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19.01.2026
05:18 Uhr
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Donald Trump will Grönland für sich und verhängt Zusatzzölle. CDU-Politiker Thomas Röwekamp glaubt weiter an die Bündnisfähigkeit der Nato – wenn Europa mehr investiert.

Thomas Röwekamp (CDU) ist Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des Bundestages. Er kommt aus Bremen, war dort Innensenator und Bürgermeister. Seit 2021 gehört der Jurist dem Bundestag an. DIE ZEIT: Herr Röwekamp, Deutschland hatte 15 Soldatinnen und Soldaten nach Grönland geschickt, andere europäische Länder noch weniger. Sie kehren nun zurück. Was kann eine solch kurze Mission im Konflikt mit den USA bringen, die damit drohen, die zu Dänemark gehörende autonom verwaltete Insel zur Not gewaltsam zu übernehmen? Thomas Röwekamp: Das gemeinsame Vorgehen der Europäer sehe ich als ein klares Signal, dass sie bereit sind, mehr zur Verteidigung Grönlands beizutragen. Die Mission soll den USA zeigen, dass eine erzwungene Übernahme der Insel von Dänemark unnötig ist. ZEIT: Müssen Dänen und Grönländer mehr Angst haben vor China und Russland, die laut US-Präsident Donald Trump in der Arktis militärisch aktiv sind – oder vor den Vereinigten Staaten? Röwekamp: Bei aller berechtigten Kritik an der Rhetorik des US-Präsidenten hat Trump recht, dass die Arktis und Grönland von erheblicher sicherheitspolitischer Bedeutung sind. Wir dürfen sie nicht China und Russland überlassen. Und er hat auch recht, dass die Europäer mehr für die Sicherheit der Region tun müssen. ZEIT: Trump hat Staaten, die seinen Grönland-Ambitionen im Weg stehen, am Freitag mit Strafzöllen und Dänemark erneut mit militärischer Gewalt gedroht. So etwas gab es in der Geschichte der Nato noch nie. Wie soll die Bundesregierung damit umgehen? Röwekamp: Ein Nato-Mitglied, das mit Gewalt gegen ein anderes vorginge, würde unser Bündnis grundsätzlich infrage stellen. Aber auch die USA wollen die Allianz nicht sprengen. So oder so muss Europa mehr in die Verteidigung investieren. Wir haben uns in den vergangenen Jahren zu sehr auf die militärischen Fähigkeiten der Amerikaner verlassen. Das war bequem. Aber die Zeiten, in denen wir darauf vertrauen konnten, dass die USA uns in jedem Fall verteidigen werden, sind vorbei. Darauf stellen wir uns ein. Die Bundesregierung hat für die Bundeswehr ein ehrgeiziges Ziel beim Personal und beim Material beschlossen. ZEIT: Trumps Strafzölle sollen sich vor allem gegen Staaten richten, die sich militärisch stärker auf Grönland engagieren wollen – darunter Deutschland. Wie passt das mit der Forderung des Präsidenten zusammen, Europa müsse sich auch in der Arktis stärker engagieren? Röwekamp: Die Drohungen des US-Präsidenten mit zusätzlichen Zöllen gegen die Länder, die im Rahmen des gemeinsamen Verteidigungsbündnisses bereit sind, zusätzliche militärische Anstrengungen zum Schutz dieses Nato-Raums zu unternehmen, sind unangebracht und in der Sache inakzeptabel. Die von Trump angemeldeten Ansprüche auf Grönland sind völkerrechtswidrig und gefährden die Geschlossenheit der Nato gegenüber der gegenwärtigen militärischen Bedrohung durch Russland und China. ZEIT: Wie sollten die Europäer nun reagieren? Röwekamp: Es ist richtig, die Vereinbarungen zum Handelsabkommen zwischen der EU und den USA auszusetzen, bis auch die amerikanische Administration zu Geist und Inhalt der gemeinsamen Handelspolitik zurückkehrt. Es kann weder im amerikanischen noch im europäischen Interesse sein, durch Drohungen und Vorwürfe unseren Zusammenhalt zu gefährden. Deswegen bin ich froh, dass es auch im US-Kongress klare Widerstände gibt. Wir müssen in Gesprächen mit unseren Bündnispartnern schnell zu einer gemeinsamen Position finden, die die Verteidigungsfähigkeit der Nato auch in Zukunft sicherstellt.