Zeit 27.01.2026
05:56 Uhr

Teilzeitdebatte: Bundesinnenminister Dobrindt bekräftigt Recht auf Teilzeit


Er sehe "keinen Änderungsbedarf" am bestehenden Recht auf Teilzeit in Deutschland, sagt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Auch Pflegeverbände begehren auf.

Teilzeitdebatte: Bundesinnenminister Dobrindt bekräftigt Recht auf Teilzeit
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat den Vorschlag des Wirtschaftsflügels der Union zurückgewiesen, das Recht auf Teilzeitarbeit in Deutschland einzuschränken. "Ich sehe da keinen Änderungsbedarf", sagte Dobrindt in der ntv-Sendung Pinar Atalay . Die Arbeitszeit sei etwas, "was sehr individuell entschieden wird", sagte der Bundesinnenminister weiter. Jeder entscheide selbst, "wie viel er heute arbeiten will und kann". Er glaube auch nicht, dass aus dem Vorstoß der Mittelstands- und Wirtschaftsunion ein politisches Programm werde. Stattdessen sollte man Arbeit flexibel betrachten: "Ich glaube, dass wir wegmüssen von diesem reinen Acht-Stunden-Tag und hin zu einer Wochenarbeitszeit", sagte der Bundesinnenminister. Dobrindt störte sich zudem an dem vom Wirtschaftsflügel verwendeten Begriff "Lifestyle-Teilzeit" . Das impliziere den Vorwurf, Menschen würden sich unnötig für Teilzeit entscheiden, sagte der Bundesinnenminister. "Ich glaube, es gibt in der Regel einen Grund", sagte er. "Wenn der Grund am Schluss heißt, meine Priorität liegt auf anderen Dingen, dann finde ich das auch vollkommen akzeptabel." Es gebe keinen Zwang auf 41 Stunden Arbeitszeit pro Woche. Auch Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sprach sich gegen den Vorstoß aus. "Ich sehe keinen Änderungsbedarf bei der jetzigen Rechtslage", sagte Laumann der Rheinischen Post . Es gebe sehr gute Gründe für eine Teilzeitbeschäftigung. "Beispielsweise nutzen Eltern und pflegende Angehörige die Möglichkeit, um Arbeitsverhältnis und Care-Arbeit bestmöglich miteinander zu vereinbaren", sagte der CDU-Minister. Pflegeverbände sprechen von Generalverdacht gegen Arbeitnehmer Sozial- und Pflegeverbände wehrten sich ebenfalls gegen das Ansinnen des Wirtschaftsflügels. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe warnte vor "falschen Schlussfolgerungen". Wer Teilzeit pauschal als Wohlstandsproblem darstelle, verkenne die Realität in der Pflege: "Teilzeit ist für viele eine Schutzreaktion auf Überlastung, Schichtdienst und fehlende Planbarkeit – nicht Ausdruck von Bequemlichkeit", schrieb der Verband. Der Sozialverband VdK kritisierte den Vorstoß als keinen sinnvollen Beitrag zu einer guten Beschäftigungspolitik. Statt strukturelle Probleme wie fehlende Kinderbetreuung oder Pflegeinfrastruktur zu lösen, würden Arbeitnehmer unter Generalverdacht gestellt, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele. Auch der Deutsche Frauenrat sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund bemängelten den Vorstoß. Er sei ein Affront gegen all jene, die neben ihrer Erwerbsarbeit Kinder erziehen, Angehörige pflegen oder sich ehrenamtlich engagieren. Der Wirtschaftsflügel der Union hatte die Debatte entzündet. Er wollte im Februar einen Antrag an den CDU-Bundesparteitag stellen , wonach das Recht auf Teilzeit für Beschäftigte in Zukunft nur noch unter bestimmten Umständen gelten solle: beispielsweise wenn Menschen Kinder betreuen, Angehörige pflegen oder sich berufsbegleitend weiterbilden. Angesichts des Fachkräftemangels sei "das Ausschöpfen des inländischen Potenzials dringend geboten." Politiker aller Parteien hatten die Idee als verfehlt bezeichnet.