Zeit 30.01.2026
09:37 Uhr

Tarifrunde bei der BVG: Verdi ruft für Montag zu Warnstreiks im Nahverkehr auf


Tarifrunde bei der BVG: Verdi ruft für Montag zu Warnstreiks im Nahverkehr auf
Die Gewerkschaft Verdi hat in der laufenden Tarifauseinandersetzung bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) erstmals zu Warnstreiks im Berliner Nahverkehr aufgerufen. Am Montag soll der Tram-, Bus- und U-Bahnverkehr ganztägig bestreikt werden, teilte die Gewerkschaft mit. Fahrgäste müssen sich wie bei vorigen Runden darauf einstellen, dass der gesamte Nahverkehr zum Erliegen kommt. Lediglich die Berliner S-Bahn ist nicht betroffen. Sie wird von der Deutschen Bahn betrieben. Die Gewerkschaft wirft der Arbeitgeberseite in den laufenden Verhandlungen eine Blockadehaltung vor. "Der BVG-Vorstand verweigert jede ernsthafte Auseinandersetzung mit der Realität der Beschäftigten", teilte Verdi-Verhandlungsführer Serat Canyurt mit. "Dabei sind gute Arbeitsbedingungen, unter denen die Kolleg*innen ihren Beruf auch langfristig ausüben können, zentral, um Beschäftigte im Unternehmen zu halten." Auch in anderen Bundesländern soll es zu Arbeitskämpfen kommen. Weitere Einschränkungen für Fahrgäste Der Warnstreik der Gewerkschaft bringt weitere Einschränkungen für Fahrgäste, die bereits seit Tagen erhebliche Beeinträchtigungen im Tramverkehr hinnehmen mussten. Grund dafür sind keine Arbeitskämpfe, sondern zugefrorene Oberleitungen infolge von Eisregen. Die BVG reagierte mit Unverständnis auf den Warnstreik und kritisierte eine "unverhältnismäßige Eskalation". "Angesichts der aktuellen Extremwetterlage und der weiterhin bestehenden Herausforderungen, insbesondere im Straßenbahnbetrieb, gefährdet die stundenlange Arbeitsniederlegung den Tramverkehr in Berlin erneut", teilte das Unternehmen mit. "Die BVG appelliert an die Gewerkschaft, den Streikaufruf für Berlin in der aktuellen Ausnahmesituation zurückzunehmen und Lösungen am Verhandlungstisch zu finden." Kein Ergebnis nach zwei Verhandlungsrunden Zwei Gesprächsrunden zwischen den beiden Tarifparteien sind bisher ohne Ergebnis geblieben. Verdi verhandelt derzeit parallel in allen 16 Bundesländern mit den Verkehrsunternehmen. Während sich die Tarifrunde im vergangenen Jahr um mehr Geld drehte, geht es dieses Mal in den meisten Ländern um den sogenannten Manteltarifvertrag, so auch in Berlin. Dieser regelt vor allem die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. Verdi fordert unter anderem mehr Urlaubstage für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, eine Mindestruhezeit zwischen den Schichten von elf Stunden sowie mehr Urlaubsgeld mit Umwandlungsmöglichkeit in freie Tage. Außerdem will die Gewerkschaft eine Erhöhung der sogenannten Wendezeit auf sechs Minuten ohne Ausnahme. Das betrifft die Zeit, die Fahrerinnen und Fahrer an einer Endhaltestelle haben, bevor sie wieder in die Gegenrichtung aufbrechen. Der BVG zufolge hat die Gewerkschaft in der ersten Runde ihren Forderungskatalog noch einmal ausgeweitet. Darin enthalten sei auch eine 35-Stunden-Woche, die die Gewerkschaft durchsetzen wolle. Verdi selbst hatte sich bisher nicht dazu geäußert. © dpa-infocom, dpa:260130-930-617743/1