Zeit 23.02.2026
06:22 Uhr

Syrien: Syrische Regierung schließt Gefangenenlager für IS-Familien


Im berüchtigten Al-Hol-Lager im Nordosten Syriens lebten zuletzt mehr als 20.000 Menschen. Einige sollen laut Regierung Hilfe zur Wiedereingliederung bekommen.

Syrien: Syrische Regierung schließt Gefangenenlager für IS-Familien
Die Regierung in Syrien hat das berüchtigte Gefangenenlager Al-Hol im Nordosten des Landes geschlossen. "Die syrischen und nicht syrischen Familien wurden umgesiedelt", teilte ein von der syrischen Regierung mit der Verwaltung des Lagers beauftragter Beamter, Fadi al-Kassem, mit. Der letzte Konvoi habe das Lager am Sonntagmorgen verlassen. Entlassene, die "Hilfe für ihre Wiedereingliederung" in die Gesellschaft benötigten, seien laut Al-Kassem in ein Lager in Achtarin im Norden der Provinz Aleppo und an andere Orte gebracht worden. Sicherheitskräfte führten derzeit letzte Kontrollen der Zelte im Lager durch. Aus Kreisen einer Menschenrechtsorganisation verlautete, alle in Al-Hol arbeitenden Teams hätten das Lager verlassen; die Ausrüstung sei abgebaut worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, eine unbestimmte Zahl von Bewohnern habe das Lager verlassen, ohne auf die organisierten Konvois zu warten. Die UN-Flüchtlingshilfe teilte mit, sie habe am Donnerstag bei der Rückführung von 191 Irakern aus Al-Hol in den Irak geholfen. In den vergangenen Jahren waren Tausende ehemalige Mitglieder der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) und deren Angehörige in Gefängnissen und Lagern im Nordosten Syriens festgehalten worden, wo kurdische Milizen eine autonome Verwaltung aufgebaut hatten. Al-Hol in der syrischen Provinz Hassaka war bislang das größte Lager für IS-Familienmitglieder in der Region. Zuletzt lebten dort etwa 24.000 Menschen, hauptsächlich Frauen und Kinder. Zu den Insassen zählten etwa 15.000 Syrer, mehrere Tausend Iraker und mehr als 6.000 Menschen aus rund 40 anderen Ländern. Den meisten Menschen in Al-Hol wurden keine Straftaten zur Last gelegt. IS-Kämpfer in den Irak verlegt Die syrische Regierung hatte nach einer Offensive im Nordosten Syriens im Januar die Kontrolle über Al-Hol übernommen. Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa ordnete vergangene Woche per Dekret eine Generalamnestie für Inhaftierte an. Dabei kündigte die Regierung auch die Schließung von Al-Hol an. Begründet wurde dies mit der abgelegenen Lage, die den Behörden die Kontrolle über das Lager erschwere. In den vergangenen Wochen hatten die USA bereits Tausende inhaftierte Ex-IS-Kämpfer aus Syrien in den Irak verlegt . Dies sollte laut US-Militär sicherstellen, dass die gefangenen Islamisten "in sicheren Haftanstalten bleiben". Hintergrund der Aktion waren Spannungen zwischen der syrischen Übergangsregierung und der von Kurden dominierten Miliz SDF, die als US-Verbündeter eine bedeutende Rolle im militärischen Kampf gegen den IS gespielt hatte.