Zeit 06.10.2026
14:16 Uhr

Spionageverdacht: Ehemaliger BND-Chef August Hanning festgenommen


Der frühere Geheimdienstchef August Hanning ist verhaftet worden. Ihm wird Spionage vorgeworfen. Ermittlungsarbeiten im Block-Prozess hatten den Fall ins Rollen gebracht.

Spionageverdacht: Ehemaliger BND-Chef August Hanning festgenommen
Der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, ist festgenommen worden. Gegen den 80-Jährigen und einen BND‑Mitarbeiter ermittelt nach Informationen der ZEIT der Generalbundesanwalt. Hanning werden demnach landesverräterische Ausspähung, das Auskundschaften von Staatsgeheimnissen, der versuchte Landesverrat sowie geheimdienstliche Agententätigkeit vorgeworfen. Seinem ehemaligen Büroleiter werden außerdem Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung vorgeworfen. Die Bundesregierung wollte laut einem Sprecher den Fall »wegen der laufenden Ermittlungen« nicht kommentieren. Die Verdächtigen wurden laut Generalbundesanwalt im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen in Bayern und im Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen verhaftet. Zudem seien in Berlin Räume durchsucht worden. Nach ZEIT-Informationen war Hanning im Rahmen des Block-Prozesses in den Fokus der Ermittler geraten. Im Zuge der Ermittlungen rund um die Entführung der Kinder der Steakhouse-Erbin Christina Block seien unter anderem im September 2025 Räume von Hanning durchsucht worden . Dabei seien Objekte gefunden worden, welche die Ermittlungen gegen Hanning wegen Spionage angestoßen hätten. Informationen an fremde Geheimdienste weitergegeben? Im Kern soll es nach ZEIT-Informationen darum gehen, dass sich Hanning als Pensionär die Briefings des BND für eine streng vertrauliche wöchentliche Sitzung im Kanzleramt habe liefern lassen, die sogenannte ND‑Lage. Dem Vernehmen nach bezahlte er dafür einen Mitarbeiter im Leitungsstab des Nachrichtendienstes, durch dessen Hände das Dokument ging. Gut 2.000 Dokumente soll er Hanning laut Bundesanwaltschaft über die Jahre so zur Verfügung gestellt haben. Die Ermittler gehen demnach dem Verdacht nach, dass Hanning die Inhalte für seine Tätigkeiten als Berater diverser Unternehmen nutzte und möglicherweise gar veräußern wollte. In mindestens einem Fall soll er auch Informationen an einen fremdländischen Nachrichtendienst weitergegeben haben. Ob diese tatsächlich bei den Adressaten angekommen sind, ließ sich laut Generalbundesanwalt »bislang nicht feststellen«. Die Nachrichtenagentur Reuters schrieb sogar, dass er für einen Mitarbeiter eines fremden Geheimdienstes eine Analyse erstellt haben soll. Einen anderen Geheimdienstmitarbeiter eines weiteren Landes soll er jahrelang mit politischen Informationen versorgt haben. Laut Nachrichtenagentur AFP soll es sich dabei um dieselbe Person gehandelt haben. Von Notz fordert Aufarbeitung Konstantin von Notz von den Grünen forderte, dass der gegebenenfalls entstandene nachrichtendienstliche Schaden von der Bundesregierung schnellstmöglich geklärt werden müsse. »Das ist eine eisenharte und abgründige Geschichte«, sagte von Notz dem Spiegel . »Wir erwarten eine zügige und vollständige Aufklärung der ungeheuerlichen Vorwürfe, die gegen den Ex-BND-Chef Hanning im Raum stehen«, sagte das Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestags. Die privaten Geschäfte von früheren Nachrichtendienstchefs müssten nach ihrer Amtszeit eingeschränkt werden. »Die zuständigen Gremien müssen alle notwendigen Informationen erhalten, um den Vorgang lückenlos aufklären zu können«, forderte der innenpolitische Sprecher der Grünenbundestagsfraktion, Marcel Emmerich, in der Rheinischen Post . Bei einem Vorgang, der möglicherweise die Sicherheit Deutschlands und das Vertrauen in staatliche Institutionen berühre, dürfe es »keine offenen Fragen geben«. Die stellvertretende Vorsitzende und innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Clara Bünger, bezeichnete die Geheimdienste allgemein als Sicherheitsrisiko. »Das wissen wir nicht erst seit den Verstrickungen des Verfassungsschutzes in die Mordserie der Neonazi-Terroristen vom NSU«, sagte sie. »Dass ein Mann wie Hans-Georg Maaßen bis vor wenigen Jahren einen deutschen Geheimdienst geleitet hat, spricht ebenfalls Bände.« Der CDU‑Geheimdienstexperte Marc Henrichmann wertete die Festnahme des früheren Geheimdienstchefs August Hanning hingegen als positiv. »Der Staat sendet ein wichtiges Signal nach außen sowie nach innen: Die Arbeit mit geheimen Informationen ist eine Frage der nationalen Sicherheit und kein Bagatelldelikt«, sagte Henrichmann der Nachrichtenagentur AFP. Hanning war von Dezember 1998 bis Ende November 2005 BND‑Präsident . Danach arbeiteten sowohl Hanning als auch sein Mitarbeiter bis 2009 im Bundesinnenministerium. Zwischen 2012 und 2026 arbeitete der ehemalige Büroleiter für nachfolgende BND‑Chefs. In dieser Zeit konnte er auf zahlreiche sensible Informationen zugreifen.