amt seit dem Jahr 1989 inne. Wer bestimmt den Nachfolger des Obersten Führers? Formal wird der Oberste Führer vom sogenannten Expertenrat bestimmt, einem Gremium aus insgesamt 88 schiitischen Geistlichen. Laut iranischem Gesetz haben sie die Aufgabe, "so bald wie möglich" einen Nachfolger zu bestimmen. Die Mitglieder des Expertenrats werden alle acht Jahre direkt vom Volk gewählt. Zuletzt geschah das im Jahr 2024 . Allerdings müssen Kandidaten für das Gremium zuvor vom mächtigen Wächterrat genehmigt werden . Die Mitglieder dieses zweiten, zwölfköpfigen Rats werden wiederum jeweils zur Hälfte vom Obersten Führer selbst und der Judikative bestimmt – deren Chef ebenfalls vom Obersten Führer ernannt wird. Faktisch dürfte der Expertenrat darum mit regimetreuen Klerikern besetzt sein. Welche Kriterien muss ein Kandidat erfüllen? Der Oberste Führer muss laut Artikel 109 der iranischen Verfassung eine Reihe religiöser und charakterlicher Eigenschaften erfüllen. Er muss demnach über ausreichende theologische Qualifikationen verfügen, gerecht und fromm sein sowie politischen wie gesellschaftlichen Weitblick und Mut besitzen. Des Weiteren muss er auf Geschick in der Verwaltung und Führungsqualitäten zurückgreifen können. Sollten mehrere Kandidaten diese Anforderungen erfüllen, erhält der Verfassung zufolge der politisch fähigste Kandidat den Zuschlag. In dem einzigen Fall, in dem die Nachfolge des Staatsoberhaupts der Islamischen Republik bisher vollzogen wurde – der Wahl Chameneis im Jahr 1989 –, wurden diese Kriterien allerdings nur lose angelegt. Damals kritisierten viele Geistliche, Chamenei bringe nicht die erforderlichen religiösen Ehren mit. Sein Gegner Ajatollah Hussein Ali Montaseri sprach sogar von einer "Entwürdigung der schiitischen Geistlichkeit". Für Chameneis Aufstieg zum unangefochtenen Anführer im Iran erwies sich das letztlich aber nicht als hinderlich. Wer sind die aussichtsreichsten Kandidaten? Ali Chamenei hatte den Machtapparat im Iran in den vergangenen Jahrzehnten auf sich zugeschnitten und konkurrierende Machtzentren ausgeschaltet . Die Beratungen unter den Geistlichen über die Nachfolge des Ajatollahs finden zudem unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Es ist darum schwierig, Angaben zu möglichen Kandidaten für das oberste Amt im Staat zu machen. Chameneis Schützling, der ehemalige Präsident Ebrahim Raisi, wurde im Mai 2024 bei einem Hubschrauberabsturz getötet. Andere profilierte Anwärter gibt es wenig. Chancen könnte sich womöglich einer von Chameneis Söhnen ausrechnen: der 56-jährige schiitische Geistliche Modschtaba. Allerdings hatte er noch nie ein Regierungsamt inne. Der Iran-Experte Walter Posch wies im Gespräch mit der ZEIT zudem darauf hin, dass Hassan Chomeini – der Enkel des verstorbenen Republikgründers – in den vergangenen Monaten auffallend präsent in der Öffentlichkeit war. Er gilt als vergleichsweise moderat. Wer regiert in der Zwischenzeit? Im Einklang mit der iranischen Verfassung wurde im Iran inzwischen ein Rat gebildet , der vorübergehend die Führung des Landes übernehmen soll. Er besteht aus dem amtierenden Präsidenten Massud Peseschkian, dem Chef der iranischen Justiz, Gholamhossein Mohseni Edschei, und Ajatollah Aliresa Arafi, einem Mitglied des sogenannten Wächterrats.