Zeit 15.12.2025
15:38 Uhr

Terroranschlag in Australien: 16 Tote und 42 Verletzte nach antisemitischem Anschlag in Sydney


Bei einem antisemitischen Anschlag am Bondi Beach in Sydney starben 16 Menschen. Nach Angaben der Polizei waren die Tatverdächtigen Vater und Sohn. Was bekannt ist.

Terroranschlag in Australien: 16 Tote und 42 Verletzte nach antisemitischem Anschlag in Sydney
Am weltberühmten Bondi Beach im australischen Sydney hat es einen Schusswaffenangriff gegeben. Die Behörden sprechen von einem antisemitischen Terroranschlag. Offiziellen Angaben zufolge sind 16 Menschen getötet worden – einer von ihnen ein mutmaßlicher Angreifer. Mindestens 42 Menschen wurden laut Polizei zudem verletzt. Ein Überblick: Was ist am Bondi Beach geschehen? Am Sonntagabend (Ortszeit) hat es am Bondi Beach, dem bekanntesten Strand der australischen Großstadt Sydney, einen Schusswaffenangriff gegeben. Die Rettungsdienste wurden nach Polizeiangaben zur Campbell Parade gerufen, als dort Schüsse zu hören waren. Der Angriff soll um 18.47 Uhr begonnen haben. Die Polizei bestätigte einen Schusswaffenangriff durch zwei Männer an dem beliebten Ort . Bei dem Angriff starben 16 Menschen, darunter einer der beiden mutmaßlichen Angreifer . Der zweite mutmaßliche Schütze wurde schwer verletzt. Zudem wurden mindestens 42 weitere Menschen als verletzt gemeldet, darunter zwei Polizeibeamte und vier Kinder. Durch sein mutiges Eingreifen rettete ein Passant am Bondi Beach womöglich vielen Menschen das Leben. Wie in einem Video zu sehen ist, das in den sozialen Medien verbreitet und von der Nachrichtenagentur Reuters verifiziert wurde, überwältigte und entwaffnete er einen der Angreifer . Der Tatort wurde durch die Polizei zunächst weitläufig abgesperrt. Nach Polizeiangaben gab es keine Berichte über weitere Vorfälle in Sydney, die mit dem Terrorangriff in Verbindung stehen. Eine Reihe verdächtiger Gegenstände wurde von Spezialisten untersucht. Der Bondi Beach blieb zunächst geschlossen. Welchem Ziel galt der Angriff? Bei dem Angriff handelt es sich nach derzeitigem Stand um einen antisemitisch motivierten Terroranschlag. Er galt einer Veranstaltung zum jüdischen Chanukkafest am Bondi Beach – an diesem Sonntag hat das achttägige Lichterfest Chanukka begonnen. Die jüdische Organisation Australian Jewish Association bestätigte den Angriff auf X . Die Organisation teilte Videos von zwei Angreifern mit Schusswaffen und zahlreichen Verwundeten. Mehr als 1.000 Menschen seien dort gewesen, als die Schüsse fielen, sagte der Chef der Polizei von New South Wales, Mal Lanyon. "Dieser Angriff zielte darauf ab, die jüdische Gemeinde Sydneys am ersten Tag von Chanukka anzugreifen", sagte der Regierungschef des australischen Bundesstaats New South Wales, Chris Minns, auf einer Pressekonferenz. Polizeichef Lanyon bezeichnete die Attacke als "terroristischen Vorfall". Australiens Premierminister Anthony Albanese sprach von einem "verheerenden Terroranschlag", der gezielt gegen Juden in Sydney gerichtet gewesen sei. Er sei in Gedanken bei den Opfern, sagte Albanese. "Die Szenen in Bondi sind schockierend und beunruhigend." Organisator der angegriffenen Veranstaltung war Chabad, eine Bewegung streng religiöser Juden, die sich weltweit für jüdische Gemeinden engagiert, Schabbatessen organisiert oder Feste anlässlich jüdischer Feiertage. "Die Veranstaltung 'Chanukka am Meer', die um 17.30 Uhr Ortszeit begann, wurde gegen 18.45 Uhr durch Schüsse unterbrochen", hieß es auf der Website der Bewegung. Demnach befindet sich unter den Getöteten Eli Schlanger, stellvertretender Rabbi der Chabad-Gruppe Bondi und einer der Hauptorganisatoren der Veranstaltung. Was weiß man über die Angreifer? Die australische Polizei geht von zwei Attentätern