Zeit 04.02.2026
18:11 Uhr

Sparmaßnahmen bei "Washington Post": "Washington Post" plant großen Stellenabbau


Die "Washington Post" steckt nach politisch motivierten Entscheidungen ihres Eigentümers Jeff Bezos in einer Abokrise. Jetzt muss ein Drittel der Belegschaft gehen.

Sparmaßnahmen bei
Die US-amerikanische Zeitung Washington Post von Jeff Bezos entlässt ein Drittel ihrer Belegschaft. Die Kündigungen beträfen alle Abteilungen und nicht nur die Redaktion, teilte Chefredakteur Matt Murray in einer Videokonferenz mit den Mitarbeitern mit. Im Rahmen der Sparmaßnahmen sollen vor allem in der Sportredaktion, bei den Lokalnachrichten und im Literaturressort sowie in der Auslandsberichterstattung zahlreiche Stellen entfallen. Eine Gesamtzahl der Kündigungen nannte Murray nicht. Zuvor hatten US-Medien unter Berufung auf Insider berichtet, dass bis zu 300 der 800 Journalisten der Zeitung betroffen seien. Die Kürzungen seien ein Schock, gestand Murray ein. Man habe aber das Ziel, eine Zeitung zu schaffen, die wieder wachsen und erfolgreich sein könne. Mitarbeitenden der Redaktion wurde mitgeteilt, sie würden via E-Mail darüber informiert, ob ihre Stelle gestrichen werde oder nicht. Traditionsblatt schränkt Auslandsberichterstattung ein Die Maßnahmen werden seit einigen Wochen erwartet, nachdem bekannt geworden war, dass die Washington Pos t keine Sportreporter zu den Olympischen Winterspielen in Italien entsenden wolle. Nachdem das Vorhaben öffentlich bekannt geworden war, kündigte die Zeitung an, ein kleineres Team zu schicken. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP müssen zudem viele Auslandskorrespondenten der Zeitung gehen. Auch das Berliner Büro der Washington Post wird geschlossen, wie dessen Leiter Aaron Wiener auf X mitteilte . In den vergangenen Wochen hatten sich viele Mitarbeiter der Washington Post direkt an Eigentümer Jeff Bezos gewandt. Der Amazon-Gründer hatte die Zeitung 2013 gekauft . Die Mitarbeitergewerkschaft, die Washington Post Guild, rief die Öffentlichkeit auf, Bezos eine Botschaft zu senden: "Es reicht! Ohne die Mitarbeiter der Washington Post gibt es keine Washington Post. " Die Washington Post gehört zu den wichtigsten Zeitungen der USA und ist mit ihrem Alter von fast 150 Jahren ein Traditionsblatt. So war etwa der Watergate-Skandal von Journalisten der Zeitung aufgedeckt worden. Während der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump hatte das Blatt vier Jahre lang akribisch Zehntausende Falschbehauptungen Trumps dokumentiert. Wie viele Abonnenten die Washington Post insgesamt hat, ist unbekannt, es dürften allerdings etwa zwei Millionen sein. Annäherung an Konservative unter Bezos schreckt Abonnenten ab Als Ursache der wirtschaftlichen Probleme bei der Zeitung gilt nicht zuletzt der Kurs von Eigentümer Bezos . Der Amazon-Gründer hatte sich vor Trumps erstem Wahlsieg noch gegen den Republikaner ausgesprochen. Wie andere US-Digitalmilliardäre, etwa Meta-Gründer Mark Zuckerberg, Apple-Chef Tim Cook sowie SpaceX- und Tesla-Chef Elon Musk, hat sich Bezos inzwischen jedoch zu einem Unterstützer Trumps entwickelt. Bereits im Vorfeld der Wahl 2024 hatte die Washington Post auf Bezos' Druck entgegen ihrer Tradition darauf verzichtet, eine Wahlempfehlung – in dem Fall für die demokratische Gegenkandidatin Kamala Harris – auszusprechen. Bei großen US-Medien sind Wahlempfehlungen, anders als in Europa, üblich. Der Verzicht auf eine Positionierung gegen Trump löste unter vielen Lesern der Zeitung Empörung aus, 200.000 Abonnenten hatten deswegen ihre Verträge gekündigt. Auch der Umbau des Meinungsressorts in der Zeitung, das sich auf persönlichen Wunsch von Bezos künftig auf "persönliche Freiheiten und freie Märkte" konzentrieren soll , sorgte für Kritik. Gegenüber der einst vergleichbaren Zeitung New York Times hat die Washington Post dadurch in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung eingebüßt.