Zeit 18.01.2026
22:37 Uhr

Syrien: Syriens Übergangspräsident gibt Waffenruhe mit Kurden bekannt


Im Nordosten Syriens gilt laut Ahmed al-Scharaa eine Waffenruhe, der Präsident verschiebt daher seinen Deutschlandbesuch. Die kurdische SDF-Miliz bestätigt ihren Rückzug.

Syrien: Syriens Übergangspräsident gibt Waffenruhe mit Kurden bekannt
Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa hat ein Ende der tagelangen Kämpfe im Nordosten des Landes und eine Vereinbarung mit den Kurden-Milizen bekanntgegeben. "Ich empfehle einen vollständigen Waffenstillstand", sagte al-Scharaa nach einem Treffen mit dem US-Syriengesandten Tom Barrack im Präsidentenpalast in Damaskus. Das syrische Präsidialamt veröffentlichte den Text eines 14-Punkte-Plans, der mit dem Anführer der Kurden-Miliz SDF, Maslum Abdi, vereinbart worden sei. Abdi bestätigte laut der Nachrichtenagentur Reuters, dass er einem Rückzug seiner Miliz aus den Provinzen Deir Essor und Raka zugestimmt habe. Beide Provinzen sollen ab sofort von der Zentralregierung verwaltet werden. Sie übernimmt demnach auch die Verantwortung für gefangene Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) und deren Familien, die in bisher von Kurden kontrollierten Gefängnissen und Lagern festgehalten werden. Außerdem sieht der Plan vor, dass sich alle SDF-Kämpferinnen und -Kämpfer Sicherheitsüberprüfungen unterziehen und dem syrischen Verteidigungs- und Innenministerium unterstellt werden. US-Vermittler wertet Einigung als wichtigen Wendepunkt Auch alle Grenzübergänge sowie die Gas- und Ölfelder in der Region sollen ab sofort von der syrischen Regierung kontrolliert werden. Die SDF-Miliz verpflichtete ⁠sich zudem, alle ausländischen Anführer und Kämpfer mit Verbindungen zur kurdischen Arbeiterpartei PKK des Landes zu verweisen. Die PKK wird unter anderem von der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Von den SDF gab es zunächst keine Bestätigung und auch keine Reaktion. Unter dem Text der Vereinbarung, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, waren aber auch der Name und die Unterschrift von SDF-Kommandeur Maslum Abdi zu lesen. Wie al-Scharaa bekanntgab, wurde ein Treffen mit Abdi wegen des schlechten Wetters auf Montag verschoben. Zur Beruhigung der Lage sei aber beschlossen worden, die Vereinbarung bereits online zu unterzeichnen. Der US-Vermittler Barrack sprach auf X von einem "entscheidenden Wendepunkt". Syrischer Präsident verschiebt Deutschlandbesuch Wegen der innenpolitischen Situation verschob al-Scharaa seinen für Montag und Dienstag geplanten Deutschlandbesuch, wie ein Sprecher der Bundesregierung der Nachrichtenagentur dpa bestätigte. Der Präsident sollte am Dienstag eigentlich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), mehrere Bundesminister und Wirtschaftsvertreter treffen. Dabei wollten sie vor allem über eine mögliche Rückführung syrischer Flüchtlinge und den Wiederaufbau Syriens nach fast 14 Jahren Bürgerkrieg sprechen. Die kurdischen und alawitischen Gemeinden in Deutschland hatten die Einladung al-Scharaas kritisiert. Sie werfen der syrischen Regierung vor, ethnische und religiöse Minderheiten gewaltsam zu unterdrücken. Für Montag und Dienstag waren mehrere Demonstrationen gegen den Besuch geplant. Durch die Offensive der syrischen Armee war die SDF-Miliz in den vergangenen Tagen stark unter Druck geraten. Die Regierungstruppen rückten, unterstützt von arabischen Stammeskämpfern, rasch vor und stießen am Sonntag auch auf die letzten ⁠Kurden-Hochburgen vor. Zehntausende Anwohnerinnen und Anwohner flohen vor den Angriffen der Armee . Die Kurden-Führung warf der Regierung vor, das humanitäre Völkerrecht zu missachten. Kurden misstrauen Regierung und streben dezentralisierten Staat an Auslöser der Kämpfe waren Forderungen von Präsident al-Scharaa, die militärischen und zivilen Strukturen der Kurden in die syrischen Staatsinstitutionen zu integrieren. Al-Scharaa bezeichnete es jüngst als ⁠inakzeptabel, dass eine Miliz ein Viertel des Landes kontrolliere und über dessen ⁠wichtigsten Öl- und Rohstoffvorkommen verfüge. Kurdische Führer forderten dagegen einen dezentralisierten Staat. Zudem hegen sie Misstrauen gegen die islamistisch dominierte Regierung des Übergangspräsidenten. Die ​SDF-Miliz gilt als wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen die Terrorgruppe IS in Syrien. Allerdings müssen ⁠die USA dies mit ihrer neuen Unterstützung für Präsident al-Scharaa in Einklang bringen, dessen islamistische ‍Rebellen Ende 2024 den langjährigen Machthaber Baschar al-Assad gestürzt haben.