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13.02.2026
11:35 Uhr
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Mehr als die Hälfte der Familien in Deutschland ist laut einer Studie von Betreuungsausfällen betroffen. Viele Eltern müssen ihre Arbeitszeit reduzieren.

Die Mehrheit der erwerbstätigen Eltern in Deutschland ist laut einer Studie von Einschränkungen und Ausfällen bei der Kinderbetreuung betroffen. Das geht aus aktuellen Daten des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor. Das Institut befragte für die Studie etwa 900 Eltern mit Kindern in Betreuung. Im vergangenen Herbst waren 54 Prozent der Befragten an einem oder mehreren Tagen von verkürzten Betreuungszeiten oder kurzfristigen Schließungen von Betreuungsstätten betroffen, wie die Stiftung mitteilte. Die Einschränkungen beträfen sowohl Kitas als auch Tageseltern und die schulische Ganztagsbetreuung. Laut der Studie mussten fast ein Drittel der Eltern ihre Erwerbstätigkeit reduzieren, um die Betreuungslücken zu schließen. Mehrheitlich würden Frauen einspringen, gleichzeitig reduzierten betroffene Männer etwas häufiger ihre Arbeitszeit im Erwerbsjob. Das liege offenbar daran, dass Männer häufiger Vollzeit arbeiten. Rahmenbedingungen der Erwerbsarbeit Je nach Wohnort waren Eltern zusätzlich unterschiedlich stark betroffen. Im Osten beklagten 21 Prozent der Befragten kurzfristige Schließungen an mindestens einem Tag. Im Westen waren es 39 Prozent. Eltern von kleinen Kindern sind besonders häufig betroffen. Die Wissenschaftler der Studie fordern, dass die Rahmenbedingungen für Erwerbstätige mit Familie oder anderen Verpflichtungen verbessert werden müssen. Die WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch sagte, dass die aktuelle Diskussion über angeblich zu hohe Teilzeitquoten in Deutschland an der Realität vorbeigehen würde. Die Beschäftigten würden dazu aufgefordert, mehr Erwerbsarbeit zu leisten, ohne die Rahmenbedingungen und damit auch die Verantwortung des Staates in den Blick zu nehmen. Unter den gegenwärtigen Bedingungen könnten berufstätige Eltern nicht verlässlich planen, sagte Kohlrausch. Nötig seien daher weitere deutliche Investitionen in eine verlässliche Infrastruktur für die frühe Bildung.