Zeit 15.02.2026
20:54 Uhr

Soziale Medien: SPD fordert Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren


Zunächst hatte die SPD ein Verbot von Social Media noch abgelehnt. Nun hat die Partei jedoch ein Impulspapier vorgelegt – mit einem Verbot für Kinder unter 14 Jahren.

Soziale Medien: SPD fordert Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren
Die SPD hat in einem Papier die Einführung eines Social-Media-Verbots für Kinder unter 14 Jahren gefordert. Demnach soll eine Altersverifikation mithilfe der App EUDI-Wallet verpflichtend werden. Zuletzt hatte die SPD ein Social-Media-Verbot noch abgelehnt . Dem Papier zufolge plant die Partei eine nach drei Altersgruppen abgestufte Regelung: Für unter 14-Jährige solle fortan ein vollständiges Verbot der Nutzung von Social-Media-Plattformen bestehen. Die Anbieter sollen verpflichtet werden, "den Zugang technisch wirksam zu unterbinden". Verstöße durch die Plattformen müssten für diese schnelle und spürbare Konsequenzen haben: "Von sofortigen Anordnungen und empfindlichen Sanktionen bis hin zu temporären Einschränkungen oder Netzsperren als Ultima Ratio." Für unter 16-Jährige solle hingegen eine verpflichtende "Jugendversion der Plattformen" gelten. Diese dürfe keine suchtverstärkenden Funktionen enthalten wie etwa Endlosscrollen, automatisches Abspielen von Inhalten oder Anreizsysteme, die intensive oder dauerhafte Nutzung belohnen. Zudem müsse eine Jugendversion ohne algorithmisch gesteuerte Feeds auskommen und dürfe Inhalte auch nicht mehr personalisiert ausspielen. Aktive Entscheidung für Algorithmen Jugendliche unter 16 sollen künftig ausschließlich über die EUDI-Wallet-App ihrer Erziehungsberechtigten Zugang zu Apps wie Instagram haben. Bei der EUDI-Wallet App (EU Digital Identity Wallet) handelt es sich um eine Art digitales Portemonnaie, in dem beispielsweise Personalausweis und Führerschein der Erziehungsberechtigten gespeichert sind. Für alle Bürger ab 16 Jahren sollen künftig auf den digitalen Plattformen zudem algorithmische Empfehlungssysteme standardmäßig deaktiviert sein. Wollen Nutzer Inhalte durch Algorithmen vorgeschlagen bekommen, müssten sie sich also bewusst und aktiv dafür entscheiden. Auch diese Altersgruppe müsste sich dem Vorschlag entsprechend künftig vor der Nutzung mit EUDI-Wallet verifizieren. Die Sozialdemokraten verstehen ihren Vorschlag darüber hinaus als eine groß angelegte "Rückkehr zum klassischen Social-Media-Prinzip". Das bedeutet: Nutzer sollen künftig wieder selbst entscheiden können, was sie sehen wollen und was nicht. Aus diesem Grund sollten Onlineanbieter zur früheren Standardeinstellung zurückkommen, in der Nutzer auf ihrer Seite nur Inhalte von Personen und Accounts erhalten, denen sie aktiv folgen. Sie sollten nicht mehr Inhalte durch einen automatisierten Feed angezeigt bekommen, der verdeckt priorisiere und einzelne Inhalte algorithmisch verstärke, hieß es in dem SPD-Papier. Pauschale Verbote für junge Menschen oder eine Klarnamenpflicht gingen am Kern des Problems vorbei, hatte die rechtspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag, Carmen Wegge, noch vor wenigen Tagen gesagt. "Soziale Plattformen können süchtig machen und tragen zur Radikalisierung von Menschen bei", sagte sie. Deshalb müssten Plattformen stärker in die Pflicht genommen und Verbraucher gestärkt werden. Klingbeil unterstützt Forderungen "Wir kommen an klaren Regeln und Einschränkungen, wie sie der SPD-Vorschlag unterbreitet, nicht mehr vorbei", sagte Klingbeil nun dem Spiegel . Der Schutz junger Menschen vor der Flut an Hass und Gewalt in sozialen Medien habe oberste Priorität. Die Onlineplattformen richten laut Klingbeil ihre Geschäftsmodelle systematisch auf maximale Aufmerksamkeit, Polarisierung und Datennutzung aus und ließen dabei insbesondere Kinder und Jugendliche zu oft schutzlos zurück. Der SPD-Vorsitzende forderte Betreiber dazu auf, Nutzerinnen und Nutzer besser zu schützen. "Wer in Europa Geschäfte macht, trägt Verantwortung für die Sicherheit junger Menschen genauso wie für den Schutz Erwachsener", sagte Klingbeil und fügte hinzu: "Plattformen müssen den Menschen dienen, die sie nutzen – nicht umgekehrt." Auch beim Koalitionspartner CDU befürworteten zuletzt einige Stimmen eine strengere Regulierung von sozialen Medien. Familienministerin Karin Prien (CDU) erklärte, ein Verbot bis zu einem bestimmten Alter könne sie sich persönlich vorstellen. Die CDU will auf ihrem Parteitag am kommenden Wochenende über das Thema diskutieren. Zuletzt hatten mehrere europäische Länder wie Frankreich, Spanien, Dänemark und Großbritannien angekündigt, dem Vorbild Australiens zu folgen. Das Land führte vor zwei Monaten als erster Staat weltweit ein generelles Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige ein. Die Kinder dürfen dort keine eigenen Social-Media-Accounts mehr besitzen.