aus. Dabei soll es sich um einen Vater und seinen 24-jährigen Sohn handeln. Nach weiteren Tatverdächtigen werde nicht gesucht. Einer der Schützen, der 50-jährige Vater, wurde am Tatort von der Polizei erschossen. Der andere, sein Sohn, sei schwer verletzt und unter Polizeiaufsicht ins Krankenhaus gekommen. Mike Burgess, Generaldirektor des australischen Inlandsgeheimdienstes, sagte bei einer Pressekonferenz, dass einer der Täter der Behörde bekannt gewesen sei. Er habe aber "keine unmittelbare Bedrohung" dargestellt. Der australische Sender ABC berichtete, einer der mutmaßlichen Angreifer komme aus Bonnyrigg, einem Vorort von Sydney. Die Polizei durchsuchte Berichten zufolge sein Haus. Polizeichef Lanyon zufolge nutzten die Angreifer Langwaffen. Zudem seien selbst gebastelte explosive Vorrichtungen in einem Auto gefunden worden. Wie steht es um die Opfer? Laut Polizei töteten die Angreifer mindestens 15 Menschen im Alter zwischen zehn und 87 Jahren, wie Polizeichef Lanyon mitteilte. Zwei von ihnen – ein zehnjähriges Mädchen und ein 40 Jahre alter Mann – seien ihren Verletzungen im Krankenhaus erlegen. Insgesamt wurden mindestens 42 Menschen bei dem Angriff verletzt. Sie werden in Krankenhäusern in der Umgebung behandelt. Aufgrund der vielen Verletzten könnte sich die Zahl der Toten noch ändern. Nach Angaben des israelischen Außenministeriums ist mindestens ein Israeli unter den Toten. Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot teilte zudem mit, dass einer der Toten ein Franzose war. Welche Vorwürfe gibt es aus Israel? Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu machte der australischen Regierung nach dem Anschlag schwere Vorwürfe . Er habe seinen Amtskollegen gewarnt, dass die Politik des Landes den Antisemitismus schüre, sagte Netanjahu. Antisemitismus verbreite sich, "wenn führende Politiker schweigen". Der israelische Staatspräsident Izchak Herzog sprach von einem Anschlag auf die jüdische Gemeinde. "Wir wiederholen unsere Warnungen an die australische Regierung immer wieder und fordern Maßnahmen ein, um gegen die enorme Welle des Antisemitismus zu kämpfen, die die australische Gesellschaft heimsucht", sagte Herzog. Die Organisation Australian Jewish Association hatte zuvor auf X geschrieben: "Wir haben so oft davor gewarnt, dass es so kommen würde." Weltweit teilten Politiker und Organisationen ihre Anteilnahme . Australiens Premierminister Anthony Albanese wies die Kritik aus Israel zurück, die sich auch konkret auf die Anerkennung eines palästinensischen Staates durch Australien bezog. Laut Albanese gibt es keinen Zusammenhang zwischen dem Terroranschlag und der Anerkennung Palästinas durch seine Regierung . Die Mehrheit der Welt erkenne eine Zweistaatenlösung als den richtigen Weg an. Dem Sender ABC Australia sagte Albanese: "Meine Aufgabe ist es, die jüdische Gemeinde zu unterstützen und deutlich zu machen, dass die Australier in dieser schwierigen Zeit überwältigend hinter der jüdischen Gemeinde stehen." Welche Geschichte hat Australien mit antisemitischen Anschlägen? Australien gehört zu den Ländern, die seit dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem dadurch ausgelösten Krieg in Gaza einen starken Anstieg antisemitischer Gewalt erleben. Zu Chanukkabeginn vor einem Jahr wurde etwa eine Synagoge bei Melbourne in Brand gesteckt. Australiens Geheimdienste machten das iranische Regime dafür verantwortlich, ebenso für einen Brandanschlag auf ein Café in Sydney im Oktober 2024. Das iranische Regime habe damit versucht, "den sozialen Zusammenhalt zu untergraben und Zwietracht in unserer Gemeinschaft zu säen", sagte Anthony Albanese im August dieses Jahres und forderte den iranischen Botschafter Ahmad Sadeghi auf, Australien zu verlassen.