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17.02.2026
08:54 Uhr
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Ein pauschales Verbot sozialer Medien verkenne das Problem, sagt die Beauftragte der Regierung gegen Missbrauch von Kindern, Kerstin Claus. Der SPD-Vorschlag gefällt ihr.

Der Vorschlag der SPD für nach Alter gestaffelte Regeln zur Nutzung von Social-Media-Plattformen erfährt Unterstützung der unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus. Den Zeitungen der Mediengruppe Bayern sagte Claus, sie begrüße den Vorschlag der SPD, Altersgrenzen für soziale Medien differenziert zu gestalten. Eine pauschale Verbotsdebatte würde die Komplexität des Problems verkennen. Trotzdem müsse "im Zweifel das Recht auf Schutz von Kindern und Jugendlichen Vorrang haben". Claus reagierte auf ein Positionspapier der SPD-Bundestagsfraktion. Dies sieht vor, dass Kinder unter 14 Jahren die Plattformen gar nicht nutzen dürfen . Für Jugendliche unter 16 Jahren soll eine verpflichtende Jugendversion unter anderem keine von Algorithmen gesteuerten Belohnungs- und Empfehlungssysteme enthalten. Für sie sei neben der abgestuften Altersregelung vor allem entscheidend, dass der Vorschlag etwas gegen die gezielte Ausrichtung sozialer Plattformen auf maximale Verweildauer und manipulative Suchtmechanismen unternehme, sagte Claus. Sie sieht in personalisierten Feeds und Algorithmen, die Abhängigkeit fördern, keine technischen Notwendigkeiten, sondern bewusste Entscheidungen mit gravierenden Folgen für Heranwachsende. Durch den Vorschlag würden "die Anbieter endlich in die Pflicht genommen". Unions- und Gesundheitspolitiker unterstützen Vorschlag der SPD Auch der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen sprach sich für den SPD-Vorschlag aus. Gegenüber den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland nannte er vor allem die gesundheitlichen Risiken exzessiver Social-Media-Nutzung bei Kindern und Jugendlichen als Grund für ein Verbot. Es gehe nicht um ein harmloses Freizeitvergnügen, sondern um ein System, das gezielt auf maximale Bindung und Abhängigkeit ausgelegt sei. "Deshalb halte ich eine klare Altersgrenze für Social Media für gesundheitspolitisch gut begründet", sagte Dahmen. Auch mehrere Unionspolitiker äußerten Offenheit für eine stärkere Regulierung des Zugangs zu Onlinediensten. "Wir müssen Kinder und Jugendliche besser schützen", sagte Unionsfraktionschef Jens Spahn der Augsburger Allgemeinen . Er sei jedoch gegen pauschale Verbote. In seiner Fraktion werde derzeit an weiteren Vorschlägen gearbeitet. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst forderte eine schnelle Einigung mit der SPD. "Es wird höchste Zeit für eine wirksame Altersbeschränkung für Social Media, die Kinder im Alltag auch praktisch schützt", sagte der CDU-Landesvorsitzende dem Magazin Focus . Kritiker fordern Förderung von Medienkompetenz Auch Bildungsverbände unterstützen ein Social-Media-Verbot. Sie sehen ähnlich wie Claus die Altersabstufungen als sinnvolle Option, damit Jugendliche trotzdem die Möglichkeit haben, sich zunächst mit den Funktionalitäten vertraut zu machen. Smartphones und Social Media seien Teil der Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen, sagte Tomi Neckov, Bundesvorsitzender des Verbandes für Bildung und Erziehung, gegenüber dem RND , und fügte hinzu, dass man neben pauschalen Verboten immer auch Möglichkeiten schaffen müsse, um im geschützten Raum die Vorteile des Mediums nutzen zu können. Kritik an dem Vorschlag der SPD äußerte derweil der Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche Bitkom. "Statt pauschaler Ausschlüsse bestimmter Altersgruppen braucht es einen risikobasierten Ansatz mit altersgerechten Voreinstellungen", sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder dem RND . Außerdem seien technische Schutzmechanismen und die konsequente Förderung von Medienkompetenz, etwa durch verpflichtende Medienbildung in der Schule, wichtig. Zudem warnte Rohleder vor deutschen Alleingängen . "Digitale Dienste sind im europäischen Binnenmarkt reguliert und sollten auch weiterhin europäisch einheitlich geregelt werden, um Rechtsklarheit und praktikable Lösungen zu gewährleisten", sagte Rohleder.