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04.03.2026
20:48 Uhr
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Die Regierungsparteien fordern ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. Aber wollen es auch die Bürger? Eine Umfrage zeigt: Das kommt darauf an, wo man die Grenze zieht.

Binnen weniger Tage haben mehr als 100.000 Menschen eine Onlinepetition unterschrieben, die ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren fordert. Für die Mehrheit der Deutschen sprechen sie dabei aber offenbar nicht. Der Großteil der Bevölkerung (77 Prozent) lehnt ein Verbot für Jugendliche bis 16 Jahre ab. Ein Verbot für bis 12-Jährige hingegen befürwortet die Mehrheit (71 Prozent). Das zeigen neue Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Demnach ist der Blick der Deutschen auf Social Media skeptisch: Nur vier Prozent der 2.700 Befragten sehen in sozialen Medien hauptsächlich Chancen. Entsprechend ist ein Großteil der Bevölkerung dafür, soziale Medien zu regulieren. 59 Prozent befürworten es etwa, soziale Medien aus den Schulen zu verbannen. Die Daten zeigen auch, dass es eine breite Zustimmung für alternative Schutzmaßnahmen gibt, mit denen etwa die Medienkompetenz gestärkt wird, Eltern ihre Kinder stärker bei der Nutzung sozialer Medien begleiten und die Politik den Plattformbetreibern striktere Vorgaben macht. Die Daten basieren auf einer Onlinebefragung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), die die Forscher im September 2025 in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) und der Universität Münster durchgeführt haben und repräsentativ ist für die in Deutschland lebende Bevölkerung. Wenige Monate später trat in Australien das weltweit erste Gesetz in Kraft, das unter 16-Jährigen die Nutzung sozialer Medien untersagt. Seitdem diskutieren weltweit Politiker, ob auch bei ihnen ein vergleichbares Verbot helfen könnte, Kinder und Jugendliche besser zu schützen. Etwa vor Mobbing, Gewalt und einem übermäßigen Konsum sozialer Medien, der, so die Sorge, die Konzentrationsspanne von Kindern verkürzen und ihr Sozialleben verkümmern lassen könnte. In Deutschland fordern seit Kurzem beide Regierungsparteien ein Social-Media-Mindestalter von 14 Jahren. Diese Altersgrenze wurde in der DIW-Untersuchung nicht abgefragt. Im ZDF- Politbarometer von Ende Februar sprachen sich 81 Prozent für ein solches Verbot aus. Vor allem Lehrer und Ältere finden Social Media riskant Die Zustimmungswerte zur Altersgrenze bis zwölf Jahre unterscheiden sich zwischen den Generationen kaum. Unter Vertretern der Generation Silent und der Babyboomer (geboren zwischen 1900 und 1945 bzw. zwischen 1946 und 1964), der Generation X (1965 bis 1980), der Generation Y (1981 bis 1996) und der Generation Z (1997 bis 2010) befürworten sie jeweils über 65 Prozent. Das mag überraschen, ist aber durchaus im Einklang mit anderen Umfragen. Allerdings gilt: Je höher das geforderte Mindestalter, desto geringer die Zustimmung bei den jüngeren Generationen. Unter den Babyboomern befürworten es immerhin noch 37 Prozent, Social Media bis 16 Jahre zu verbieten. Bei der Generation Z sind es mit 20 Prozent schon deutlich weniger. Auch in der Risikowahrnehmung sozialer Medien gibt es erstaunliche Einhelligkeit zwischen den Generationen – mit wenigen Ausnahmen, die die Gefahr besonders deutlich wahrnehmen: "Zu dieser Gruppe gehören häufiger Ältere, Lehrkräfte sowie Personen, die soziale Medien nicht nutzen", schreiben die Forscher. Gleichzeitig nehmen ältere Generationen die Chancen von sozialen Medien (sich auszutauschen, kreativ zu sein, gesellschaftlich teilzuhaben) weit weniger wahr, als es die jüngeren Befragten tun. Die Ergebnisse unterscheiden sich auch je nach Bildungsabschluss. Je niedriger das Bildungsniveau war, desto geringer fiel auch die Risikowahrnehmung von sozialen Medien aus. Menschen mit einem hohen Bildungsniveau (etwa einem Bachelor-, Master- oder Diplomabschluss) schätzen die Gefahren höher ein als solche mit einem niedrigen Bildungsniveau (ohne Abschluss, Hauptschul- oder Realschulabschluss). Was wenig überraschen dürfte: Je jünger die Befragten waren, desto kontroverser finden sie den Vorschlag, soziale Medien in Schulen zu verbieten. Die jüngste Generation lehnt das mehrheitlich ab. Die Forscher haben dazu auch separat Lehrkräfte befragt. Die liegen unter dem Durchschnitt: 59 Prozent der befragten Berufstätigen sprachen sich für ein Social-Media-Verbot in Schulen aus. Unter den Lehrkräften waren es nur 56 Prozent – und das, obwohl diese Berufsgruppe die Risiken sozialer Medien besonders deutlich wahrnimmt. Die vom DIW analysierten Daten sind auch deshalb relevant, weil ein Verbot sich wohl kaum gegen den Willen von Schülern und Eltern durchsetzen ließe. Dafür lassen sich Altersschranken zu leicht umgehen. Grundsätzlich gibt es in Deutschland eine Unterstützung dafür, ein Mindestalter einzuführen und soziale Medien zu regulieren. Drastische Pauschalverbote, die einfach nur auf ein besonders hohes Mindestalter abzielen, dürften hingegen auf wenig Akzeptanz stoßen.