Zeit 19.02.2026
14:03 Uhr

Theater: Nach Tumulten im Schauspielhaus: Security im Einsatz


Theater: Nach Tumulten im Schauspielhaus: Security im Einsatz
Nach dem Tumult bei einer Premiere am Bochumer Schauspielhaus sollen Sicherheitskräfte nun die weiteren Vorstellungen sichern. Dazu habe man sich nach den Vorfällen am vergangenen Samstag bis auf Weiteres entschieden, sagte die stellvertretende Intendantin Angela Obst der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Der Vorfall habe das Ensemble und die Beteiligten zutiefst erschrocken, schilderte die Vize-Theaterchefin im Interview. "Dass so ein Übergriff passieren würde, konnte niemand voraussehen. Wir waren noch lange beieinander und haben viel gesprochen", sagte Obst weiter. Buhrufe, Pfiffe oder den Saal zu verlassen seien akzeptable Mittel, seinen Unmut kundzutun. "Aber hier wurde eindeutig eine Grenze überschritten." Von einer Anzeige gegen die Männer, die am Samstag die Bühne stürmten, will das Schauspielhaus aber absehen. Es habe sich augenscheinlich nicht um einen geplanten oder vorsätzlichen Übergriff gehandelt, sagte ein Sprecher des Schauspielhauses der dpa. Inszenierung ruft kontroverse Diskussionen hervor Vize-Intendantin Obst verteidigte im "Waz"-Interview das Stück des portugiesischen Autors Tiago Rodrigues und der Regisseurin Mateja Koležnik als smarten, gleichwohl harten politischen Stoff, der das Publikum in Gewissenskonflikte bringen könnte - ohne es auf einen Skandal abzusehen. Auch in den Publikumsgesprächen nach den Vorstellungen sei daher lange und kontrovers diskutiert worden. "Das ist doch wunderbar, wenn das Theater ein Ort für politische Auseinandersetzung ist", sagte Obst der Zeitung. Weiteren Vorstellungen des Stücks soll eine persönliche Ansage vorangestellt werden, in der das Publikum daraufhin gewiesen werde, dass die Bühne ein geschützter Raum bleiben müsse, der nicht betreten werden darf, wie ein Sprecher sagte. Außerdem weist das Schauspielhaus ausdrücklich auf das geltende Fotografieverbot während der Vorstellung hin. Damit soll auch sichergestellt werden, dass etwa der "Monolog des Faschisten", der am Samstag den Übergriff ausgelöst hatte, nicht aus dem Kontext gerissen werde. "Davor muss der Schauspieler geschützt werden", sagte ein Sprecher. Zudem weise man noch einmal auf die Nachgespräche hin, die nach jeder Vorstellung im Theaterfoyer stattfinden. Was am Abend der Premiere passierte Während eines gut zehnminütigen "Monologs eines Faschisten" am Ende des Stückes "Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten" hatten zwei Zuschauer versucht, den Schauspieler Ole Lagerpusch von der Bühne zu zerren. Es kam nach Angaben eines Schauspielhaussprechers zu Handgreiflichkeiten. In dem Schlussmonolog hält ein faschistischer Regierungschef eine Rede, die immer radikaler wird und Fremdenhass, Schwulenhass und Frauenfeindlichkeit bedient. Das Schauspielhaus zeigte sich zutiefst erschrocken und verurteilte "diese Übergriffigkeit als vollkommen inakzeptabel". © dpa-infocom, dpa:260219-930-707006/3