Zeit 13.02.2026
19:38 Uhr

Sudan: UN-Menschenrechtsbüro wirft RSF-Miliz schwere Kriegsverbrechen vor


Die Vereinten Nationen werfen der RSF-Miliz eine Reihe von Kriegsverbrechen in der sudanesischen Stadt Al-Faschir vor. Mindestens 6.000 Menschen seien getötet worden.

Sudan: UN-Menschenrechtsbüro wirft RSF-Miliz schwere Kriegsverbrechen vor
Das UN-Menschenrechtsbüro (OHCHR) hat der RSF-Miliz im Sudan eine Reihe schwerer Kriegsverbrechen und potenzieller Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Bei der Eroberung der Stadt Al-Faschir im Oktober habe die Miliz eine Welle "heftiger Gewalt" ausgelöst, die in ihrem Ausmaß und in ihrer Brutalität schockierend sei, heißt es in einem OHCHR-Bericht. Demnach sollen RSF-Kämpfer und Kämpfer mit ihr verbündeter arabischer Milizen Massentötungen und Massenhinrichtungen , sexuelle Gewalt, Entführungen zur Erpressung von Lösegeld, Folter und Misshandlung, Inhaftierungen, Verschleppungen und Plünderungen begangen haben. Zudem warf das Menschenrechtsbüro RSF vor, Hunger als Kriegsmittel und Kindersoldaten eingesetzt zu haben. Satellitenbilder deuten auf Massentötungen in Al-Faschir Auf Grundlage der Aussagen von mehr als 140 Opfern und Zeugen hat das OHCHR nach eigenen Angaben die Tötung von 6.000 Menschen dokumentiert. 4.400 von ihnen seien binnen dreier Tage, in denen RSF Al-Faschir eingenommen hatte, getötet worden. Weitere 1.600 wurden demnach entlang der Fluchtrouten getötet. Die tatsächliche Zahl der Opfer dürfte demnach viel höher liegen. Im Dezember hatten die Vereinten Nationen noch von mindestens 1.000 Toten binnen dreier Tage gesprochen . Bereits kurz nach der Eroberung von Al-Faschir kam es zu zahlreichen Berichten über Massaker an der dortigen Zivilbevölkerung. Satellitenbilder, auf denen zahlreiche Ansammlungen von mutmaßlichen Leichen zu sehen waren, deuteten auf die Tötung zahlreicher Menschen . Nach den OHCHR-Vorwürfen haben sich die Angriffe vielfach gezielt gegen Zivilisten oder kampfunfähige Personen gerichtet, deren ethnische Zugehörigkeit oftmals das Motiv gewesen sei. Zusammen mit früheren Angriffen der RSF deute dies auf ein organisiertes und anhaltendes Vorgehen hin, das auf einen systematischen Angriff gegen die Zivilbevölkerung in der Region Darfur schließen lasse. Wissentlich begangene Gewalttaten in dem Zusammenhang könnten als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewertet werden. Millionen Menschen vertrieben und von Hunger bedroht Im Sudan kämpfen seit April 2023 die reguläre Armee und die RSF-Miliz um die Macht. Experten vergleichen die Situation in der Region Darfur mit den frühen 2000er-Jahren, als Vorläufer der RSF dort an der Tötung von bis zu 300.000 Menschen beteiligt waren. Der sudanesischen Armee werden ebenfalls Kriegsverbrechen vorgeworfen, darunter die Bombardierung ziviler Ziele. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk forderte Ermittlungen, um die Verantwortlichen der "außergewöhnlich schweren Verbrechen mit allen verfügbaren Mitteln" zur Rechenschaft zu ziehen. Die UN bezeichnen die Lage im Sudan als schlimmste humanitäre Krise weltweit. Durch die Kämpfe wurden zwölf Millionen Menschen vertrieben. Jeder zweite der 50 Millionen Einwohner Sudans ist von Hunger bedroht . Die RSF-Miliz wird von einer Reihe von Ländern der Region unterstützt. Zudem soll sie in der Vergangenheit mit der inzwischen ins russische Militär integrierten ehemaligen Söldnergruppe Wagner zusammengearbeitet haben. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate werden beschuldigt, die RSF zu unterstützen, was die Regierung der Emirate zurückweist . Die Vereinten Nationen halten die Anschuldigungen jedoch für glaubwürdig. Die Nichtregierungsorganisation Amnesty International hatte zuletzt das Vorhaben der Bundesregierung, mehr Waffenexporte in die Golfstaaten zu genehmigen , unter anderem wegen der Unterstützung der Emirate für die RSF kritisiert. Die EU hatte in der Vergangenheit ebenfalls mit damals noch staatlich kontrollierten, inzwischen in der RSF aufgegangenen Kräften kooperiert, um Fluchtbewegungen nach Europa zu unterbinden .