Zeit 22.01.2026
19:00 Uhr

Syrien: Aktivisten und Bewohner berichten von katastrophaler Lage in Kobane


Der Konflikt zwischen syrischen Regierungstruppen und Kurden im Norden Syriens dauert trotz einer Waffenruhe an. Die humanitäre Lage in Kobane ist offenbar dramatisch.

Syrien: Aktivisten und Bewohner berichten von katastrophaler Lage in Kobane
In der Stadt Kobane im Norden Syriens hat sich die humanitäre Lage aufgrund der anhaltenden Spannungen zwischen der syrischen Übergangsregierung und Kurden stark verschlechtert. Das berichten Bewohner, Aktivisten und lokale Verantwortliche. Dem Direktor der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, zufolge leben derzeit zehntausende Zivilisten in der Stadt unter belagerungsähnlichen Bedingungen. In den vergangenen Tagen seien viele Familien aus umliegenden Dörfern vor den vorrückenden Regierungstruppen und mit ihnen verbündeten Kämpfern nach Kobane geflohen. Kaum medizinische Versorgung, Wasser und Lebensmittel in Kobane Berichten von Bewohnern der Stadt zufolge ist Kobane zudem seit einer Woche ohne Wasserversorgung, nachdem Regierungskräfte die Kontrolle über den strategisch wichtigen Tischrin-Staudamm im Umland übernommen haben. Auch der Strom sei weitgehend ausgefallen. "Wir sind buchstäblich eingeschlossen", sagte ein Bewohner der Nachrichtenagentur dpa. Das syrische Energieministerium wies die Vorwürfe einer absichtlichen Unterbrechung der Wasserversorgung zurück. Das Ministerium teilte mit, es arbeite daran, die Versorgung "im Rahmen der verfügbaren technischen Kapazitäten" aufrechtzuerhalten. Nach Angaben des Repräsentanten der kurdischen Selbstverwaltung von Nord- und Nordostsyrien, Farhan Hajj Issa, ist die Versorgung schlecht. Die Lage sei "katastrophal" und für Zehntausende aufgrund der niedrigen Temperaturen lebensbedrohlich . "Es gibt kaum Internet, die Gemüsemärkte sind leer, Bäckereien geschlossen und medizinische Vorräte gehen gefährlich zur Neige", sagte Issa. Auch die Syrische Beobachtungsstelle warnte vor einer akuten Versorgungskrise. Es fehle an grundlegenden Gütern, insbesondere bei Kindern bestehe die Gefahr von Krankheitsausbrüchen. Eine wirksame Nothilfe gebe es bisher nicht. Kobane als Symbol des Widerstands gegen den IS Auslöser für die Fluchtbewegungen in Richtung der Stadt Kobane war eine Offensive der Übergangsregierung in den bisher kurdisch kontrollierten Gebieten im Norden und Nordosten Syriens. Trotz des eigentlich geltenden Waffenstillstands werfen sich beide Seiten Verstöße und gewaltsame Angriffe vor . Ziel der Übergangsregierung unter Interimspräsident Ahmed al-Scharaa ist es, alle Gebiete Syriens unter eine Zentralregierung zu stellen. Kobane steht überwiegend unter der Kontrolle kurdisch geführter Kräfte, vor allem der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF). Diese hatten über Jahre hinweg gemeinsam mit der von den USA geführten internationalen Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gekämpft. Zwischen 2014 und 2015 wurde die Stadt erfolgreich gegen den IS verteidigt. Diese Niederlage des IS gilt als wichtiger Wendepunkt im Kampf gegen die Terrormiliz und Kobane seither als Symbol des Widerstands.