Zeit 27.02.2026
14:06 Uhr

Sportjournalismus: ARD erhält Unterlassungserklärung von Eisschnelllauf-Verband


Der Eisschnelllauf-Verband DESG geht nach einem kritischen Bericht weiter gegen die ARD vor. Einer der betroffenen Journalisten spricht von einem "beispiellosen Vorgang".

Sportjournalismus: ARD erhält Unterlassungserklärung von Eisschnelllauf-Verband
In Reaktion auf einen ARD-Bericht über vermeintliche Missstände bei der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) hat der Verband nachgelegt. Wie ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky mitteilte, ist dem Senderverbund eine Unterlassungserklärung des Verbands zugegangen. "Die ARD wird sich dieser Unterlagen selbstverständlich umgehend annehmen und sie kritisch in Abstimmung mit den involvierten Justiziariaten prüfen", sagte Balkausky. Vorausgegangen war dem ein Bericht der ARD-Journalisten Hajo Seppelt und Jörg Mebus zu Beginn der Olympischen Winterspiele in Norditalien vor wenigen Wochen. Sie hatten für die ARD- Sportschau über mutmaßliche Unregelmäßigkeiten bei der DESG sowie über ein belastetes Verhältnis zwischen einigen Athleten und der Verbandsspitze berichtet. Zudem ging es um Vorwürfe, wonach die DESG Haushaltspläne zurückgehalten habe, Athleten mitunter jahrelang auf Prämien warteten sowie für ihr Teamoutfit und Wettkampfreisen mitbezahlen mussten. Seppelt und Mebus wurde daraufhin am Donnerstag dieser Woche der Zugang zu einer Pressekonferenz der DESG verwehrt. Die beiden Journalisten erhielten ein Hausverbot. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) sprach von einem "unglaublichen Vorgang" . "Ein beispielloser Vorgang in der Geschichte deutscher Sportfachverbände" DESG-Präsident Matthias Große kritisierte Seppelt und Mebus heftig. "Wer meinen Verband auf die Schlachtbank führt, mit dem teile ich nur noch den Gerichtssaal", sagte Große. Er sprach von einer "Schmutzkampagne", einem "Hassspiel" und von "Lügen". Auf der Pressekonferenz sagte er, dass seine Anwälte Briefe verschickt hätten. Zudem behauptete er, der DESG sei durch den Bericht ein siebenstelliger Schaden entstanden. Wodurch dieser explizit entstanden sein soll, erklärte er nicht. Von den in dem ARD-Bericht erhobenen Anschuldigungen distanzierte sich Große. Seppelt sprach nach dem Ausschluss von der Pressekonferenz von einem "beispiellosen Vorgang in der Geschichte deutscher Sportfachverbände". Berichterstatter würden nicht geduldet, weil sie Journalismus betrieben, den Verbandspräsident Große "ablehnt oder nicht für richtig hält". ARD-Sportkoordinator Balkausky sagte, ausgewählte Journalisten nicht zu einer offiziellen Pressekonferenz zuzulassen, sei inakzeptabel und verstoße "eklatant gegen Grundsätze einer freien und unabhängigen Berichterstattung". Sportausschuss des Bundestages berät über Vorwürfe gegen DESG Auch der Sportausschuss des Bundestages wird sich mit den Vorwürfen gegen die DESG beschäftigen. Das teilte die Sprecherin für Sport und Ehrenamt der SPD-Bundestagsfraktion, Bettina Lugk, mit. "Den durch Journalisten und Athleten erhobenen Vorwürfen gegenüber dem Verband muss sorgfältig nachgegangen werden", sagte Lugk. Demnach wird sich der Sportausschuss schon kommende Woche mit dem Thema befassen. Die DESG erhält auch öffentliche Fördergelder. Vor diesem Hintergrund sagte Lugk: "Grundsätzlich gilt für uns: Die Athletinnen und Athleten müssen im Zentrum der Sportpolitik stehen. Wenn sie Missstände benennen, müssen wir diese Hinweise ernst nehmen und sicherstellen, dass sie ohne Druck ihre Perspektive äußern können."