Zeit 25.12.2025
10:58 Uhr

Soziale Investitionen: Kommunen fordern stärkeren Einsatz gegen wachsende Einsamkeit


Der Gemeindebund warnt vor einem "Jahrzehnt der Einsamkeit". Dem will er etwa mit längeren Öffnungszeiten von Bibliotheken begegnen, finanziert aus einem großen Fonds.

Soziale Investitionen: Kommunen fordern stärkeren Einsatz gegen wachsende Einsamkeit
Der Städte- und Gemeindebund hat mehr Investitionen in die soziale Infrastruktur und einen stärkeren Einsatz gegen wachsende Einsamkeit gefordert. Dieser dürfe "nicht am Geld scheitern", sagte Hauptgeschäftsführer André Berghegger und sprach sich für einen "Fonds gegen Einsamkeit" aus, der einen Umfang von 500 Millionen Euro für diese Legislaturperiode haben solle. Berghegger warnte vor einem "Jahrzehnt der Einsamkeit". Diese sei in den Kommunen als Erstes bemerkbar, und genau dort könne "am wirksamsten gegengesteuert werden". Neben einer deutlich besseren Finanzausstattung der Kommunen brauche es daher auch ein starkes Programm von Bund und Ländern gegen Einsamkeit. Dies könnte etwa bedeuten, Begegnungsorte wie Volkshochschulen oder Bibliotheken länger und verlässlicher geöffnet zu lassen. Als "Orte des Austauschs und des lebenslangen Lernens" müssten solche Orte dauerhaft offenstehen – "ohne lange Schließzeiten, ohne Urlaubszeiten, ohne krankheitsbedingte Ausfälle und ohne frühen Feierabend". Dies solle die Kombination aus Haupt- und Ehrenamt ermöglichen. Das Signal müsse lauten: "Wir sind immer da." Finanzierung aus EU-Geldern und Haushaltsmitteln Angesichts des steigenden Einflusses von sozialen Medien und künstlicher Intelligenz forderte Berghegger, die Qualität realer sozialer Kontakte zu stärken. Den Effekt eines persönlichen Gesprächs vor Ort könnten auch die besten digitalen Angebote nicht ersetzen, sagte er. Konkrete Vorschläge zur Finanzierung machte Berghegger ebenfalls. So könnte ein "Fonds gegen Einsamkeit" etwa aus EU-Geldern, Restmitteln im Bundeshaushalt oder Umschichtungen in den Einzeletats finanziert werden. In vielen Ländern habe der Kampf gegen Einsamkeit bereits hohe politische Priorität. Engagement sei immer dort erfolgreich, "wo Einsamkeit als gesamtgesellschaftliche Querschnittsaufgabe verstanden wird". Einer Erhebung der Bertelsmann Stiftung zur Einsamkeit junger Erwachsener von 2024 (PDF) zufolge sind deutschlandweit 41 Prozent der Menschen mindestens moderat einsam, zwölf Prozent davon stark einsam. Damit liege Deutschland im EU-Vergleich leicht unter dem Durchschnitt. Insgesamt sei Einsamkeit in Europa stark verbreitet und läge noch deutlich über dem Niveau vor der Coronapandemie.